Nordrhein-Westfalen

Inklusion: Rahmenbedingungen stimmen überhaupt nicht

Inklusion ist ein Prozess, der Ruhe, Sorgfalt und infolgedessen vor allem Zeit erfordert. Insofern ist es politisch zwar nicht überzeugend, aber der Sache durchaus dienlich, dass der Start der Inklusion nun verschoben wurde. "Es wäre politisch Leichtsinn und pädagogisch eine Katastrophe, wenn ein Rechtsanspruch gewährt wird, ohne dass die Rahmenbedingungen stimmen. Und die Rahmenbedingungen stimmen derzeit überhaupt nicht", erklärt Brigitte Balbach, Vorsitzende von lehrer nrw.

22.01.2013 Pressemeldung lehrer nrw

Entscheidend ist aus Sicht von lehrer nrw, dass nun endlich diejenigen in den Blick genommen werden, von denen das Gelingen des Inklusionsprozesses abhängt: die Lehrerinnen und Lehrer. "An erster Stelle brauchen wir ein überzeugendes Fortbildungskonzept. Was bisher passiert, ist zu kurz und zu wenig – ein Tropfen auf den heißen Stein. Es reicht nicht, dass einzelne Lehrkräfte auf eine eintägige Fortbildung gehen und den übrigen Kollegen dann per Multiplikatorenprinzip davon berichten. Wir fordern: Jede einzelne Lehrkraft an den Regelschulen in NRW muss eine Fortbildung erhalten – aus erster Hand und mit hoher Qualität. In spätestens fünf Jahren müssen alle Lehrerinnen und Lehrer geschult sein", so Balbach.

Darüber hinaus ist aus Sicht von lehrer nrw ein kontinuierlicher Wissens- und Erfahrungsaustausch wichtig. Ein runder Tisch in den einzelnen Kommunen wäre zum Beispiel eine Möglichkeit für Schulen und Lehrkräfte, sich über Ideen, Erfahrungen und Konzepte auszutauschen. Denkbar wären auch Partnerschaften zwischen Regelschulen und Förderschulen, um ein Kooperationssystem für Lehrkräfte zu etablieren. "Das setzt natürlich voraus, dass es überhaupt noch Förderschulen geben wird. Wir halten es für äußerst bedenklich, die Förderschulen grundsätzlich aufzugeben", sagt Balbach.

Dass die personelle und bauliche Ausstattung stimmen muss, versteht sich von selbst. Die Regelschulen, die sich auf den Weg zur Inklusion machen, brauchen nicht nur entsprechende Fortbildungen, sondern auch grundständig ausgebildete Förderschullehrer. Eine Doppelbesetzung inklusiver Klassen muss der Regelfall sein.

Landesweite Standards muss es nicht nur in Sachen Fortbildung und Ausstattung geben, sondern auch hinsichtlich der Qualität des Unterrichts, fordert Balbach: "Das von Schulministerin Sylvia Löhrmann gern exerzierte Modell, den Kommunen die Ausgestaltung politischer Entscheidungen zu überlassen (siehe Schulkonsens), ist im Bereich Inklusion nicht praktikabel. Inklusion kann und darf nicht nach dem Prinzip ´Learning by doing´ ablaufen."

Über "lehrer nrw":
"lehrer nrw" ist aus dem traditionsreichen Realschullehrerverband NRW hervorgegangen. lehrer nrw vertritt die Interessen der Lehrkräfte im Sekundarbereich, insbesondere an den Realschulen, Hauptschulen und Sekundarschulen in NRW. Unter dem Dach des Deutschen Beamtenbundes (DBB) tritt lehrer nrw für ein vielgliedriges Schulsystem in öffentlicher und privater Trägerschaft ein.

Ansprechpartner

lehrer nrw

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