Der VBE ist skeptisch: Werbekampagnen sollen die neue Werkrealschule als innovatives Erfolgsmodell verkaufen

Alle Hauptschulen müssen ab kommendem Schuljahr nach dem noch im­mer nicht vorliegenden (!) Bildungsplan der Neuen Werkrealschule unter­richten. Die Schulen dürfen dies aber nur dann im Namen ausweisen, wenn sie dafür beim Kultusministerium einen Antrag gestellt haben. Diesen An­trag als Beleg für einen durchschlagenden Erfolg des aufgefrischten Werk­realschulkonzeptes aus den Neunzigerjahren zu verkaufen, hat schon etwas von Gesundbeterei, behauptet der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg.

16.02.2010 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Ab dem kommenden Schuljahr wird es keine Hauptschule "mit Werkrealschule" mehr geben. Über 15 Jahre lang prägte diese die Schullandschaft mit. Stattdes­sen wird künftig unterschieden zwischen Hauptschule (ohne zehntes Schuljahr) und Werkrealschule mit mindestens einer zehnten Klasse, die ansonsten durch­gängig zweizügig sein soll.

Trotz der unterschiedlichen Namen wird in beiden Schulformen nach dem glei­chen Bildungsplan unterrichtet, so dass Schüler nach jeder Klassenstufe von der Hauptschule zur Werkrealschule wechseln können.

Da sich aber ohne offizielle "Genehmigung" keine der rund 1200 Hauptschulen im Land "Werkrealschule" nennen darf, müssen diese Schulen gezwungenerma­ßen einen Antrag auf das neue Namensschild stellen. Bei zwei- oder mehrzügi­gen Hauptschulen mit ausreichend Schülern ist der Antrag reine Formsache.

Auch alle einzügigen Hauptschulen, die seither schon eine zehnte Klasse zusam­mengebracht haben, dürfen den Titel "Werkrealschule" beantragen.

Wenn der Kultusminister jetzt das Vorliegen von 567 Anträgen auf die Einrich­tung einer Werkrealschule vollmundig als Zustimmung zu seiner Bildungspoli­tik verkauft, macht er sich selber ein X für ein U vor, denn den Schulen blieb mehr oder minder nichts anderes übrig, als diesen Antrag zu stellen.

So ist nicht die Qualität der Arbeit für die künftige Schulform Werkrealschule Maßstab, sondern die Quantität der vorhandenen Schüler. Das Kultusministeri­um nimmt dabei billigend in Kauf, dass stabile einzügige Hauptschulen ohne zehntes Schuljahr zu Gunsten größerer Einheiten auf der Strecke bleiben. Dabei macht es sich jedoch nicht die Hände schmutzig und schiebt den Schwarzen Pe­ter elegant den Kommunen vor Ort zu, die nun Bildungspolitik machen müssen.


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