Hauptschulen sollen sich selbst schön reden

"Der Ministerpräsident hat entschieden, dass im Vorfeld der Grundschulempfehlungen in ganz Baden-Württemberg Hauptschultage stattfinden sollen", heißt es in dieser Woche in einem Brief an Hauptschulen in der Region Stuttgart. Landesweit sollen die 1.200 Hauptschulen in Baden-Württemberg im Frühjahr 2008 mit Hauptschultagen für ihre Schulart werben. Bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) haben sich bereits empörte Schulleiter/innen gemeldet. "Ich weiß nicht, wann der Ministerpräsident zuletzt eine Hauptschule besucht hat. Offenbar glaubt er, dass die Hauptschulen selbst für die sinkenden Übergangsquoten verantwortlich sind und sich dies mit etwas Werbung ändern ließe", so ein Schulleiter.

20.12.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

"Dieser Weihnachtsbrief an die Hauptschulen demonstriert die große Hilflosigkeit, mit der die CDU/FDP-Landesregierung mit den zurückgehenden Schülerzahlen an den Hauptschulen umgeht. Wenn Ministerpräsident Günther Oettinger den Kindern und Jugendlichen an den Schulen etwas Gutes tun und die Attraktivität der Hauptschulen verbessern will, sollte er diese besser mit Lehrerstunden ausstatten. Durch Hauptschultage wird aber kein einziges Kind mehr von der Grund- auf die Hauptschule wechseln", sagte am Donnerstag (20.12.) in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die GEW weist auf die Benachteiligung der Grund- und Hauptschulen gegenüber den anderen Schularten hin. An den Grund- und Hauptschulen gab es im Schuljahr 2005/06 für 29.483 Klassen 6.712 Stunden für Arbeitsgemeinschaften, an den Realschulen für 8.455 Klassen 3.802 Stunden und an den Gymnasien für 11.849 Klassen 8.366 Stunden. Die GEW geht davon aus, dass weder das Hauptschulprogramm noch die Pädagogischen Assistenten das gegliederte Schulsystem auf Dauer retten können und macht sich für integrative Schulen stark. "An den Hauptschulen wird engagierte Arbeit geleistet, aber wenn diese Schulart von Arbeitgebern und Eltern nicht mehr akzeptiert wird, müssen wir unser Schulsystem auf neue Füße stellen", sagte Dahlem.

Auszüge aus einem Brief an die Schulleitungen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Herr Ministerpräsident hat entschieden, dass im Vorfeld der Grundschulempfehlungen für das Schuljahr 2008/09 in ganz Baden-Württemberg Hauptschultage stattfinden sollen.

Ziele dieser Veranstaltungen sollen sein, den Eltern der Viertklässler bei der Bildungsentscheidung explizit die Leistungsfähigkeit, das pädagogische Engagement und die differenzierten Unterstützungsangebote der Hauptschulen vor Ort vorzustellen. Außerdem sollen die Grundschullehrkräfte durch diese Veranstaltungen einen vertieften Einblick in die Hauptschularbeit erlangen, den sie bei ihren Elternberatungen nutzen können.

Selbstverständlich können ihre Partner im Netzwerk der Schule ebenfalls Adressaten oder auch Mitwirkende bei dieser Veranstaltung sein. Als Aktionsrahmen für diese Veranstaltungen eignen sich z.B. Tag der offenen Tür Ausstellungen, Projektpräsentationen, Aktionen.

Themen und Inhalte können sein: Förderkonzepte in Deutsch und Mathematik, Persönlichkeitsentwickelnde Angebote, Berufswegeplanung/Praxiszug, Werkrealschule, Kooperationsklasse HS/BS, Kooperation HS/RS, Ganztagesschule, Bildungsplan und Schulcurriculum.

Die Hauptschultage sind im Zeitraum vom 18. 02. 2008 bis 07. 03. 2008 verpflichtend von allen Hauptschulen durchzuführen.

GEW: Hauptschultage sind keine Pflicht

"Offenbar ist im Kultusministerium nicht bekannt, dass auch bisher die Hauptschulen ihre Arbeit in der Öffentlichkeit vorstellen, Informationsveranstaltungen anbieten und in den lokalen Medien dank des Engagements der Lehrerinnen und Lehrer ständig über die Arbeit an den Schulen berichtet wird. Wir weisen alle Schulleitungen darauf hin, dass die Teilnahme an den angeordneten Hauptschultagen nicht aus Stuttgart verordnet werden kann", so Dahlem.

Weitere Informationen: www.gew-bw.de

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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