Stellungnahme

Forderung nach Smartphones für alle Grundschüler ist verantwortungslos

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, erteilt der Forderung des Bitkom-Präsidenten Achim Berg an die Eltern, ihren Kindern bei der Einschulung ohne Ausnahme bereits ein Smartphone zur Verfügung zu stellen, eine strikte Absage. 

01.08.2019 Bundesweit Pressemeldung Deutscher Lehrerverband (DL)
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Er betonte: „Diese Forderung ist nicht nur falsch, sie ist in höchstem Maße verantwortungslos und hat mit kindgerechter Medienerziehung nichts zu tun! Offensichtlich geht es dem Bitkom-Verband bei seiner Lobbyarbeit mehr darum, den Verkauf von Handys zu forcieren und neue Absatzmärkte zu erschließen, als darum, Kinder schrittweise an einen vernünftigen Umgang mit digitalen Geräten und Medien heranzuführen!“

Der Verbandschef weiß sich in der Ablehnung dieser Forderung einig mit allen Landesmedienanstalten in Deutschland. Die Hauptaufgabe von Erstklässlern sei es, erst einmal die zentralen Kulturtechniken zu lernen, dazu gehöre vor allem die Lese- und Schreibkompetenz, so Meidinger. 

Er ergänzte: „Erstklässler, die noch nicht richtig lesen und schreiben können, nutzten erfahrungsgemäß das Handy vor allem zum Videoschauen und für Spiele. Das aber hat mit verantwortungsvoller, umfassender Medienbildung nichts zu tun! Mit einem unbeschränkten Internetzugang sind Sechsjährige nicht nur überfordert, es besteht auch die Gefahr von Verängstigung und Verunsicherung!“

Gott sei Dank, so der Verbandsvorsitzende, sei die Mehrzahl der Eltern deutlich vernünftiger als der Bitkom-Verband. Meidinger plädierte dafür, an Grundschulen beim Einsatz digitaler Endgeräte vor allem auf Laptops und Computer mit kind- und altersgerechten Programmen zu setzen.

Aber auch an weiterführenden Schulen und damit bei älteren Schülern führe der unbegrenzte Zugriff von Schülern auf Whatsapp, Instagram und Youtube zunehmend zu massiven Problemen, sagte der Verbandschef abschließend: „Das Handy ist dort nicht selten zum bevorzugten Mobbinginstrument geworden, und viele Jugendliche sind in den sozialen Netzwerken ohne jede Sicherheitseinstellung unterwegs. Wollen wir diese Missstände und Gefahren jetzt auch schon auf Sechsjährige ausdehnen?“


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