GEW Bayern fordert: Einheitsschule statt verändertem Übertrittsverfahren!
Die heute vom Kultusministerium veröffentlichten Ergebnisse einer fragwürdigen Umfrage bei Schulleitungen, Lehrkräften und Elternbeiratsvorsitzenden lenken nach Ansicht der GEW vom Problem der Auslese spätestens in der vierten Grundschulklasse ab.
11.06.2010 Pressemeldung GEW BayernNach wie vor erfolgt die entscheidende Weichenstellung für den Bildungsweg eines Kindes definitiv in der ersten Maiwoche, wenn die Übertrittszeugnisse ausgegeben werden.
Weder die Umbenennung des früheren "Zwischenzeugnisses" in "Zwischeninformation" noch die Tatsache, dass nun alle Kinder ein Übertrittszeugnis erhalten, macht die Auslese akzeptabler. Wenn die Hälfte der befragten Eltern der Meinung ist, der Leistungsdruck wurde reduziert, ist die andere Hälfte offenbar anderer Meinung.
Nicht nur die Eltern, auch die Kinder wissen genau, was es bedeutet, ob im Zeugnis steht "geeignet für die Hauptschule" oder "geeignet für Gymnasium, Realschule und Hauptschule".
Dazu Gele Neubäcker, Vorsitzende der GEW Bayern: "Die von Spaenle so gelobte intensivierte Beratung der Eltern auch schon von Drittklasskindern dient nach meinem Eindruck vor allem der Werbung für die Haupt- bzw. Mittelschule. Diese wird in den leuchtendsten Farben präsentiert. Aber ihre Akzeptanz wird nicht steigen, solange sie in der Hierarchie der Schulformen ganz unten steht und die anderen Abschlüsse den Hauptschulabschluss beinhalten.
Unverständlich ist, dass KM Spaenle die "Einheitsschule" zur Zeit bei jeder Gelegenheit als Schreckgespenst darstellt, zumal gerade in Deutschland der Begriff "Einheit" in der jüngsten Geschichte sehr positiv besetzt ist.
Tatsächlich ist es höchste Zeit, dass das ständische Schulwesen vergangener Jahrhunderte endlich überwunden wird zugunsten einer "Einheitsschule" wie sie bereits der Deutsche Lehrerverein 1848 als die einer demokratischen Gesellschaft am ehesten entsprechende Schulform gefordert hat. Auch die Reichsschulkonferenz von 1920 mit dem namhaften Pädagogen Georg Kerschensteiner und die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg sahen in der Einheitsschule die einzige Schulform, die soziale Barrieren überwinden und Chancengleichheit gewährleisten kann. Daran gilt es anzuknüpfen und eine Schule einzuführen, die alle Kinder und Jugendlichen bis zum Ende der Pflichtschulzeit besuchen, und in der alle in ihrer Persönlichkeit und ihrer individuellen Lernentwicklung angeregt und unterstützt werden."
Keine Kommentare vorhanden