Philologen

DPhV warnt vor "schulstrukturellem Irrgarten"

Vor den Folgen einer weitgehenden Kommunalisierung der Schulstruktur in den Bundesländern NRW und Niedersachsen hat der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, gewarnt.

04.11.2010 Pressemeldung Deutscher Philologenverband (DPhV)

Der DPhV betrachte es mit großer Sorge, dass anstelle des ursprünglichen Ziels, die Schullandschaft in Deutschland transparenter und einheitlicher zu gestalten und die Qualität der Abschlüsse zu sichern, inzwischen der Weg in die umgekehrte Richtung gehe. Der Verbandsvorsitzende betonte in Berlin: "Es ist geradezu widersinnig, dass trotz des demographischen Rückgangs in NRW und Niedersachsen die Zahl der Schulformen vermehrt werden soll. Anstatt mehr Ordnung in die Bildungsstruktur zu bringen, schaffe man immer mehr Unordnung und Wildwuchs. Auch wenn das Kalkül, das dahinter steckt, in beiden Bundesländern verschieden sein mag, das Ergebnis wird das gleiche sein: massiver Qualitätsverlust und die Verunsicherung von Eltern, Lehrern und Schülern!"

Der DPhV-Vorsitzende nannte es eine Illusion, dass an vor Ort eingerichteten kleinen Gesamt- oder Gemeinschaftsschulen ohne ausreichende Schülerzahl die Qualität der Abschlüsse, insbesondere einer Hochschulreife garantiert werden könne, hinter der neben der Studienberechtigung auch die Studienbefähigung stehe. "Wenn einzelne Bundesländer Kommunen, denen es verständlicherweise in erster Linie darum geht, den Schulstandort zu halten und nicht darum, die Qualität der Abschlüsse zu garantieren, überlassen, ihren jeweiligen 'schulischen Anzug' selbst zu schneidern, dann kommt kein Maßanzug heraus, sondern ein löchriges Lumpenkleid, das die Blößen dieser Konzeption kaum verdecken kann!", so der Bundesvorsitzende.

Meidinger verwies auf die Konzeption des Deutschen Philologenverbandes, die eine klare Schulstruktur anstrebe, in der es neben dem Gymnasium, das ab der 5.Klasse auf vertiefte Allgemeinbildung, Reflexions- und Verstehenskompetenz und Erreichen der Studierfähigkeit ausgerichtet sei, einen weiteren Weg geben müsse, der möglichst ohne Umwege und Brüche bis zur Hochschulreife führen kann. Ob diese zweite Säule eine differenzierte Mittelschule ist, die jeweils gesondert auf einen berufsorientierten Hauptschulabschluss und den Realschulabschluss vorbereitet und über eine anschließende Oberstufe oder den Eintritt in das Gymnasium zum Abitur führen kann, oder ob diese Säule auch strukturell nach Abschlüssen getrennt ist wie bei Haupt- und Realschule, erscheine zweitrangig. Wichtig sei, dass für geeignete Schüler direkte Anschlussmöglichkeiten nach oben gegeben sind.

"Die in NRW und Niedersachsen drohende Absenkung der Qualitätsstandards würde die Abschlüsse selbst massiv entwerten und schadet damit in erster Linie den Betroffenen, den Schülerinnen und Schülern. Wer behauptet, dass unabhängig von der Schülerzahl und der Schulstruktur vor Ort die schulische Förderung und eine vergleichbare Qualität des Abiturs gesichert werden kann, der sagt bewusst die Unwahrheit!", bekräftigte Meidinger.


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