GEW: "Tiefer Griff in die Mottenkiste der Vorurteile gegen Lehrkräfte"
Mit Empörung und Unverständnis hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf den in den Medien berichteten Vorstoß des "Aktionsrates Bildung" reagiert und diesen als "tiefen, unsäglichen Griff in die Mottenkiste der Vorurteile gegen Lehrkräfte" bezeichnet.
22.03.2011 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und WissenschaftMarianne Demmer, stellvertretende GEW-Vorsitzende und für Schule verantwortliches Vorstandsmitglied, wies die unqualifizierten Angriffe gegen die Lehrerschaft am Dienstag in Frankfurt a.M. scharf zurück. Fakt sei, so Demmer, dass spätestens seit PISA die Schulen eine "Reformmaßnahme" nach der anderen umsetzen sollten, deren Sinnhaftigkeit oft weder ausreichend erklärt noch auf den ersten Blick einleuchtend sei. Die Lehrkräfte würden in der Regel für neue Aufgaben nicht ausgebildet noch hätten sie ausreichend Zeit, um sich einzuarbeiten. Kinder individuell zu fördern etwa, sei leichter gesagt als getan, wenn die Klassen zu groß seien, geeignete Lernmittel und die notwendige Zeit fehlten.
"Es ist unglaublich schäbig und unverantwortlich, in dieser für die Lehrerinnen und Lehrer hoch belasteten Situation Lehrerschelte zu betreiben", betonte Demmer. "Fakt ist vielmehr: Politik verschärft sehenden Auges von Schuljahr zu Schuljahr den Lehrermangel: Die Länder bilden zu wenige Nachwuchspädagogen aus und stellen zu wenige Lehrkräfte ein. Politik hat den Lehrkräften in den vergangenen Jahren die Arbeitszeiten erhöht, die Gehälter gekürzt und zunehmend befristete Arbeitsverträge angeboten. Es gehört schon eine gehörige Portion Chuzpe dazu, die Probleme des deutschen Schulsystems auf den Lehrkräften abzuladen und ihnen die Verantwortung für mangelhafte Lösungsstrategien der Politik zu zuweisen." Geradezu unglaublich sei, dass ausgerechnet die Grundschullehrkräfte mit harscher Kritik konfrontiert würden.
"Die Grundschulstudie IGLU bescheinigt den Lehrkräften an dieser Schulart gute Arbeit: Deutsche Grundschüler liegen im internationalen Vergleich auf den vorderen Plätzen. Warum der 'Aktionsrat' gerade bei diesen Lehrkräften 'Professionalisierungsbedarf´ sieht, ist sein Geheimnis. Diese Schuldzuweisung ist infam und sachlich völlig unbegründet", unterstrich Demmer. In diesem Zusammenhang wies sie darauf hin, dass die Bildungsgewerkschaft seit vielen Jahren eine inhaltliche Reform der Lehrkräfteausbildung anmahne. Hier gebe es bis heute hohen Weiterentwicklungsbedarf.
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