Deutsch allein genügt nicht

Äußerst befremdet reagierte der Bayerische Elternverband auf den heutigen Kabinettsbeschluss zur Integrationspolitik der bayerischen Staatsregierung. Gewalt an den Schule lasse sich auf keinen Fall dadurch bekämpfen, dass man sie auf Migrantenkinder und deren mangelnde Deutschkenntnisse reduziere.

04.04.2006 Bayern Pressemeldung Bayerischer Elternverband

"Gewalt entsteht dort, wo Menschen keine Perspektive haben - das können deutsche Kinder und Jugendliche genauso sein wie ausländische", sagte Ursula Walther, Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbands. Integration erreiche man nicht durch Ausgrenzen und Drohungen. Nur wer sich willkommen fühle, könne sich integrieren. Eltern, die durch staatliche Sanktionen unter Druck gesetzt würden, könnten ihren Kindern nur schwer ein positives Bild von dem Land vermitteln, in dem Kinder und Jugendliche offenbar nur dann willkommen seien, wenn sie klaglos hinnehmen oder allenfalls in perfektem Deutsch beklagen, dass sie schlechte Bildungschancen und wenig Aussicht auf einen Ausbildungsplatz haben.

Deutschlernen schon im Kindergarten sei durchaus sinnvoll und auch nicht ganz so neu, wie der Kabinettsbeschluss glauben mache. Neu sei allerdings die Unerbittlichkeit, mit der die ausländischen Eltern unter Druck gesetzt würden. "Seit genau 15 Jahren kämpfe ich um die Integration und um die bessere Förderung nicht deutschsprechender Kinder", sagte die stellver- tretende BEV-Vorsitzende Bernadette Dechant. "Das sind Ohrfeigen für uns alle, an jeglicher Pädagogik vorbei." Nur wenn ausreichend Lehrer zur Verfügung stünden, die Deutsch als Zweitsprache unterrichten können, hätten die Migranten und ihre Kinder eine Chance, die Sprache zu lernen. Sinnvolle Angebote wie zum Beispiel "Mama lernt Deutsch" würden aber stattdessen reduziert, die Mittel für die Sprachkurse im Kindergarten den Grundschulen entzogen. "Und was mit deutschen Kindern geschieht, die zu wenig Deutsch können, um im normalen Unterricht mitzuhalten, ist ebenfalls unklar", sagte Walther. "Zahlen deren Eltern ebenfalls Bußgeld und müssen in einen Integrationskurs?"

Die vom Kabinett so bezeichneten "Sanktionen gegen notorische Unterrichtsstörer" sieht der BEV als pädagogischen Offenbarungseid. "Schüler werden nicht gewalttätig, weil sie Lust dazu haben, sondern wenn sie permenent ausgegrenzt und abgeschoben werden. Wer sich nicht willkommen fühlt, sich selbst als ständigen Versager erlebt, geht daran zu Grunde oder wehrt sich. Vorübergehend brauchten solche Schüler zwar eine spezielle Betreuung, und dazu gebe es bereits ausreichend Modelle. Präventiv helfe aber nur mehr pädagogisches Personal - Sozialpädagogen, Schulpsychologen - und ein Schulsystem, das nicht automatisch Verlierer erzeuge.


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