Eltern fordern öffentlichen Diskurs in den Regionen über Schulentwicklung und Pädagogik

09.06.2008 Saarland Pressemeldung Landeselterninitiative für Bildung e.V.

Die Eltern machen darauf aufmerksam, dass die Anzahl der Schüler im Grundschulalter in sieben Jahren um 21 % und die Anzahl der Kinder und Jugendlichen im Alter für weiterführende Schulen um 23 % niedriger sein wird als 2006 (Alter 6-10 Jahre: von 37 000 im Jahr 2006 auf 29 100 im Jahr 2015; Alter 10-18 Jahre: von 88 000 im Jahr 2006 auf 67 800 im Jahr 2015; Quelle: Demographiebericht der Landesregierung).

Deshalb haben die Eltern Prognosezahlen des Bildungsministeriums angefordert und ausgewertet. Schon für die kommenden sechs Schuljahre der bereits geborenen Kinder (2008/2009 bis 2013/2014) sehen die Eltern 44 Grundschulen (von 160), 29 Erweiterte Realschulen (von 51), vier Gesamtschulen (von 17) und zwei Gymnasien (von 35) in ihrer Existenz gefährdet, wenn die Landesregierung das Schulordnungsgesetz anwendet. Dieses Gesetz, das die Regierung zur Schließung von Grundschulen eigens geändert hatte, schreibt vor (§ 9), dass Schulen "eine Größe haben sollen, die eine fruchtbare Unterrichts- und Erziehungsarbeit gewährleistet, eine Differenzierung des Unterrichts erlaubt und einen zweckmäßigen und wirtschaftlichen Einsatz von personellen und sächlichen Mitteln sichert (geordneter Schulbetrieb)".

Ein geordneter Schulbetrieb ist nach dem Gesetz noch gewährleistet, "wenn Grundschulen wenigstens zwei Klassen je Klassenstufe, Erweiterte Realschulen, Gesamtschulen und Gymnasien wenigstens jeweils drei Klassen je Klassenstufe haben". "Wir müssen im Saarland die nächsten Jahre zu einem Qualitätssprung im Bildungswesen nutzen", heißt es in der Mitteilung des Vorstandes der Landeselterninitiative, "denn wir brauchen mehr Zuwendung für die Kinder und Jugendlichen an den Schulen und eine bessere Förderung ihrer Potenziale, den Abbau struktureller Barrieren, die Chancenungerechtigkeit verstärken, sowie ein flächendeckendes Angebot an Schule über den ganzen Tag". Bessere Bildung liefere, so die Eltern, den zentralen Schlüssel für die meisten gesellschaftlichen Probleme, ob Integrationsmisere oder Fachkräftemangel, Armut oder Demografiekrise.

Grundlage der Auswertung der Elterninitiative sind Prognosen, die das Bildungsministerium nach Weigerung Mitte März nun herausgeben musste, nachdem sich die Eltern auf das Saarländische Informationsfreiheitsgesetz berufen hatten. Das Bildungsministerium erstellt nämlich jährlich eine Prognose der Entwicklung der Schülerzahlen bezogen auf die jeweiligen Schulen und die folgenden Jahre. Dazu zieht es Daten des Statistischen Landesamtes und der Gemeinden über Geburten und Jahrgänge heran, realistische Zahlen also, die von den schon geborenen Kindern ausgehen. Das Mitte 2006 von der Landesregierung geschaffene Informationsfreiheitsgesetz gewährt Bürgern gegenüber den Behörden des Landes, der Gemeinden und Gemeindeverbände einen Anspruch auf Zugang zu amtlichen Informationen. Es soll nach seiner Begründung die aktive und kritische Beteiligung an der Entwicklung des Gemeinwesens fördern.


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