Inklusionsfrieden hat sich als Knebel erwiesen
Heute stellt das Bildungsministerium den [Abschlussbericht](http://bildungsklick.de/pm/93925/ruegener-inklusionsmodell-erfolgreich/) zum "RIM - Rügener Inklusionsmodell" vor. Dabei wird die Lücke zwischen Theorie und Praxis erneut groß sein. So steht zu erwarten, dass Bildungsminister Mathias Brodkorb das Projekt für erfolgreich abgeschlossen erklärt. Inklusion, so auch das Fazit aller bisherigen Zwischenberichte, ist bei gleichem Mitteleinsatz, ohne schlechtere Ergebnisse für die Schülerinnen und Schüler machbar.
17.06.2015 Pressemeldung GEW Mecklenburg-VorpommernDoch stimmt das? Rügener Kolleg*innen haben sich an die GEW gewandt: Sie haben Sorge um die Kinder, die aufgrund der ständigen Tests und Normung Angsterscheinungen haben. Sie fühlen sich selbst überlastet und fürchten um ihre eigene Gesundheit. Sie sind im Ungewissen, wie es nach der Beendigung des Modells weitergeht.
"Anders als uns das Rügener Inklusionsmodell Glauben macht, wird seit dem Schuljahr 2010/11 an allen Grundschulen, und nun auch weiterführenden Schulen im Land, inklusiv beschult. Bereits im Oktober 2010 haben wir darauf hingewiesen, dass mit dieser überstürzten Einführung der Inklusion das System sehenden Auges an die Wand gefahren wird. Diese Einschätzung bestätigt sich nun. Die Akzeptanz für inklusive Beschulung geht fünf Jahre nach ihrer Einführung bei Lehrerinnen sowie Eltern und Schülerinnen gegen Null", resümiert Annett Lindner, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern und kann das sogar verstehen: "Was nützt das Rügener Modell, während rundherum Tatsachen geschaffen werden, die sich an Realitäten orientieren? Wo bleibt das lang versprochene Inklusionskonzept, das im Parlament diskutiert werden soll? Und welchen Wert hat eine solche Diskussion noch, wenn im zuständigen Ministerium ohne Einbeziehung des Parlaments Regelungen getroffen werden, die später nicht mehr oder nur noch schwer änderbar sind. Der so genannte Inklusionsfrieden zwischen den Fraktionen hat sich als Knebel erwiesen".
Womöglich, diese Vermutung liegt nahe, hat der amtierende Bildungsminister mit der Entscheidung seines Vorgängers ein schweres Erbe übernommen, dessen Lösung er nun auf Kosten der Akzeptanz für dieses Menschenrecht bis zur nächsten Wahl aussitzen muss.
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