Inklusive Schule braucht Engagement vor Ort
"Inklusive Schule – gemeinsam inklusive Praxis entwickeln" war das Motto der Fachtagung, die der Grundschulverband Anfang November in Friedrichsdorf /Ts. durchführte. Über die konsequente und zeitnahe Umsetzung des Auftrags der UN-Behindertenrechtskonvention, "Inklusive Schule" zu entwickeln, diskutierten FortbildnerInnen, Grund-und SonderpädagogInnen, ErzieherInnen, Schulleitungen,SchulamtsvertreterInnen und Elternvertreter. Unter den Teilnehmern waren der Vorsitzende des Bundeselternrates, Hans-Peter Vogeler und der Vorsitzende des ASD (Allgemeiner Schulleitungsverband Deutschland e.V.), Rainer Stegmaier – sichtbarer Ausdruck dafür, dass sich ein Netzwerk für Inklusion "von unten" entwickelt.
08.11.2011 Pressemeldung Grundschulverband e.V.Die notwendige Vernetzung mit Eltern- und Betroffenenverbänden ebenso wie mit den verschiedenen Ebenen des Schulsystems muss ausgebaut werden - ein inklusives Bildungssystem erfordert die konsequente Zusammenarbeit aller Beteiligten.
Referenten der Tagung waren u.a. Prof. Dr. Andreas Hinz (Universität Halle), Dr. Irmtraud Schnell (Universität Frankfurt/Main), Dr. Peter Wachtel (Leiter der AG "Sonderpädagogische Förderung" der Kultusministerkonferenz). Vorgestellt wurden zudem beeindruckende Beispiele aus der Praxis des inklusiven Unterrichts mit Kindern mit besonderen Lern- und Verhaltensproblemen sowie SchülerInnen mit schweren Behinderungen.
Große Schwierigkeiten beim notwendigen Umbau des deutschen Bildungswesens wurden bei den Beratungen deutlich, politische Forderungen formuliert:
- es bedarf weiterhin erheblicher Vorurteilsüberwindung und Haltungsänderung in Schulen, in Schulverwaltungen, bei Eltern;
- es bedarf eindeutiger Schulgesetzänderungen in den Bundesländern zur Ermöglichung inklusiver Schulentwicklung ohne Haushaltsvorbehalte;
- es bedarf verlässlicher und verbesserter materieller und personeller Ressourcen: in allen allgemeinen Schulen müssen multiprofessionelle Teams arbeiten;
- vereinheitlichende Vergleichstests und ein ausleseorientiertes Bewertungssystem mit Zensuren sind für die inklusive Schule kontraproduktiv;
- es muss mehr Zeit und Geld für schulbezogen konzipierte Fortbildungen zur Verfügung gestellt werden, der Erwerb sonderpädagogischer Kompetenzen muss für alle Lehrämter verpflichtend sein.
Maresi Lassek, Vorsitzende des Grundschulverbandes resümiert: "Inklusive Schule braucht nicht eine einseitige sonderpädagogische Förderung für einzelne SchülerInnen mit Beeinträchtigungen, sondern verlangt eine gemeinsame und differenzierte Pädagogik für ALLE!"
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