GEW zum Ganztagserlass: Spürbare Verbesserungen, aber unzureichende Finanzierung
"Jetzt ist endlich Schluss mit dem rechtswidrigen Billigmodell von Schwarz-Gelb!" sagt der GEW–Landesvorsitzende Eberhard Brandt zum neuen Ganztagserlass, den die Kultusministerin am 30. 1. 2014 bei einem Pressegespräch vorgestellt hat.
30.01.2014 Pressemeldung GEW NiedersachsenSchulen aller Schulformen sollen zum neuen Schuljahr wieder einen Ganztagszuschlag pro SchülerIn bekommen und es sollen wieder mehr Lehrkräfte in den Ganztagsstunden eingesetzt werden. Der Erlass begründet, dass künftig pädagogisch qualifiziertes Personal im Ganztag notwendig ist: Nach dem neuen Erlass ist der Ganztag kein additives Angebot nach der Halbtagsschule mehr, sondern soll sinnvoll verzahnt sein und auch individuelle Förderung, Lern- und Übungsphasen in den strukturierten Tagesablauf einbauen. Mit der Schwarzarbeit soll nun endlich Schluss sein. Diese Regelungen des Ganztagserlasses entsprechen den Forderungen, die die GEW Niedersachsen in den letzten 10 Jahren vergeblich gestellt hat. Die Lehrkräfte erhalten mit dem neuen Ganztag erweiterte pädagogische Handlungsmöglichkeiten, um ihre SchülerInnen besser zu fördern als bisher und das an allen Schulformen.
Die Schulen, SchülerInnen, Eltern und Lehrkräfte werden sich über die Gestaltungsmöglichkeiten, die ihnen der neuen Erlass gibt, sicherlich freuen. Insbesondere die Gesamtschulen haben darauf gebrannt, endlich den gebundenen Ganztag einführen zu können. Wenn die hohe Stundenbelastung an den Gymnasien durch die Abschaffung von G8 abgeschafft wird, wie die GEW es fordert, werden auch die Gymnasien wieder ein umfassendes kulturelles Schulleben durch eine höhere Lehrkräftezuweisung verwirklichen können.
Die GEW kritisiert, dass der Erlass die Einrichtung von Ganztagszügen oder Ganztagsjahrgängen zulassen will. "Schulen verändern ihre Arbeitsweise nur dann, wenn sie durchgängig Ganztags-schulen sind. Deshalb lehnt die GEW Mischmodelle ab", erklärt Eberhard Brandt.
Die GEW hält die bisher bestehenden Kooperationen, die es speziell in Grundschulen gibt, für unzureichend und erkennt zur Weiterentwicklung der Kooperationskonzepte erheblichen Handlungsbedarf, auch in rechtlicher Hinsicht.
Die GEW erkennt an, dass die Landesregierung die Ausgaben für die Ganztagsschulen erheblich erweitert und den Ganztagszuschlag von gegenwärtig durchschnittlich 25 Prozent auf 60 Prozent des Zielwertes 0,08 Stunden pro Schüler am Ganztag anhebt. Die eingesetzten Finanzmittel sind dennoch völlig unzureichend. Der drei- bis vierfache Betrag ist auf die Dauer erforderlich, fordert der GEW-Landesvorsitzende: "Keinesfalls akzeptabel ist es, dass die Verbesserungen im Ganztag durch die verordnete Arbeitszeiterhöhung der Gymnasiallehrkräfte und die Streichung der Altersermäßigung mitfinanziert werden. Die GEW wird weiterhin gegen die Erhöhung der Arbeitszeit und für die Wiedereinsetzung der Altersermäßigung kämpfen."
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