Kritik

Entlassung über die Sommerferien

Die Jungen Philologen Baden-Württemberg kritisieren aufs Schärfste die jahrelange Praxis der baden-württembergischen Landesregierungen, jeden Sommer Tausende befristet beschäftigte junge Lehrkräfte pünktlich zum Schuljahresende in die Arbeitslosigkeit zu entlassen.

01.08.2017 Baden-Württemberg Pressemeldung Philologenverband Baden-Württemberg
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„Eigentlich könnten wir unsere Pressemitteilungen der letzten Jahre mit unseren Forderungen einfach kopieren und dann wortgleich veröffentlichen, denn egal welcher Couleur die jeweilige Landesregierung war und ist, alle haben in der Opposition diese Praxis kritisiert und dann als Regierung anders gehandelt und alles beim Alten belassen“, so Jörg Sobora, der Vorsitzende der Jungen Philologen Baden-Württemberg.

Konnten in der Vergangenheit noch Haushaltsengpässe als Entschuldigung für diese mangelnde Wertschätzung dienen, so halten die Jungen Philologen die Beibehaltung dieser unsäglichen Praxis mittlerweile für einen Skandal erster Klasse: „In Zeiten überquellender Steuereinnahmen (ca. 1 Milliarde pro Jahr prognostizierte Mehreinnahmen für den Landeshaushalt) ist es niemandem zu vermitteln, dass eines der reichsten Bundesländer bei dieser Praxis bundesweit weit vorn liegt, was die Zahlen angeht. Die Schätzungen darüber, was die Weiterbeschäftigung der befristet beschäftigten Lehrkräfte und der Referendare über die Sommerferien kosten würde, reichen von 5-10 Millionen (SPD-Fraktions- vorsitzender Stoch) bis zu etwa 30 Millionen Euro. Es handelt sich also auf jeden Fall um einen Betrag, der zu schultern wäre, wenn man denn nur wollte“, so der Vorsitzende weiter. Dies gälte im Übrigen umso mehr, wenn die Stochsche Behauptung zuträfe, dass „das Land 5 Milliarden in der Rücklage“ hat.

Die Jungen Philologen halten es für entwürdigend, wenn junge, motivierte Lehrkräfte am Ende des Schuljahres jedes Jahr aufs Neue das Gefühl vermittelt bekommen, nur Lückenbüßer, ein lästiger Kostenfaktor und eigentlich nicht gewollt zu sein. „Besonders in Zeiten des Lehrkräftemangels, in denen wir ja heute leben, ist es nicht nachvollziehbar, wie das Kultusministerium einerseits ein Lehrergewinnungskonzept auflegt, gleichzeitig aber sehenden Auges zulässt, dass viele hier ausgebildete und befristet beschäftigte Lehrkräfte und bestens ausgebildete Referendare in andere Bundesländer oder gar andere Berufe abwandern“, so der Vorsitzende abschließend.


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