Schul-Barometer

Digitales Lehren und Lernen: Deutschland hat Aufholbedarf

Die Umsetzung des digitalen Unterrichts ist in der Schweiz und in Österreich deutlich stärker ausgeprägt als in Deutschland. Auch beim Lernengagement der Schülerinnen und Schüler Zuhause sowie bei der Unterstützung der Eltern schneidet Deutschland schlechter ab als die beiden Alpenländer.

15.05.2020 Bundesweit Pressemeldung Institut für Bildungsmanagement und Bildungsökonomie IBB
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Das Institut für Bildungsmanagement und Bildungsökonomie (IBB) der Pädagogischen Hochschule Zug (PH Zug) hat in der breit angelegten Studie «Schul-Barometer» in der Schweiz, Deutschland und Österreich die Auswirkungen von Corona auf die Schule erforscht. Im SchulBarometer kam zum Vorschein, dass sich die drei Länder zum Teil erheblich im Hinblick auf digitales Lehren und Lernen unterscheiden. Die Unterschiede zwischen Deutschland und den beiden Alpenländern zeigen sich insbesondere in zwei Bereichen:

Die Umsetzung des digitalen Unterrichts ist in der Schweiz und in Österreich deutlich stärker ausgeprägt als in Deutschland (Ausmass an Stunden digitalen Unterrichts, Nutzung von OnlineLernplattformen, Schüler/innen, die digital erreicht werden, selbsteingeschätzte Fähigkeiten in der Gestaltung von digitalen Lehr-Lernprozessen). So liegt der Anteil an Mitarbeitenden der Schule, die angeben, 0 h pro Woche digitale Präsenzzeiten mit den Schüler/innen vereinbart zu haben, in Deutschland bei genau 50 Prozent. In Österreich und der Schweiz ist dieser Anteil mit 30 und 33 Prozent deutlich niedriger: Auch berichten in Deutschland nur 36 Prozent der befragten Mitarbeitenden der Schule, dass sie ihre Schüler/innen über Online-Lern- und ArbeitsPlattformen wie Sharepoint oder Teams erreichen, während dies in Österreich 63 Prozent und in der Schweiz 57 Prozent tun bzw. berichten. Zweitens wird auch das Lernengagement der Schüler/innen zuhause sowie die Unterstützung der Eltern von Mitarbeitenden der Schule in Deutschland deutlich geringer wahrgenommen als von Mitarbeitenden der Schule in der Schweiz und Österreich. So berichten in Deutschland 34 Prozent der Mitarbeitenden der Schule, dass ihre Schüler/innen zuhause aktiv an ihren Aufgaben arbeiten; in Österreich und der Schweiz tun dies dagegen 70 Prozent bzw. 61 Prozent.

Unterschiede in den Ressourcen und technischen Kapazitäten für digitales Lehren
Gemäss Angaben der Schulleitungen stehen in der Schweiz signifikant mehr und in Deutschland signifikant weniger Ressourcen und technische Kapazitäten für digitales Lehren bereit als in Österreich. Die Unterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz sind gross (Effektstärke (Cohens d) 1.11 ≤ d ≤ 1.29, siehe Abbildung.) Auch gemäss Angaben der Mitarbeitenden der Schulen stehen in Deutschland signifikant weniger Ressourcen und technische Kapazitäten für digitales Lehren bereit als in Österreich und der Schweiz (0.77 ≤ d ≤ 0.84). In der Schweiz werden gemäss Angaben der Schulleitungen ausserdem signifikant mehr OnlinePlattformen genutzt (81% bzw. 82%), um Aufgaben bereitzustellen bzw. zu kontrollieren (Österreich 57% bzw. 58%, mittlere Effekte; Deutschland jeweils 43%, grosse Effekte). Gemäss Aussagen der Schüler/innen werden sowohl in der Schweiz wie auch in Österreich mehr OnlinePlattformen genutzt (75% bis 82% im Vergleich zu 31% in Deutschland, 0.94 ≤ d ≤ 1.12).

© Institut für Bildungsmanagement und Bildungsökonomie IBB

Unterschiede in der Einschätzung der Kompetenzen der Lehrpersonen bezüglich digitaler Lehr-Lern-Formen
Die Mitarbeitenden der Schulen aus Deutschland schätzen sich im Vergleich zu Mitarbeitenden aus Österreich und der Schweiz signifikant weniger kompetent ein für den Einsatz digitaler LehrLern-Formen (0.56 ≤ d ≤ 0.64). Dieser Bewertung deckt sich mit jener der Eltern und der Schüler/innen: Eltern sowie Schüler/innen aus Deutschland schätzen ‚ihre‘ Mitarbeitenden der Schule weniger kompetent ein als die Eltern und Schüler/innen aus Österreich und der Schweiz (0.40 ≤ d ≤ 0.93). Zudem zeigen die Angaben der Schüler/innen signifikante Unterschiede zwischen den Ländern in der Einschätzung, von wie vielen Lehrpersonen digitaler Unterricht organisiert wird: In Deutschland sind dies weniger als die Hälfte, in der Schweiz die Meisten (0.39 ≤ d ≤ 0.95).

Unterschiede in der Lern- und Hausaufgabenkontrolle
Gemäss Schulleitungen und Mitarbeitenden der Schule werden die Aufgaben in Österreich signifikant häufiger kontrolliert als in den beiden Vergleichsländern (0.51 ≤ d ≤ 1.16), in Deutschland signifikant seltener als in den beiden Vergleichsländern (0.47 ≤ d ≤ 1.16). Damit übereinstimmend, stimmen die Eltern sowie die Schüler/innen aus Deutschland weniger stark zu, dass die Aufgaben kontrolliert werden (0.56 ≤ d ≤ 0.95). Die Schüler/innen aus Deutschland erhalten gemäss ihrer eigenen Aussagen zudem weniger differenzierte Hinweise von den Lehrpersonen zu den bearbeiteten Aufgaben (0.79 ≤ d ≤ 0.82). Die Schulleitenden und Mitarbeitenden der Schule aus der Schweiz stimmen der Aussage «Schüler/innen haben mindestens wöchentlich ein individuelles Coaching mit der Klassenlehr- /Vertrauensperson» signifikant häufiger zu (0.50 ≤ d ≤ 1.17), diejenigen in Deutschland signifikant weniger oft (0.50 ≤ d ≤ 1.17).

Hier finden Sie die vollständige Medienmitteilung zum Thema Digitales Lehren und Lernen. Weiter Infos gibt es auf der Webseite des IBB


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