Deutscher Lehrertag des VBE 2006:

"In Deutschland gibt es einen beängstigenden Zusammenhang zwischen Bildungschancen, sozialer Herkunft und Gesundheitsverhalten", stellte der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Ludwig Eckinger auf dem Deutschen Lehrertag 2006 des VBE fest, der heute in Darmstadt veranstaltet wird.

10.11.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)

"Bildungsungerechtigkeit, soziale Selektion in der Bildung und die bildungspolitische Vernachlässigung von bis zu 20 Prozent eines Schülerjahrgangs", betonte der VBE-Bundesvorsitzende, "verbinden sich mit Fehlernährung, Bewegungsarmut und Risiken für die Gesundheit zu einem unheilvollen Geflecht."

Eckinger verwies auf die jüngste Kindergesundheitsstudie des Robert-Koch-Instituts, wonach 21 Prozent der Kinder zwischen 11 und 17 Jahren ein auffälliges Essverhalten zeigen. Fünf Prozent der Kinder in Deutschland seien fettleibig, zehn bis 15 Prozent bereits übergewichtig, wenn sie in die Schule kämen. Doch unter Übergewicht und Fettsucht würden deutlich mehr Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien und Familien mit geringerer Bildungsbeteiligung leiden, so Eckinger und warnte vor einem Teufelskreis.

Auch beim Sport herrsche soziale Ungleichheit. Eckinger sagte: "Jungen und männliche Jugendliche aus sozial privilegierten Familien treiben deutlich mehr Sport als ihre Altersgenossen aus sozial benachteiligten und bildungsfernen Familien. Kinder und Jugendliche, die Sport treiben und sich im Alltag viel bewegen, ernähren sich außerdem im Durchschnitt viel gesünder als inaktive und bewegungsarme Jugendliche."

Vor den Teilnehmern des Deutschen Lehrertages – Lehrerinnen und Lehrer aus allen Bundesländern, Wissenschaftler, Lehrerbildner, Eltern sowie Vertreter aus Bildungspolitik und Schulverwaltung – betonte Eckinger, die Schule bekenne sich zu ihrer Verantwortung als ein Ort der Aufklärung über gesundheitsbewusstes Verhalten mit Blick auf die Frage nach der Wertigkeit des Lebens. Dabei dürfe die Schule aber nicht allein gelassen werden.

Der VBE-Bundesvorsitzende forderte die Kultusminister auf, den Sportunterricht nach Lehrplan zu garantieren, denn bislang falle ein Viertel der Sportstunden aus. Weiter bekräftigte Eckinger: "Der VBE fordert von den Schulträgern, Pausenhöfe der Schulen so zu gestalten, dass sie Kindern Anreiz zu sportlicher Betätigung bieten." Dringend sei auch, die Schulverpflegung nach Mindeststandards für gesunde Verpflegung auszurichten und in den Schulen Räume anzubieten, in denen sich die Schülerinnen und Schüler das Essen schmecken lassen können.

Eckinger sprach sich gegen ein Unterrichtsfach "Ernährung" aus, erhob aber die Forderung, an jeder Schule müsse es einen Experten in Fragen der Ernährung geben, um die Beratung für Kinder, Jugendliche und deren Eltern zu verbessern. "Der VBE fordert die Bildungspolitik auf", so der VBE-Bundesvorsitzende, "Fragen der sinnvollen Ernährung zum Bestandteil der Lehrerbildung zu machen." Weiter forderte Eckinger, "im Rahmen der Gesundheitsreform eindeutige Kriterien der Gesundheitsprävention aufzustellen und nicht mit sündteuren Maßnahmen für die Rehabilitation zu reagieren".

An die Ernährungsindustrie erging vom Deutschen Lehrertag die Aufforderung, XXL-Packungen von Snacks und Süßigkeiten sofort vom Markt zu nehmen.

Der Paderborner Ernährungswissenschaftler Helmut Heseker unterstrich auf dem Deutschen Lehrertag des VBE: "Aufgrund veränderter Familienstrukturen, Lebensrhythmen und Arbeitsbedingungen findet traditionelle Ernährungserziehung und die gemeinsame Einnahme von Mahlzeiten immer weniger im Elternhaus statt. Eltern sind inzwischen auch nicht mehr die zentrale Instanz in Ernährungsfragen. Vorbilder aus Fernsehsendungen und Peergruppen beeinflussen das Essverhalten viel stärker und nachhaltiger." Heseker stellte die Kompetenz auf dem Gebiet der Ernährung in den Rang einer Kulturtechnik. "Kinder und Jugendliche haben ein Recht darauf, dass ihnen diese Kulturtechnik bestmöglich zugänglich gemacht und vermittelt wird."


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