Bayern

Die Mittelschule braucht mehr Mittel

Die Situation an den Mittelschulen ist alles andere als zufriedenstellend. Im Gegenteil: Schulleiter und Lehrkräfte sind gestresst und verärgert. Sie haben es mit zahllosen Änderungen zu tun, die zum Teil während des laufenden Schuljahres eingeführt wurden. Diese Maßnahmen ziehen nicht nur erheblichen personellen und organisatorischen Mehraufwand nach sich, sondern sie lösen auch Verunsicherung und Ärger aus.

10.05.2011 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

"Für Lehrer, Schüler und Eltern gibt es außerdem keine Planungssicherheit. Sie müssen die Erfahrung machen, dass das, was heute gilt, morgen schon wieder ganz anders aussehen kann", erklärte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, heute in München. Er könne daher die Auffassung von Kultusminister Spaenle nicht teilen, dass die Einführung der Mittelschule gelungen sei. "Eine erfolgreiche Reform sieht anders aus." Er könne auch nicht erkennen, dass Mittelschulen das Schulsterben aufhielten oder das Schulwahlverhalten verändern würden. "Wir begrüßen aber die deutlichen Zeichen der Öffnung zwischen den einzelnen Schularten und erwarten, dass sich daraus positive Konzepte der schulischen Kooperation und Integration ergeben." Nach Auffassung des BLLV ist es mit einer Umbenennung der Hauptschulen in Mittelschulen nicht getan. Erforderlich seien deutlich mehr finanzielle und personelle Ressourcen sowie ein professionelles Konzept.

Der BLLV hätte es durchaus begrüßt, wenn für die derzeitige Schüler- und Lehrerschaft wirksame Neuerungen eingeführt worden wären. "Sie sind schließlich auf pragmatische Lösungen angewiesen", betonte Wenzel. Doch das Gegenteil sei der Fall: "Die Schulen werden mit unprofessionell vorbereiteten Reformen überhäuft, die zum Teil nicht sinnvoll sind oder aber es fehlt das zur Umsetzung erforderliche Personal."

Viele Neuerungen wurden während des laufenden Schuljahres eingeführt - ohne Rücksicht auf Schüler und Lehrer. Zum Beispiel die mitten im Schuljahr angeordnete Aufnahmeprüfung in den M-Zweig. Für sie gab es keine rechtliche Grundlage, stattdessen wurde sie aber noch einmal kurzfristig geändert. Das führte dazu, dass Schüler der sechsten Jahrgangsstufe die Aufnahmeprüfung in M-Kurse zwar schon absolviert hatten, diese aber dann unnötig geworden war. Die Lehrkräfte hatten umsonst Prüfungen abgehalten, umsonst Fragen konzipiert, Schüler umsonst Prüfungen geschrieben und Lehrer umsonst korrigiert. "Ich glaube, es ist für jeden nachvollziehbar, dass sich die Betroffenen darüber sehr ärgerten", sagte Wenzel.

Auch die neue Projektprüfung sowie die Neukonzeption der vertieften Berufsfeldorientierung stoßen auf anhaltende Kritik:

"Die Projektprüfung als neue Prüfungsform hatte der BLLV ausdrücklich begrüßt, denn sie stellt die Kompetenzen der Schüler in den Mittelpunkt und weist so den Weg zu einem veränderten Lern- und Leistungsverständnis", betonte Wenzel. Allerdings seien die Schüler nicht entsprechend auf die neuen Anforderungen vorbereitet worden. "Die Gefahr, dass sie überfordert werden, ist groß." Projektprüfungen verlangten außerdem projektorientierte Unterrichtsmethoden. Hinzu komme der hohe organisatorische Aufwand: so müssten z.B. Teambesprechungen abgehalten werden oder Fachräume während der Prüfungszeit stets belegt werden. "Die Lehrkräfte brauchen Zeit zur Einarbeitung, Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln und genügend Raum für Entwicklungsprozesse. Sie brauchen vor allem auch ausreichend Personal. Viele Schulleiter beklagen aber, dass ihnen genau das fehlt."

Ebenfalls Unmut ausgelöst hat die Neukonzeption der vertieften Berufsorientierung: War es bisher den Schulen erlaubt, regionalisierte Angebote zu konzipieren, haben sich nun die Ausschreibungsbedingungen drastisch verändert. Die Berufsorientierung wird so vereinheitlicht, sie wird bürokratisch, verkompliziert und in aller Regel auch teurer, anonymer und kommerzieller. Wenzel: "In der Summe erhöht das die Ineffizienz. Lehrerinnen und Lehrer pochen auf Weiterführung des alten und in ihren Augen bewährten Modells."

Der BLLV hatte sich bereits Ende März diesen Jahres mit dem Positionspapier "BLLV fordert Weiterentwicklung der Mittelschulen mit Bedacht" an das Kultusministerium und Bildungspolitiker im Bayerischen Landtag gewandt.


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