Viele Wege, eine Entscheidung: Berufsorientierung im Wandel
Vielfältigere Berufe, veränderte Prioritäten und Bedürfnisse, neue digitale Zugänge: Auf der didacta 2026 wird diskutiert, mit welchen Konzepten und Ansätzen Berufsorientierung gelingt und warum.
25.02.2026 Bundesweit Artikel Hanna Bolin, Anna PetersenWas will ich mal werden? Mit dieser Frage sind Jugendliche und junge Erwachsene im Zuge ihrer schulischen Bildung immer wieder konfrontiert: bei Informationsveranstaltungen, Beratungsgesprächen und Praktika oder beim Abendbrot. Gleichzeitig wird die Antwort immer komplizierter. Während sich neue Berufsfelder eröffnen, klassische Tätigkeiten neu gedacht und die Wege in Ausbildung, Studium und Beruf vielfältiger werden, kann man schnell den Überblick verlieren.
Jugendliche müssen daher gleich mehrere Schritte meistern: Sie müssen die eigenen Kompetenzen, Ziele und Interessen kennenlernen, sich Orientierung verschaffen und mit den konkreten Anforderungen der Arbeitswelt auseinandersetzen. Berufsorientierung soll sie dabei unterstützen.
Berufsorientierung in der Schule
Im Schulalltag kann berufliche Orientierung sehr unterschiedlich aussehen. „Das ist nicht die Aufgabe eines Kollegen oder einer Kollegin, sondern die von vielen“, betont Ralf Neugschwender, Vorsitzender des Verbands Deutscher Realschullehrer. Verschiedene Aspekte sollten in unterschiedlichen Fächern aufgegriffen werden: „In Deutsch kann ich Bewerbungsgespräche üben, in Mathe Lohnabrechnungen behandeln, was heißt Brutto und Netto. Das ist alles schon Berufsorientierung.“
Wie aber sieht zeitgemäße Berufsorientierung aus? Und wie können digitale Möglichkeiten die Kompetenzentwicklung von Schülerinnen und Schülern unterstützen? Über diese Fragen wird Ralf Neugschwender auf dem Forum Bildungsperspektiven der didacta sprechen – bei der Veranstaltung „Next Level Berufsorientierung: Individualisiert. Digital. Wirkungsvoll.“ „Ich freue mich sehr, dass das Thema bei der didacta so präsent ist. Das zeigt, wie wichtig es ist“, sagt Neugschwender, für den eines ganz klar ist: „Berufsorientierung sollte fest im jeweiligen Schulprofil verankert sein und zwar in allen Jahrgangsstufen, nicht erst kurz vor dem Schulabschluss.“
Selbstwirksam statt orientierungslos
„Schülerinnen und Schüler, die den richtigen Beruf für sich wählen, sind mit sich selbst zufrieden und erleben im Endeffekt Selbstwirksamkeit“, so Neugschwender. Umgekehrt könne ein Ausbildungsabbruch Jugendliche in ihrem Selbstvertrauen verunsichern. Das dringende Ziel sei, „dass möglichst wenige junge Menschen im Übergangssystem zwischen Schulabschluss und Ausbildungsbeginn landen, sondern einen reibungslosen Übergang schaffen“.
Vielfältige Berufe, veränderte Prioritäten
Die Anforderungen an berufliche Orientierung sind indes gewachsen. „Berufe sind heterogener, moderner geworden“, meint Dr. Till Mischler, Hauptgeschäftsführer der pfälzischen Handwerkskammer. Über diese Veränderungen in der Berufswelt spricht Mischler bei der didacta-Veranstaltung „Heterogenität in der beruflichen Bildung. Die Herausforderung beginnt schon bei der Berufsorientierung“.
Veränderungen nimmt Mischler auch bei jungen Menschen wahr: „Die Aufmerksamkeitsspanne von Kindern und Jugendlichen ist geringer geworden. Das ist keine Wertung, es ist eine Entwicklung“, betont Mischler. Zudem spielten Praxiserfahrungen für die Jugendlichen heute eine größere Rolle als früher. „Ich muss Begeisterung auslösen“, so Mischler. Dafür sei es hilfreich, die Jugendlichen viel ausprobieren zu lassen. Eine Möglichkeit bieten praxisnahe Formate außerhalb des Unterrichts: In Ferienprogrammen zur Berufsorientierung, Projektwochen oder Praktika können Jugendliche Berufe kennenlernen und ausprobieren – ohne den Druck schulischer Leistungsbewertung. Auch Begegnungen mit realen Bildungs- und Berufsbiografien spielen eine zentrale Rolle: Gespräche mit Auszubildenden oder Studierenden machen Wege greifbar und unterstützen Jugendliche dabei, eigene Entscheidungen einzuordnen. Zudem sollten Eltern miteinbezogen werden. „Sie entscheiden wesentlich mit und gelten als sogenannte Berufswahlmultiplikatoren“, so Mischler. Eine Möglichkeit seien Elterncafés, in denen Informationen vermittelt und Austausch ermöglicht werde.
Digital, individuell, ergänzend
Digitale Angebote können zudem analoge Formate sinnvoll ergänzen. Apps zur Berufs- und Studienorientierung, etwa mit spielerischen Elementen oder individualisierten Abfragen, ermöglichen Jugendlichen einen niedrigschwelligen Zugang zu eigenen Interessen und Fähigkeiten. „Durch responsive Befragungen kann ich jemanden wirklich individuell leiten“, erklärt Neugschwender. Ziel müsse sein, dass jede Schülerin und jeder Schüler den eigenen Weg findet.
Darüber hinaus eröffnen Virtual-Reality-Anwendungen neue Zugänge: Mit VR-Brillen lassen sich ganze Arbeitsumgebungen simulieren. „Das macht Spaß, das sorgt für ein Aha-Erlebnis und es verändert zum Beispiel den Blick aufs Handwerk“, so Mischler von der pfälzischen Handwerkskammer. Digitale Berufsorientierung ersetzt zwar keine persönlichen Erfahrungen, kann aber Orientierung vertiefen, Neugier wecken und Entscheidungsprozesse vorbereiten.
Berufsorientierung im Fokus
Eine Bandbreite interaktiver Möglichkeiten zur Berufsorientierung bietet in diesem Jahr auch erstmals die didacta. Die Sonderfläche „Entdecke deine Zukunft“ richtet sich an Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Bildungsakteure. Workshops und Mitmachaktionen finden statt, digitale Anwendungen können getestet, Ausbildungsberufe kennengelernt und direkte Kontakte zu Branchenvertretern geknüpft werden. Das Ziel: Allen Interessierten eine praxisnahe Orientierungshilfe zu bieten.
Zu diesen Interessierten zählen aber nicht nur junge Menschen, sondern auch Erwerbstätige, die sich beruflich neu ausrichten oder weiterentwickeln möchten. Auf der didacta wendet sich die Bundesagentur für Arbeit (BA) daher gezielt an beide Gruppen. Beispielsweise bei der Veranstaltung: Kosmos:KARRIERE. Vor Ort informiert die Behörde über Beratungsangebote und gibt Einblicke in die eigene Arbeitsmarktbeobachtung. Zum Beispiel unter der Fragestellung: Wie verändern sich Berufe durch Digitalisierung, Transformation und technologische Innovationen? Und welche Kompetenzen werden künftig besonders gefragt sein?
Das Dienstleistungsangebot der Agenturen für Arbeit wird von Schulen gerne genutzt. Eine bundesweite Befragung der BA ergab: 78 Prozent der Schulen bewerten die Inhalte der berufsorientierenden Aktivitäten der Agentur für Arbeit als gut oder sehr gut. „Erfreulich ist, dass wir in NRW teilweise sogar bessere Ergebnisse erzielen konnten“, kommentiert Verena Burger von der BA die Umfrage. Für die Kommunikationsleiterin der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen sind die guten Resultate „Ansporn, sich weiter zu verbessern und neue Ansätze der Berufsorientierung auszuprobieren“.
Berufsorientierung gelingt nur gemeinsam
Ein Überblick über das Portfolio möglicher Berufe und sich wandelnder Berufsbilder kommt dabei nicht nur Jugendlichen zugute. Ihre Bezugspersonen sollten ebenfalls gut informiert sein, insbesondere Lehrkräfte und Eltern. Das sieht Aline Sommer-Noack ähnlich, Speakerin bei der Veranstaltung „Next Level Berufsorientierung: Individualisiert. Digital. Wirkungsvoll.“. Die stellvertretende Vorsitzende des Bundeselternrats ist überzeugt: „Berufsorientierung gelingt dort, wo Eltern, Schulen und Betriebe zusammenarbeiten und digitale Möglichkeiten klug genutzt werden. Die didacta bringt genau diese Akteure zusammen“, so Sommer-Noack. Die Aufgabe als Elternvertretung ist für sie dabei klar: „Wir wollen, dass aus gut gemeint endlich flächendeckend gut gemacht wird.“
Vom 10. bis 14. März 2026 findet die didacta als weltweit größte und Deutschlands wichtigste Bildungsmesse unter dem Leitthema „Alles im Wandel. Bildung im Fokus“ statt. Ideeller Träger und Kurator des Rahmenprogramms ist der Didacta Verband, der Verband der Bildungswirtschaft.
Bringen Sie sich aktiv ein, entdecken Sie Best Practices und nehmen Sie frische Impulse für Ihren Berufsalltag mit durch einen Besuch der didacta 2026 in Köln. Sichern Sie sich hier Ihr Ticket für die Bildungsmesse.
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Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der didacta 2026 finden Sie unter www.didacta-messe.de, auf Facebook, Instagram und LinkedIn.
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Quellenangabe: Dieser Beitrag erschien zuerst im didacta-Themendienst.
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