GEW: Probleme bei der Unterrichtsversorgung noch nicht gelöst
"Nach den uns bislang vorliegenden Rückmeldungen ist im neuen Schuljahr nicht wieder mit einem kollektiven Aufschrei aus den Schulen zu rechnen, wie dies vor einem Jahr der Fall gewesen ist", sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Klaus-Peter Hammer. Dennoch werde es trotz zurückgehender Schülerzahlen weiter Probleme bei der Unterrichtsversorgung geben, da die Landesregierung nach wie vor den Schulen nicht genügend Planstellen zur Verfügung stellt.
14.08.2012 Pressemeldung GEW Rheinland-PfalzLeider würden durch die rückläufige Schülerzahl frei werdenden Ressourcen nicht genutzt, um mehr Lehrkräfte unbefristet an den Schulen zu beschäftigen. Die Gewerkschaft verweist darauf, dass den Schulen noch längst keine optimale Ausstattung mit Lehrkräften zur Verfügung gestellt werde.
Allerdings geht auch der GEW-Landesvorsitzende davon aus, dass sich die Unterrichtssituation gegenüber dem vergangenen Schuljahr verbessern wird. So habe das Bildungsministerium einiges unternommen, um z.B. die Gymnasien besser zu versorgen, denen noch im vergangenen Schuljahr angeforderte Planstellen zum Teil nicht gewährt worden waren. "Dennoch ist auch wie bei den Gesamtschulen und Realschulen plus dort z.B. in den naturwissenschaftlichen sowie in den künstlerisch-musischen Fächern weiter mit Unterrichtsausfall zu rechnen", sagt Hammer. Hinsichtlich der Fachoberschule werde es Probleme geben, die notwendigen Fachkräfte zu finden, dies gelte insbesondere für den Schwerpunkt Gesundheit.
"Schulbehörde und Ministerium müssen dafür sorgen, dass Lehrkräfte die Arbeit in den Schulen in unserem Land attraktiv finden. Wer glaubt, sich leisten zu können, rund 2.000 Lehrerinnen und Lehrer mit unsicheren Fristverträgen beschäftigen zu können, darf sich nicht wundern, wenn Lehrkräfte nicht nach Rheinland-Pfalz kommen oder gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer in die Nachbarländer abwandern und dadurch Lücken bei der Lehrerversorgung aufreißen", kritisierte der GEW-Landesvorsitzende.
Probleme größeren Ausmaßes wird es laut Hammer an den Förderschulen und den Berufsbildenden Schulen geben, an denen die vorhandenen Planstellen nicht alle besetzt werden können.
"Immer mehr Förderschullehrkräfte werden für die Schwerpunktschulen benötigt, an denen behinderte und nicht behinderte Schülerinnen und Schüler gemeinsam unterrichtet werden. Da in den vergangenen Jahren in Rheinland-Pfalz nicht genügend Förderschullehrkräfte ausgebildet worden sind, fehlen nun Lehrkräfte für diese Schulart", so der GEW-Landesvorsitzende. Hammer fordert das Bildungsministerium auf, das derzeitig vorhandene "Überangebot" an Grundschullehrkräften aktiv zu nutzen und diesen eine berufsbegleitende förderpädagogische Weiterbildung anzubieten.
Dies sollte laut Hammer schnell und unbürokratisch umgesetzt werden. An den Berufsbildenden Schulen wird es der GEW zufolge in den naturwissenschaftlichen und technischen Fächern sowie bei Gesundheit und Pflege weiterhin bei einem deutlichen Unterrichtsausfall bleiben. Da aber noch bis Ende September Ausbildungsverträge abgeschlossen würden und deswegen zurzeit noch nicht alle Klassen gebildet seien, könne für diese Schulart erst im Frühherbst eine genauere Prognose erfolgen. Positiv ist aus Sicht des GEW-Landesvorsitzenden, dass Schulen mit einem Unterrichtsausfall von mehr als 10 Prozent vorrangig Lehrkräfte zugewiesen bekommen sollen.
Hammer zufolge ist selbst an den Grundschulen mit einem - wegen der dort sinkenden Schülerzahlen - guten Angebot an Lehrkräften eine 100-Prozent-Versogung nicht überall gewährleistet. So könnten neben dem Regelunterricht Arbeitsgemeinschaften oder Stunden für die individuelle Förderung nicht an allen Schulen angeboten werden. Da an Grundschulen oft verhältnismäßig viele Vertretungslehrkräfte mit befristeten Verträgen beschäftigt seien – laut GEW gibt es Grundschulen, an denen die Anzahl solcher Lehrkräfte das komplette Kollegium ausmacht –, komme es dort immer wieder zu organisatorischen Problemen und zum Wechsel von Klassenleitungen.
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