Grundschule

Eltern in Bayern lehnen Übertritt nach der vierten Klasse ab

Einer Umfrage des Bayerischen Elternverbands e. V. (BEV) zufolge halten 85 % der Eltern den Übertritt schon nach der vierten Klasse für zu früh. Nur 12 % halten diesen Zeitpunkt für richtig. Es hatten sich 1.104 Eltern beteiligt.

26.09.2018 Bayern Pressemeldung Bayerischer Elternverband
  • © www.pixabay.de

Schon seit langem fordert neben anderen Verbänden auch der BEV eine längere gemeinsame Schulzeit. Neben dem Stress beim ‚Grundschulabitur’ kritisiert er, dass im Alter von 10 Jahren noch nicht feststehen könne, welche Begabungen und Interessen ein Kind habe, wie weit es auch bei ungünstigen familiären Voraussetzungen gefördert werden könne und in welche Bildungsrichtung es sich entwickeln werde.

Das deutliche Ergebnis der Umfrage steht im Widerspruch zur Darstellung des bayerischen Kultusministeriums, Eltern seien mit dem Übertrittzeitpunkt sehr zufrieden. „Das Ministerium erhebt lediglich die Zufriedenheit der Eltern mit dem Verfahren des Übertritts“, stellt der Landesvorsitzende des BEV Martin Löwe richtig. „Keine der den Eltern hier vorgelegten Fragen bezieht sich jedoch auf den Zeitpunkt des Übertritts. Die obige Behauptung ist somit unzutreffend.“

Mit dem Umfrageergebnis des BEV konfrontiert, wandte Minister Sibler am 20. September in Nürnberg ein, dass der flächendeckende Umbau des bayerischen Schulsystems hin zu einer längeren gemeinsamen Schulzeit viel Unruhe in die bayerische Bildungslandschaft bringen würde. Dazu Löwe: „Diese Unruhe gibt es jetzt auch schon, wenn zu frühe Übertrittsentscheidungen durch Durchfallen korrigiert werden.“ Sie belaste allerdings nicht das Ministerium, sondern in hohem Maße Kinder und Familien.

Nicht verstehen könne der BEV auch, dass die längere gemeinsame Schulzeit, wie sie auch einige Kommunen längst fordern, nicht einmal im Modellversuch erprobt werden dürfe. In den vergangenen Jahren hat das Ministerium auf derartige Anträge stets mit der Unterstellung reagiert, hier werde eine ‚Einheitsschule’ intendiert. „Wir wünschen uns, dass mit dem neuen Kultusminister diese Wort- und Sinnverdrehung beendet wird und dass man endlich zur Kenntnis nimmt, dass Befürworter einer längeren gemeinsamen Schulzeit in ganz besonderem Maß auf Differenzierung und individuelle Förderung setzen, wie dies der erweiterte Inklusionsbegriff bekanntermaßen beinhaltet.“

Löwe schließt: „Ich hoffe, wir werden auf die Veröffentlichung dieser Umfrageergebnisse seitens des Ministeriums nicht wieder mit den bisher üblichen Verweisen auf Flexible Eingangsstufe der Grundschule, individuelle Förderung, die Durchlässigkeit des bayerischen Schulsystems u. a. m. abgespeist, sondern können eine echte inhaltliche Auseinandersetzung erreichen!“


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Ein Kommentar vorhanden

  • Leif Wetzel 27.09.2018 10:24 Uhr
    Wieso erlaubt sich Staat so massiv, das Sorgerecht von Eltern zu missachten?

    http://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayEUG/true?AspxAutoDetectCookieSupport=1

    Ab Art.. 118
    Eltern-Pflicht unter Androhung von Sanktionen: Kind muss hin, egal wie und wie die Bedingungen in Schule sind.

    Rechte: ???

    Der Staat als Erzieher meines Kindes... Tolle Idee. Allein EinBlick in die deutsche Geschichte der letzten 104 Jahre genügt mir, um da sehr skeptisch zu sein.
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