Ein Pfund Kaffee und einmal Nachhilfe, bitte!

Unter dem Titel "Lern-Lust statt Lern-Frust" bieten der Kaffeehersteller Tchibo und der Studienkreis Nachhilfe Konzentrationskurse für Schülerinnen und Schüler und zusätzlich zweimal 90 Minuten kostenlose Nachhilfe in allen gängigen Fächern an. Gekauft wird ein solcher Kurs bei Tchibo, der Studienkreis führt ihn dann durch. Damit lassen beide Firmen ihre Zusammenarbeit aus dem Jahr 2007 wieder aufleben, als sie "Nachhilfe zum Kennenlernpreis" bzw. "Gutscheine für gute Noten" anboten. Der Studienkreis Nachhilfe koppelt die Teilnahme an diesen Kursen mit dem Angebot eines Anschlussvertrages speziell für Neukunden.

26.09.2008 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

"Private Unternehmen denken gewinnorientiert und bringen folglich keine Angebote auf den Markt, die nicht nachgefragt werden", kommentiert der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann. "Hier wird die steigende Nachfrage nach Nachhilfe- und Unterstützungsangeboten bedient, die das öffentliche Schulwesen offenbar nicht bereithält. Dass jetzt private Anbieter auf Konzentrationskurse setzen, in denen beispielsweise Grundschülern Entspannungsübungen vermittelt werden sollen, sagt einiges über die Probleme der Kinder aus. Nur wer chronisch angespannt ist, braucht Anleitungen zum Entspannen."

Eltern fühlen sich offenbar zunehmend unter Druck, verlieren das Vertrauen in das öffentliche Schulwesen und fragen bei privaten Anbietern Kurse unterschiedlicher Art nach. In Bayern bieten beispielsweise Nachhilfeinstitute längst Kurse an, die die Kinder für den Prognoseunterricht fit machen sollen, der darüber entscheidet, welche weiterführende Schule ein Kind besuchen darf.

"Eltern werden mit einer Art Lockvogelangebot gezielt in Richtung Nachhilfe gelenkt", so Beckmann. "Als Einstieg einen Kurs für knapp 20 Euro in einem Kaffeegeschäft buchen zu können, senkt die Hemmschwelle. Konzentration und Lernlust für die Kinder landen so im Einkaufskorb neben dem Kaffee für die Erwachsenen. Angesichts solcher Entwicklungen müssten bei allen die Alarmglocken schrillen, die für ein qualitativ hochwertiges öffentliches Schulwesen stehen."

Der VBE vertritt die Auffassung, dass das öffentliche Schulwesen solche Angebote überflüssig machen müsste.

"Offensichtlich bringt es sie aber erst hervor", so Beckmann abschließend. "Das sagt viel darüber aus, wie stiefmütterlich in Deutschland mit diesem hohen Gut umgegangen wird."


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