Großeltern im Schuldienst?

"Die durch die Landesregierung geplante Verlängerung der gesetzlichen Lebensarbeitszeit für Beamte bis zum 67. Lebensjahr ist für die Schulen ein völlig falsches Signal. VBE und RLV fordern daher die Landesregierung gemeinsam auf, eine Sonderregelung ins Gesetz aufzunehmen und für Lehrkräfte an der bisherigen Altergrenze von 65 festzuhalten", erklärten heute die Vorsitzende des Realschullehrerverbandes (RLV), Brigitte Balbach und der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) UdoBeckmann.

28.11.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

In den Kollegien werden dringend junge Nachwuchskräfte gebraucht, da das Durchschnittsalter der Lehrkräfte in NRW schon heute bei ca. 50 Jahren liegt.

RLV und VBE kritisieren, dass durch die Erhöhung der Lebensarbeitszeit Stellen für den Lehrernachwuchs blockiert werden und das Durchschnittsalter der Lehrerkollegien weiter steigt.

"Der Abstand der Unterrichtenden zu der Lebenswelt der Jugendlichen wird immer größer. Es ist schwer vorstellbar, dass Schülerinnen und Schüler mehrheitlich von Personen unterrichtet werden, die ihre Großeltern sein könnten", so Brigitte Balbach.

"Das Vorhaben der Landesregierung steht im krassen Widerspruch zu den Ergebnissen der Potsdamer Lehrerstudie, die hohe psychische Belastungen insbesondere im Lehrerberuf nachweist", ergänzt Udo Beckmann. "Angesichts dieser Tatsache ist es aus gesundheitlichen Gründen nicht verantwortbar, dass Lehrkräfte, die 67 und älter sind, vor einer Klasse mit 30 quirligen Schülern ihren Mann oder ihre Frau stehen."

RLV und VBE fordern daher die Landesregierung auf, an der bisherigen Regelaltersgrenze bis 65 festzuhalten. "Eine mögliche Option wäre aus Sicht der beiden Lehrerorganisationen, dass diejenigen, die es sich zutrauen, den Schulen auf freiwilliger Basis zur Verfügung stehen. Dies könnte zur Minderung des Fachlehrermangels in bestimmten Fächern beitragen", erklärte Brigitte Balbach.

Der Landesregierung gehe es bei der Verlängerung der Lebensarbeitszeit für Lehrer aus Sicht von RLV und VBE allerdings nicht um eine Verbesserung der Unterrichtssituation. Die Landesregierung spekuliere vielmehr darauf, Pensionsleistungen einsparen zu können, weil viele Lehrkräfte es nicht schaffen werden, bis zum 67. Lebensjahr vor der Klasse zu stehen, deshalb vorzeitig mit gekürzten Pensionsansprüchen in den Ruhestand gehen müssen.

Balbach und Beckmann sind sich einig: "Vorrangiges Ziel muss es sein, den Lehrerberuf für junge Menschen attraktiver zu machen, anstatt diejenigen, die Jahrzehntelang gute Arbeit geleistet und sich den Ruhestand verdient haben, zwangsweise länger im Beruf zu halten oder ihnen die Pensionen zu kürzen."


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden