Der Bericht des Rechnungshofs Berlin: Unterrichtsausfall durch Organisationsmängel in den Schulen
Der heutige Bericht des Rechnungshofs Berlin stellt fest, dass Unterrichtsausfall auch durch Organisationsdefizite in den einzelnen Schulen entsteht. In der Pressemitteilung heißt es: "Der Rechnungshof hat festgestellt, dass die Schulen der Absicherung des Unterrichts nicht immer die gebotene Priorität einräumen. Die Schulen haben vielfach nicht alle erforderlichen und möglichen organisatorischen Maßnahmen wie (...) getroffen, um den Unterrichtsausfall auf das objektiv unvermeidbare Maß zu beschränken. Der Rechnungshof hat aber in den geprüften Schulen auch wesentliche Unterschiede bei der Organisation von Vertretungen vorgefunden, die zu unterschiedlichen Erfolgen bei der Vermeidung von Unterrichtsausfall führen."
21.05.2008 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und ForschungDer Rechnungshof hat in drei untersuchten Gymnasien pro Schulwoche im Durchschnitt 14,1 Stunden Unterrichtsausfall festgestellt. Auf alle 98 Gymnasien hochgerechnet kommt der Rechnungshof zu der Schlussfolgerung, dass dem Land dadurch ein Schaden von mehr als 2 Millionen Euro (allein in den Gymnasien) entsteht. Wenn man den Unterrichtsausfall auf alle öffentlichen allgemein bildenden Schulen im Schuljahr 2006/2007 hochrechnet und ins Verhältnis zum Unterrichtssoll im Schuljahr 2006/2007 setzt, kommt man nach den Ergebnissen des Rechnungshofs auf einen Unterrichtsausfall von 10 000 Stunden/Woche und eine Ausfallquote von ca. zwei Prozent.
Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner betonte: "Der Rechnungshof bestätigt die Bildungspolitik des Senats: Wir haben die Bekämpfung des Unterrichtsausfalls zur obersten Priorität gemacht und in den Schulen und in der Schulaufsicht Maßnahmen getroffen, die den Unterrichtsausfall vermindern sollen."
- Die Schulen erhalten mehr Handlungsspielraum, um umgehend die notwendigen Maßnahmen zur Vertretung zu organisieren. Seit diesem Schuljahr kann z. B. jede Schule Mittel in Höhe von drei Prozent ihres Lehrkräftebedarfs bekommen, um kurzfristig Vertretungen zu beschäftigen. Mehr als 600 Schulen nutzen diese Möglichkeit der Personalkostenbudgetierung. Die Bildungsverwaltung arbeitet derzeit an Verbesserungen dieses Instruments.
- Die Schulaufsicht wird neu organisiert, um näher an den Problemen der Schulen zu sein und dadurch die Schulen flexibler zu unterstützen und besser zu beraten. Einzelheiten dazu werden bis zur Sommerpause veröffentlicht.
- Neben der Schulaufsicht ist zum Schuljahr 2007/2008 eine Organisationsberatung für die allgemein bildenden Schulen geschaffen worden. Sie dient dem Ziel, die Einsatzplanung des Lehr- und Erzieherpersonals zu verbessern. Die Gruppe wird von der Bildungsverwaltung in die Schulen entsendet, z. B. bei Meldungen über Unterrichtsausfall, über mangelnde Fachversorgung, Klagen über die Realisierung der Rhythmisierung oder Personalanforderungen einer Schule, die auf Grund der aktuellen Datenlage nicht nachvollziehbar sind. Die Gruppe klärt auf der Basis von Gesprächen mit der Schule, der aktuellen Datenlage und der vor Ort vorhandenen Unterlagen wie Stundentafel, Einsatzpläne, Vertretungspläne u. ä. die Verwendung der Personalressourcen. Stellt die Gruppe Gestaltungsreserven fest, werden möglichst noch am selben Tag die notwendigen und möglichen Maßnahmen zur Verbesserung der Situation vor Ort veranlasst. Die Beratungsgruppe hat im letzten halben Jahr 17 Schulen beraten.
- Erstmalig hat die Bildungsverwaltung in diesem Schuljahr einen zweiten Einstellungstermin zum zweiten Schulhalbjahr festgelegt, so dass in Ruhestand getretene Lehrkräfte zeitnah ersetzt werden.
- Im Zuge der Entbürokratisierungsinitiative werden die Schulen schon in einer ersten Maßnahmewelle spürbar entlastet. Der gesamte Entlastungseffekt der bereits beschlossenen Entbürokratisierungsmaßnahme kann auf ein Volumen von 150 Vollzeitstellen hochgerechnet werden. Über die Arbeit der Projektgruppe zum Bürokratieabbau hinaus hat Senator Zöllner festgelegt, dass die Entbürokratisierung eine Daueraufgabe der Bildungsverwaltung bleibt.
Senator Zöllner: "Diese Maßnahmen sind ergriffen worden, nachdem die Rechnungsprüfer ihre Arbeit aufgenommen haben. Insofern verdeutlicht der Bericht in erster Linie, wie groß der Handlungsbedarf im Jahre 2006 war und nicht wie groß er jetzt ist. Ich nehme es als gutes Zeichen, dass die Anzahl und der Schweregrad der Klagen in den letzten Monaten deutlich nachgelassen haben. Ich habe bereits bei meinem Amtsantritt im Dezember 2006 festgestellt, dass Berliner Schülerinnen und Schüler guten Unterricht brauchen. Und damit der Unterricht gut sein kann, muss er überhaupt erst stattfinden.
Es kann im Einzelfall immer richtig sein, dass durch einen kranken Lehrer, eine Prüfung, ein Sportfest oder ein Wandertag Unterricht ausfällt. Das kann das Ausmaß des z.B. von den Eltern beklagten Unterrichtsausfalls aber nicht erklären. Wir werden diesen Bericht zum Anlass nehmen, zu prüfen, wie wir Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten noch zielgenauer auf die Probleme und Bedürfnisse der Schulen zuschneiden können."
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