Studie

Experten fordern "Qualitätsoffensive Mathematik"

(red/pm) Die mathematische Bildung in Deutschland lässt sich nur mit einer "Qualitätsoffensive Mathematik" durchgreifend verbessern. Zu diesem Urteil kommt eine Expertenkommission, die ein Jahr lang die Voraussetzungen für den Erwerb mathematischer Kompetenzen im Lebenslauf untersucht und bewertet hat.

27.09.2010 Artikel
  • © bikl

Rund ein Jahr lang – vom Frühjahr 2009 bis zum Frühjahr 2010 – hat sich eine Expertenrunde unter Leitung des Erziehungswissenschaftlers Professor Heinz-Elmar Tenorth (Humboldt-Universität zu Berlin) mit dem Erwerb und der Entwicklung von Mathematikkompetenzen im Lebenslauf beschäftigt. Die Ergebnisse dieser Arbeit und ihrer Handlungsempfehlungen sind in einer 80-seitigen Publikation zusammengefasst, die jetzt vorgestellt wurde. "Die Tatsache, dass das deutsche Bildungssystem bei der Vermittlung des Kernfachs Mathematik erhebliche Mängel aufweist, ist nicht neu. Das belegen internationale Vergleichsstudien seit längerem", so Heinz-Elmar Tenorth. "Was bislang allerdings fehlte, war die wissenschaftliche Analyse der unterschiedlichen Lehr- und Lernsituationen entlang der gesamten Bildungskette sowie strategische Ansätze für eine Verbesserung innerhalb des gegebenen Systems. Diese Empfehlungen haben wir jetzt sehr konkret formuliert."

Als erste Stufe der von den Wissenschaftlern vorgeschlagenen Qualitätsoffensive Mathematik soll bereits 2011 ein Nationales Fortbildungszentrum Mathematik an einer deutschen Universität gegründet werden. Zielgruppe sind elementarpädagogische Fachkräfte und Mathematik-Lehrer, aber auch Multiplikatoren und Fortbildner, die in diesem Zentrum fachdidaktisch und fachwissenschaftlich fort- und weitergebildet werden. Vorbild für ein solches Zentrum könnte nach Meinung der Experten das britische National Centre for the Excellence of Teaching Mathematics (NCETM) sein. Für den Aufbau und Betrieb des Zentrums veranschlagt das Gremium 1,0 bis 1,5 Millionen Euro pro Jahr.

Als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstehen die Experten die zweite Stufe der geforderten Qualitätsoffensive, die Innovation des Lernens. Das sind Modellvorhaben, die neue Lerngelegenheiten im außerschulischen Bereich und entlang der gesamten Bildungskette einrichten. Dabei sollen neben den Lehrenden und Lernenden auch die Eltern und die soziale Umgebung einbezogen werden. Ziel ist es, Risikogruppen besser zu fördern, den Kompetenzerwerb Mathematik in der Erwachsenenbildung zu stärken und generell die Akzeptanz für das Lernen und Lehren von Mathematik zu steigern.

"Dieser strategische Schritt kann von all den staatlichen oder öffentlichen Bildungsakteuren umgesetzt werden, die heute schon Programmentwicklung und -evaluation realisieren und dafür auch die finanziellen Mittel bereitstellen", verdeutlicht Professor Tenorth. Für das Pilotprojekt setzen die Experten einen Zeitraum von fünf Jahren an. Eine Evaluation müsse dann der Verstetigung vorausgehen, so das Gremium in seinen Empfehlungen.

Die Mitglieder der von der von der Deutsche Telekom Stiftung eingesetzten Expertenkommission "Mathematik entlang der Bildungskette" waren: Prof. Dr. Heinz-Elmar Tenorth, Humboldt-Universität zu Berlin (Vorsitz), Prof. Dr. Werner Blum, Universität Kassel, Prof. Dr. Aiso Heinze, Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik Kiel, Prof. Dr. Andrea Peter-Koop, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Prof. Dr. Christoph Selter, Technische Universität Dortmund, Prof. Dr. Rudolf Tippelt, Ludwig-Maximilians-Universität München, Prof. Dr. Günter Törner, Universität Duisburg-Essen, Dr. Ekkehard Winter, Deutsche Telekom Stiftung


Weiterführende Links

  • Publikation „Mathematik entlang der Bildungskette“

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