GEW lehnt Ranking für Schulen ab

Die Ankündigung von Kultusminister Olbertz, spätestens ab 2008 die Schulen Sachsen-Anhalts einem Ranglistenverfahren zu unterwerfen, ist von der GEW als pädagogisch unsinnig und schädlich zurückgewiesen worden.

25.03.2006 Sachsen-Anhalt Pressemeldung GEW Sachsen-Anhalt

Bei der Einführung der Schulinspektion und von landeszentralen Klassen- und Vergleichsarbeiten ist vom Ministerium immer hoch und heilig versichert worden, diese zur Unterstützung der Schulen, nicht aber für ein Ranking der Schulen zu benutzen. "Mit dem jetzigen Vorstoß des Minister würde genau der unredliche und ungleiche Wettbewerb in Gang gesetzt, vor dem die GEW schon seit Jahren warnt", kritisiert der Landesvorsitzende der GEW, Thomas Lippmann, heute den Wortbruch von Minister Olbertz.

Die Schulen des Landes haben bis heute auf zentrale Rahmenbedingungen für ihre Qualitätsentwicklung keinerlei Einfluss. Die Schulen können weder steuern, welche Schülerschaft ihnen zugewiesen wird noch von wie vielen und von welchen Lehrkräften diese jeweils unterrichtet werden. Die Schulen haben auch keine Ansprüche auf ausreichende finanzielle Mittel zur Werterhaltung und Ausstattung durch die Landkreise, die Kommunen bzw. das Land und auch nicht auf personelle Ressourcen zur individuellen Förderung der Schüler und für zusätzliche außerunterrichtliche Angebote. Die Schulen sind hinsichtlich ihrer Qualitätsentwicklung insgesamt in viel zu hohem Maße von Entscheidungen abhängig, die außerhalb der Schule getroffen werden.

"Unter solch ungleichen Voraussetzungen einen Wettbewerb unter den Schulen zu eröffnen hieße, einen mehrfach behinderten Menschen mit einem Spitzensportler im gleichen Rennen laufen zu lassen", äußerte der GEW-Chef auch im Hinblick auf die angekündigten Messmethoden.

Die Ergebnisse von zentralen Klassenarbeiten in einigen wenigen Klassenstufen liefern nur geringe Teilerkenntnisse über die Qualitätsentwicklung. Schüler- und Elternbefragungen, so wichtig sie für die Entwicklung des Schulklimas sind, ermöglichen auch nur sehr eingeschränkte Aussagen über die Entwicklung der Schulqualität.

Die Schulinspektionen, mit denen man noch am ehesten in der Lage wäre, ein objektives Bild von den Entwicklungsmöglichkeiten und -fortschritten der Einzelschule aufzuzeigen, finden nur cirka aller fünf Jahre statt und können somit auch nicht für ein jährliches Ranking herangezogen werden.

Die GEW fordert das Ministerium auf, den Gedanken von Schulrankings in Sachsen-Anhalt aufzugeben und sich statt dessen gezielt der Schaffung besserer Rahmenbedingungen und der deutlichen Erhöhung der Eigenverantwortung der Schulen zu widmen.

Weitere Infos unter www.gew-lsa.de.

Ansprechpartner

GEW Sachsen-Anhalt

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