Arbeitsbedingungen

Gesundheit der Lehrkräfte und die Unterrichtsqualität sind zu erhalten

Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband BLLV und Bildungsgewerkschaft GEW sind sich einig: Deputat senken, Gehalt erhöhen. Auch an Bayerns Förderschulen ist von steigenden Belastungen des Personals auszugehen.

08.11.2019 Bayern Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
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Der mittelfränkische Personalrat der Förderschulen hatte im Frühjahr 2018 eine Umfrage zur Arbeitsbelastung unter allen Kolleg*innen, auch den Heilpädagogischen Förderlehrern (HFL) und Heilpädagogischen Unterrichtshilfen (HPU) erhoben. Zu Tage kam ein klarer Befund: Die Belastung ist aktuell äußerst hoch. Bei einem Ausfall von Kolleg*innen würden Klassen aufgeteilt, weil nahezu keine Vertretungskraft mehr einsetzbar sei. Dadurch steige die Belastung enorm. Ein Großteil der Befragten äußerte zudem die Sorge, sich den Anforderungen nicht mehr gewachsen zu fühlen, vor allem im fortgeschrittenen Alter. „Der Gedanke „Ich kann nicht mehr!“ nimmt bei vielen Kolleginnen und Kollegen immer mehr Raum ein“, fassen Brigitte Düll (GEW) und Andrea Hüttinger (BLLV) die Befragung zusammen.

Die Ursachen des gestiegenen Drucks sind vielfältig. Das Aufgabenfeld von HFL und HPU wurde in den letzten Jahren erweitert. Immer mehr Schüler*innen mit sog. „Verhaltensauffälligkeiten“ strömen in die Förderzentren und sorgen für eine Vergrößerung der Klassen. Die Bedarfe der Schüler*innen an individueller Förderung nehmen zu, was grundsätzlich kein Problem ist, aber die Ansprüche an die Lehrkräfte erhöht. Auch die Elternarbeit sei intensiver geworden. Mehr Dokumentation und durch die erhöhte Komplexität auch zeitintensive Team- und Anleitungsgespräche in den multiprofessionellen Teams (Sonderpädagogen, Erzieher*innen, Pflegekräfte, Praktikant*innen, Tagesstättenmitarbeiter, Therapeuten) sind nötig, um dem Bildungsauftrag gerecht werden zu können.

Für BLLV und GEW ist daher klar, dass das Deputat, also die zu leistenden Unterrichtsstunden, der heilpädagogisch ausgebildeten Lehrkräfte gesenkt werden muss. Mit derzeit 29 Unterrichtsstunden sind sie an der Spitze aller Lehrkräfte in Bayern. In einer Petition an den Landtag wurde daher folgerichtig eine Senkung auf 26 Stunden gefordert. Die Anhörung im Petitionsausschuss des Landtags am 09.07.2019 erbrachte Verständnis, eine Senkung des Deputats sei aber unrealistisch, angesichts des Lehrermangels!

„Anstatt Berufe durch bessere Arbeitsbedingungen und bessere Bezahlung attraktiver zu machen, wird das bestehende Personal oft bis über die Leistungsgrenze hinaus belastet, bis es nicht mehr kann“ interpretieren Brigitte Düll und Andrea Hüttinger das Ergebnis.

Derzeit werden die beim Land angestellten HPU und HFL nach dem Tarifvertrag der Länder vergütet. Die zahlreichen Lehrer*innen bei privaten Trägern wie den Lebenshilfen, die nach TVöD (Kommunen) vergüten, habe derzeit noch gar keine gültige Eingruppierung, die GEW verhandelt derzeit eine Entgeltordnung für diese Gruppe. Ziel ist eine deutliche Aufwertung. Die GEW und der BLLV fordern eine einheitliche Eingruppierung von Lehrer*innen, die kein Lehramt studiert haben, in EG 11. Damit dürften wieder deutlich mehr Erzieher*innen in die Lehrtätigkeit wechseln. Derzeit lohnt sich ein Wechsel und die Zusatzausbildung für Erzieher*innen rein finanziell wenig.


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