Studie

Diese Schulfächer sind bei Schüler:innen am beliebtesten

Eine neue Studie der Universität Osnabrück liefert erstmals seit Jahrzehnten wieder eine breite fachübergreifende Bestandsaufnahme. Das Ergebnis: Sport, Kunst und Englisch liegen vorn. Chemie und Physik bilden das Schlusslicht. Und Mathematik gehört zugleich zu den beliebtesten und unbeliebtesten Fächern.

03.09.2026 Bundesweit Pressemeldung Universität Osnabrück
  • © Adobe Stock Am Ende der Rangliste stehen Chemie mit der Schulnote 3,01 und Physik mit 3,06.

Für die Fachbeliebtheitsstudie befragten Forschende der Universität Osnabrück 5.623 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 13 an 19 weiterführenden Schulen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Berlin und Baden-Württemberg. Die Kinder und Jugendlichen bewerteten 17 Schulfächer nach dem Schulnotenprinzip von 1 („sehr gut“) bis 6 („ungenügend“). Zusätzlich wurden unter anderem Jahrgangsstufe, Geschlecht, Schultyp, Bundesland, Bildungsabschluss der Eltern und Migrationsstatus berücksichtigt. Beteiligt waren Dr. Lars Otte und Prof. Dr. Marco Beeken aus der Didaktik der Chemie sowie Prof. Dr. Christian Reintjes, Prof. Dr. Ferdinand Stebner und Dr. Till Kaiser aus den Erziehungswissenschaften.

Das Gesamtranking fällt eindeutig aus: Nach Berücksichtigung der Fächerwahl in der Oberstufe erhält Sport mit der Durchschnittsnote 1,93 die beste Bewertung, gefolgt von Kunst mit 2,19 und Englisch mit 2,45. Am anderen Ende der Rangliste stehen Chemie mit 3,01 und Physik mit 3,06. Auch als Fächergruppe schneiden die MINT-Fächer schlechter ab als Sprachen, Gesellschaftswissenschaften sowie Sport, Musik und Kunst.

„Für uns als Chemiedidaktiker ist das zunächst ein ernüchternder Befund: Chemie und Physik gehören tatsächlich weiterhin zu den am wenigsten beliebten Fächern. Gleichzeitig zeigt die Studie aber, dass es kein generelles Desinteresse an Naturwissenschaften gibt – Biologie wird beispielsweise deutlich positiver bewertet“, sagt Dr. Lars Otte. „Entscheidend ist also offenbar, wie zugänglich die spezifischen Anforderungen eines Faches für die Schülerinnen und Schüler werden.“

Besonders deutlich wird dies beim Blick auf die Jahrgangsstufen. Fast alle Fächer verlieren während der Sekundarstufe I an Beliebtheit. Besonders stark trifft dies Chemie, Physik und die zweite Fremdsprache. Im MINT-Bereich verschlechtert sich die durchschnittliche Bewertung zwischen Jahrgang 5 und 10 von 2,66 auf 3,00. Physik fällt im selben Zeitraum von 2,72 auf 3,37, Chemie von 2,67 auf 3,20. „Man könnte auch sagen: Sobald es in Chemie und Physik abstrakter wird, sobald gerechnet werden muss, sinken die Werte“, sagt Dr. Lars Otte. Zudem bauen diese Fächer – ähnlich wie die zweite Fremdsprache – stark aufeinander auf. Schülerinnen und Schüler, die es mal ein paar Monate mit dem Lernen nicht so genau genommen haben, laufen Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Bei Biologie gibt es hingegen so unterschiedliche Themengebiete, dass ein „Neueinstieg“ leichter möglich ist.

„Eigentlich besitzt Chemie alles, was ein faszinierendes Schulfach ausmachen kann: Experimente, Alltagsbezüge und Antworten auf zentrale Fragen etwa zu Energie, Umwelt oder modernen Materialien. Die Herausforderung besteht darin, diese Faszination auch dann zu erhalten, wenn Modellvorstellungen, Symbolsprache und mathematische Anforderungen hinzukommen“, erklärt Prof. Dr. Marco Beeken. „Unsere Ergebnisse sind deshalb weniger ein Urteil über ein Fach als ein klarer Auftrag an die Fachdidaktik.“

In der Oberstufe zeigt sich zugleich ein deutlicher Auswahleffekt: Schülerinnen und Schüler, die ein Fach weiterbelegen, bewerten es häufig wesentlich positiver als diejenigen, die es abgewählt haben. „Das zeigt, wie eng Fachbeliebtheit, Kompetenzerleben und Bildungsentscheidungen miteinander verknüpft sind“, sagt Prof. Dr. Ferdinand Stebner. „Wenn Schülerinnen und Schüler sich in einem Fach als kompetent erleben und dessen Inhalte für sich als bedeutsam wahrnehmen, erhöht das nicht nur die Motivation – es kann auch beeinflussen, ob sie sich langfristig weiter mit diesem Fach beschäftigen.“

Die Analysen zeigen außerdem: Schüler bewerten die Fächer Informatik, Physik, Mathematik und Sport positiver, während Schülerinnen Kunst, Deutsch, Pädagogik und die zweite Fremdsprache bevorzugen. Auch die Bildungsherkunft spielt eine Rolle: Schülerinnen und Schüler aus formal höher gebildeten Elternhäusern bewerten die Schulfächer generell positiver. Im gemeinsamen statistischen Modell ist der Bildungsabschluss der Eltern nach dem konkreten Fach und der Jahrgangsstufe der drittstärkste feste Erklärungsfaktor. Der Migrationsstatus besitzt dagegen unter Berücksichtigung der übrigen Merkmale keinen eigenständigen allgemeinen Effekt auf die Fachbeliebtheit.

„Das ist für die Bildungsforschung ein wichtiger Befund: Fachbeliebtheit lässt sich nicht auf einfache Kategorien wie Geschlecht, Bundesland oder Migrationsstatus reduzieren“, betont Prof. Dr. Christian Reintjes. „Gleichzeitig zeigt der Zusammenhang mit der Bildungsherkunft, dass auch familiäre Bildungsressourcen und unterschiedliche Voraussetzungen dafür eine Rolle spielen können, wie zugänglich und bedeutsam schulische Fächer erlebt werden.“

Für eine Überraschung sorgten schließlich die direkten Fragen nach den beliebtesten und unbeliebtesten Fächern. Sport wurde mit 24,7 Prozent der Nennungen mit großem Abstand am häufigsten als Lieblingsfach genannt. Mathematik dagegen polarisiert: 9,3 Prozent der Nennungen entfielen auf Mathematik als Lieblingsfach – gleichzeitig wurde es mit 20,0 Prozent mit Abstand am häufigsten als am wenigsten gemochtes Fach genannt. Auch Englisch und Deutsch finden sich vergleichsweise häufig auf beiden Seiten.

Die Forschenden warnen deshalb davor, die Rangliste als Qualitätsurteil über einzelne Schulfächer zu verstehen. Fachbeliebtheit entstehe vielmehr im Zusammenspiel von fachlichen Anforderungen, individuellen Voraussetzungen und konkreten Unterrichtserfahrungen. Die Studie sei nicht bundesweit repräsentativ, liefere mit ihrer großen, bundesländerübergreifenden Stichprobe jedoch eine aktuelle und differenzierte Bestandsaufnahme der Fachpräferenzen von Schülerinnen und Schülern.

Die gesamte Studie kann hier online eingesehen werden.


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