Heuer zwölf Realschulabschlüsse "hinter Gittern"
"Die Weiterqualifizierung hinter Gittern ist ein erfolgreicher Weg, ehemalige Straftäter nach ihrer Entlassung in die Gesellschaft zu integrieren und ihnen Chancen für ihre berufliche und persönliche Lebensgestaltung zu eröffnen", unterstrich Kultusstaatssekretär Freller die Bedeutung einer Maßnahme, die in der JVA St. Georgen bereits seit 1988 angeboten wird: Lehrkräfte der Johannes-Kepler-Realschule Bayreuth bieten im Gefängnis einen Vorbereitungslehrgang zum nachträglichen Erwerb des Realschulabschlusses.
24.08.2006 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und KultusDie Häftlinge, die zum Teil keinerlei Schulabschluss besitzen, werden innerhalb eines Schuljahres auf die Abschlussprüfung vorbereitet. Sie erhalten Unterricht in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik, Kunsterziehung, Physik, Geschichte und Sozialkunde.
Unabhängig von Vorbildung, Alter und begangenem Delikt können sich Häftlinge aus ganz Bayern für den Bayreuther Realschullehrgang bewerben. Die Lehrgänge sind so begehrt, dass jedes Jahr 50 – 60 Anträge vorliegen. Da die Teilnehmerzahl wegen der Größe des Unterrichtsraumes beschränkt ist, führt die JVA einen Auswahltest durch.
"Obwohl manche Häftlinge keinen Schulabschluss mitbringen, liegt die Erfolgsquote bei den Prüfungen bei über 70 Prozent. Das ist der beste Be¬weis für die hohe Motivation der Teilnehmer", unterstrich Freller. Auch im abgelaufenen Schuljahr absolvierten zwölf Häftlinge die Abschlussprüfung mit Erfolg. Seit Beginn der Maßnahme im Jahr 1988 konnte somit 204 "Gefängnis-Schülern" das Zeugnis über den bestandenen Realschulabschluss ausgehändigt werden. Dies sei, so der Kultusstaatssekretär, nicht zuletzt auch das Verdienst der überaus engagierten Lehrkräfte, die sich bereit erklären, diese Aufgabe zu übernehmen.
"Selbstverständlich führen wir dieses Erfolgsmodell weiter. Auch im nächsten Schuljahr werden Häftlinge in der JVA St. Georgen in Bayreuth die Möglichkeit haben, nachträglich den Realschulabschluss zu erwerben", so Freller. "Damit geben wir diesen Menschen neue Perspektiven für ihr Leben nach der Haft und vermitteln ihnen, dass die Gesellschaft sie nicht aufgegeben hat. Sie gewinnen dadurch an Selbstvertrauen, entwickeln ein positiveres Selbstbild und lernen, ihr Leben in verantwortungsvoller Weise selbst in die Hand zu nehmen. Diese Erfahrung ist eine wichtige Voraussetzung für eine rasche Integration nach der Entlassung aus der Haft."
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