Bayern

Flüchtlingskinder brauchen mehr Unterstützung

Die Situation von Flüchtlingskindern ist aus Sicht des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) auch an den Schulen dringend zu verbessern. Derzeit befinden sich AsylbewerberInnen in München im Hungerstreik, weil sie keine Perspektiven und keine Möglichkeit auf ein menschenwürdiges Leben in Bayern sehen. Viele Flüchtlinge kommen mit ihren Kindern - manchmal kommen Kinder aber auch allein, ohne ihre Familie in Deutschland an. Die Mädchen und Jungen sind häufig traumatisiert, depressiv, nicht alphabetisiert und von Zukunftsängsten geplagt. Manche wollen sich sogar das Leben nehmen.

27.06.2013 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

"Sie brauchen jede erdenklich Hilfe", appellierte BLLV-Präsident Klaus Wenzel an die Bayerische Staatsregierung. Flüchtlingskinder würden je nach Alter in Grund- oder Mittelschulen geschickt, in sogenannte Übergangsklassen. Die Vorrausetzungen, um diese Kinder einfühlsam und sensibel betreuen zu können, sind dort aber nicht optimal", mahnte Wenzel heute in München an. Größtes Problem sei, dass die Schulen nur wenig bis gar nicht auf die veränderte Zusammensetzung der Übergangsklassen vorbereitet seien. Immer mehr Kinder kämen aus Krisenregionen. Um die Kinder in ein halbwegs normales Leben zurückführen zu können, müssten entsprechende Voraussetzungen geschaffen und die Lehrkräfte in ihrer engagierten Arbeit mehr unterstützt werden - bereits vor dem Eintritt, während des zweijährigen Besuches einer Übergangsklasse und unmittelbar im Anschluss daran.

Wurden Übergangsklassen bisher überwiegend von Schülern europäischer Länder besucht, kommen seit einigen Jahren immer mehr Kinder und Jugendliche aus Krisen- oder Kriegsregionen. "Viele kennen keinen geregelten Schulbesuch. Falls schulische Inhalte vermittelt wurden, divergiert das Bildungsniveau stark", sagte Wenzel. Viele minderjährige Flüchtlinge hielten sich zudem ohne Begleitung von Erwachsenen in Deutschland auf, was zusätzlich eine erhöhte sozialpädagogische Betreuung erforderlich machen würde.

Das Leid der zum Teil noch sehr jungen Betroffenen sei unermesslich. "Sie sind in der Regel in Ballungsräumen wie München, Nürnberg, Würzburg oder Regensburg untergebracht und besuchen dort für zwei Jahre Übergangsklassen in Grund- und Mittelschulen, danach besteht die Möglichkeit, in eine Regelklasse zu wechseln." Derzeit sei es gängige Praxis, die Kinder ohne Vorbereitung in die Übergangsklassen zu schicken. "Das löst oftmals Ängste aus. Die jungen Menschen wissen nicht, was sie erwartet, sie sprechen kein Wort Deutsch und sind völlig überfordert." Die Lehrkräfte seien in der Regel nur wenig über den gesundheitlichen und seelischen Zustand der Kinder informiert.

Auch während des Besuchs einer Übergangsklasse seien Verbesserungen nötig: So sollte die Höchstgrenze der Klassenstärken bei 16 Schülern liegen, Schulsozialarbeit angeboten und Kräfte des Mobilen Sonderpädagogischen Dienstes bereitgestellt werden. "Am dringendsten sind Möglichkeiten für Team-Teaching" Ziel müsse sein, dass in Übergangsklassen immer ein zweiter Lehrer oder ein Förderlehrer zur Verfügung stehen." Zu vermeiden sei, dass Kinder, wenn die Kapazitätsgrenze an allen anderen Schulen erreicht sei, in Regelklassen "abgeschoben" würden - "das kommt leider immer wieder vor." Für die Betroffenen könnte dies fatale Folgen haben: "Sie ziehen sich zurück oder geben sich auf."

Natürlich müssten grundsätzliche Rahmenbedingungen stimmen: In der BLLV- Petition wird daher gefordert, zusätzliche Budgets bereitzustellen, den Kopieretat zu erhöhen und ein Dolmetscher-Netzwerk für Schulen mit Übergangsklassen zu errichten. Erfreulich ist für Wenzel, dass die vom BLLV geforderte Doppelzählung der Übergangsklassen bereits für das kommende Schuljahr zugesagt wurde.


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