Schulwahl

Debatte um Zukunft der Haupt- und Werkrealschulen

Ministerin Dr. Susanne Eisenmann: „Steigende Schülerzahlen an den Haupt- und Werkrealschulen über die Schuljahre hinweg bestätigen klar den Bedarf an dieser Schulart.“

07.08.2019 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg
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In den vergangenen Tagen wurde breit über die Zukunft der Haupt- und Werkrealschulen debattiert. „Man kann sich nur wundern, wie die Diskussion gerade geführt wird. Unser Vorschlag zur Schulgesetzänderung kommt ja nicht von ungefähr“, sagt Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann und erklärt: „Wir konstatieren seit einigen Jahren, dass spätestens ab der siebten Klasse die Schülerzahlen an den Haupt- und Werkrealschulen wieder zunehmen. Das bestätigt klar den Bedarf an dieser Schulart. In Klasse neun haben wir hier fast bis zu 50 Prozent mehr Schüler als in der fünften Klasse.“ Dies sei eine Folge eines geänderten Schulwahlverhaltens, bei dem sich der Wegfall der Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung nachlaufend auswirke und das die Schulen vor Ort vor große Herausforderungen stelle. So besuchten im Schuljahr 2013/14 etwa 12.000 Schülerinnen und Schüler die fünften Klassen der Haupt- und Werkrealschulen des Landes. Im Abschlussjahr 2017/18 umfasste der Jahrgang rund 17.500 Schülerinnen und Schüler. Diese Tendenz zum späteren Wechsel auf Haupt- und Werkrealschulen hat sich in den vergangenen Jahren verstärkt, wie die Tabelle weiter unten zeigt.

„Für uns bedeutet das geänderte Wahlverhalten, dass wir die Vorgaben der regionalen Schulentwicklung anpassen müssen“, sagt die Ministerin und fügt an: „Wir bereiten deshalb eine Schulgesetzänderung vor, die die durchschnittliche Schülerzahl der Klassen fünf bis neun in den Blick nimmt.“ Bislang ist es so, dass im Rahmen der regionalen Schulentwicklung ein Hinweisverfahren beginnt, wenn eine weiterführende allgemein bildende Schule in Klasse fünf weniger als 16 Anmeldungen erhält. „Wenn man allerdings sieht, dass die Schülerzahlen in den Haupt- und Werkrealschulen über die Schuljahre hinweg eklatant zunehmen, wird die aktuelle Regelung der Schulart nicht gerecht“, sagt Eisenmann. Das Kultusministerium bereitet deswegen einen Gesetzesentwurf vor, bei dem die Messgröße von durchschnittlich 16 Schülerinnen und Schülern über die Klassen fünf bis neun gelten soll. Zudem sollen im Rahmen der Schulentwicklung auch die Entwicklungsperspektive der Schule und der Bedarf in der Region berücksichtigt werden.

Zukunfts- und bedarfsorientiert

Für diesen Vorschlag erfährt die Ministerin Rückendeckung von vielen Seiten. So hat zum Beispiel der VBE Baden-Württemberg in seiner Pressemitteilung vom 5. August 2019 die geplante Stärkung der Haupt- und Werkrealschulen ausdrücklich unterstützt. Auch der Landeselternbeirat hat in der Vergangenheit klargestellt, dass man auf das flächendeckende Angebot der Haupt- und Werkrealschulen nicht verzichten möchte. Bei einem offenen Austausch mit Ministerin Eisenmann am 4. Juni 2019 haben zudem Schulleiterinnen und Schulleiter von Haupt- und Werkrealschulen ebenfalls durchgehend Unterstützung für die Pläne des Kultusministeriums signalisiert.

„Wir brauchen alle unsere Schularten, um auf die unterschiedlichen Begabungen junger Menschen eingehen zu können. Und die Haupt- und Werkrealschulen bilden vor allem Begabungen im handwerklichen Bereich sehr gut ab, bringen diese eher praktisch begabten Schülerinnen und Schüler erfolgreich zum Hauptschulabschluss und sind eine gute Basis für eine anschließende Ausbildung oder den Weg über die beruflichen Schulen“, erklärt die Kultusministerin. „Ich bin deshalb überrascht und kann nicht nachvollziehen, wie leichtfertig man diese Schulart aufgeben möchte und ideologische Vorbehalte gegen die Mehrgliedrigkeit im Schulsystem auffährt, statt zukunftsorientierte Perspektiven zu bieten, die sich am konkreten Bedarf orientieren.“ 

Stärkung der Basiskompetenzen

Eine zentrale Rückmeldung der Schulleitungen von Haupt- und Werkrealschulen beim offenen Austausch Anfang Juni war weiterhin, dass die Schülerinnen und Schüler dringend eine Stärkung der Basiskompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen benötigen. „Dieses Feedback deckt sich mit unseren Erkenntnissen. Gemeinsam mit dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung sind wir momentan bereits dabei, ein Unterstützungsangebot für die Haupt- und Werkrealschulen mit Schwerpunkt auf den Basiskompetenzen zu entwickeln“, sagt Eisenmann und fügt an: „Die Absolventen brauchen das nötige Rüstzeug, um im Anschluss eine duale Ausbildung erfolgreich meistern zu können.“ Darüber hinaus werde die Berufsorientierung, als originärer Markenkern der Haupt- und Werkrealschulen, gestärkt.


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