Drei neue Gymnasien für bildungshungrige Münchner – bpv begrüßt Neugründungen
Der Bayerische Philologenverband (bpv) hat den gestrigen Stadtratsbeschluss der Stadt München begrüßt, für 110 Millionen Euro in den kommenden zehn Jahren drei neue Gymnasien zu bauen sowie bestehende Gymnasien zu erweitern. Die Stadt München würde dabei als Sachaufwandsträger den Großteil der Kosten schultern. Der Rest sowie die dauerhaft anfallenden Personalkosten müssen vom Freistaat getragen werden, sofern dieser den Bedarf anerkennt und dem Antrag der Stadt zustimmt.
28.06.2007 Bayern Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)Hohe Anmeldezuwächse
"Diese Entscheidung war dringend notwendig", kommentierte der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands Max Schmidt das Vorhaben. "Die Gymnasien platzen hier einfach aus allen Nähten, da die Boom-Region München seit Jahren stark steigende Schülerzahlen aufweist. Allein fürs kommende Schuljahr ist ein Plus von 4,8 Prozent zu erwarten. In einigen Stadtteilen beträgt die Übertrittsquote mittlerweile deutlich über 70 Prozent."
Neubauten als Weg zu mehr Chancengerechtigkeit
Ausdrücklich begrüßt der bpv-Vorsitzende auch die Entscheidung, eines der Gymnasien im Stadtnorden zu errichten, um mehr Kinder aus bildungsfernen Schichten zu erreichen: "Nach unseren Erfahrungen besteht ein enger Zusammenhang zwischen Übertrittsquote und räumlicher Nähe zum nächsten Gymnasium. Ein möglichst engmaschiges gymnasiales Netz ist ein guter Weg, um soziale Disparitäten abzubauen."
Ballungszentren brauchen Ganztagsangebote
Der Absicht, diese Gymnasien als echte Ganztagsschulen auszustatten, steht der bpv ebenfalls positiv gegenüber: "Die echte Ganztagsschule ist sicherlich nicht für jedes Gymnasium die richtige Lösung", sagte Schmidt. Im teuren München gebe es jedoch einen starken Bedarf, da oft beide Eltern berufstätig sein müssten, um finanziell zurecht zu kommen. "Diese Eltern brauchen eine verlässliche Betreuung ihrer Kinder", so Schmidt. Generell sollten Ganztagesangebote aber immer nur bedarfsorientiert geschaffen werden. "Die Stundentafel des G8 verlangt ab der Mittelstufe Nachmittagsunterricht an einzelnen Tagen. Der sollte dann sinnvoll rhythmisiert werden können", erläuterte Schmidt. Schulischer Ganztagesunterricht dürfe aber das elterliche Erziehungsrecht über Gebühr einschränken. "Wir begrüßen aber den politischen Willen sowohl bei SPD als auch bei der CSU, Ganztagsangebote auszubauen und hoffen, dass der Bedarf vom Freistaat anerkannt wird."
Neue Gymnasien auch in der Fläche nötig
Nachdem die diesjährigen Anmeldezahlen auch bayernweit einen Schülerzuwachs zwischen einem und neun Prozent bringen, erneuerte Schmidt auch die Verbandsforderung nach weiteren neuen Gymnasien: "Wenn die Abiturientenquote erhöht werden soll, müssen dafür die logistischen Voraussetzungen geschaffen werden." Das gymnasiale Potenzial sei noch nicht ausgeschöpft. Eltern im ländlichen Raum würden ihre Kinder trotz gymnasialer Eignung häufig auf die örtliche Haupt- oder Realschule schicken, weil das Gymnasium nur mit dem Schulbus zu erreichen sei. "Investitionen in die Infrastruktur wären auch hier ein Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit", meinte der bpv-Chef abschließend. Da Schulneubauten einen langen Vorlauf haben, hätte die Staatsregierung auch genügend Spielraum um rechtzeitig für qualifiziertes Personal zu werben.
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