Grundschulzeugnisse: „mangelhaft“

Die Zeugnisse, die Bayerns Grundschüler nächste Woche erhalten, sind nach Ansicht der GEW nicht genügend durchdacht und weisen erhebliche Mängel auf. Zwar könnten die Schulleistungen der Kinder differenzierter als bisher gewürdigt werden, durch die unveränderliche Raumvorgabe für jedes Fach werden aber ausführliche Beschreibungen oder Schwerpunktsetzungen in einzelnen Fächern unmöglich.

09.02.2006 Bayern Pressemeldung GEW Bayern

Die sinnvolle Beschreibung der individuellen Entwicklungs- und Lernfortschritte des Kindes wird ab Ende der 2. Jahrgangsstufe durch die Bewertung mit Ziffernnoten ad absurdum geführt. Die Noten scheren alle Kinder über den gleichen Kamm und ignorieren deren unterschiedliche Voraussetzungen und herkunftsbedingten Benachteiligungen. Schlechte Noten - trotz individueller Lernfortschritte - frustrieren und demotivieren. Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern: „Wenn einem das Aussortieren nach der 4. Klasse wichtiger als das Fördern ist, bekommt man eben ein sozial extrem ungerechtes Schulsystem.“

Gleichzeitig kritisiert die GEW Bayern die Einteilung des Arbeits-, Lern- und Sozialverhaltens der Grundschüler in Handelsklassen A bis D. Oskar Brückner: „Wenn Kultusminister Schneider diese Einteilung damit rechtfertigt, dass Kinder sich nur bessern würden, wenn sie wüssten, wie sie sich benehmen, stellt er damit allen Lehrkräften ein Armutszeugnis aus. Entscheidend für Verhaltensverbesserungen sind nicht Zeugnisbemerkungen, sondern die Gespräche mit den Kindern und den Eltern. Außerdem sind es die Lehrer leid, permanent die so genannten Beobachtungsbögen ausfüllen zu müssen. Zeit, die für die eigentliche Arbeit mit den Schülern fehlt.“ Viele Lehrkräfte empfanden den enormen Zeitaufwand für das Erstellen der Zeugnisse - zusätzlich verbunden mit seit Jahren immer wieder auftauchenden massiven Fehlern der amtlichen Computersoftware des Kultusministeriums - als besondere Zumutung.

Ebenfalls unzureichend ist die bloße Benennung von „Förderbedarfen“ im Zeugnis, als ob diese Aufgabe damit den Eltern übertragen werden sollte. Oskar Brückner: „Vielmehr müssen die Schulen so ausgestattet werden, dass sie diese Kernaufgabe in eigener Verantwortung, gemeinsam mit den Eltern, wahrnehmen können. Diagnose und Tests machen nur Sinn, wenn Fördermaßnahmen auch tatsächlich folgen. Aber Diagnose braucht Unterstützung bei Beobachtung und Protokollierung und eine effektive individuelle Förderung der Kinder ist nur mit zusätzlichem Personal möglich.

In Finnland beispielsweise existieren Förderteams aus Lehrkräften, Sozialpädagogen, Medizinern und Psychologen, die individuelle Konzepte für jedes Kind erarbeiten und auf ihre Wirksamkeit überprüfen. Die GEW fordert daher erneut und mit Nachdruck, den Bildungsetat im Bayerischen Staatshaushalt deutlich zu erhöhen.“

Ansprechpartner

GEW Bayern

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