Integrierte Gesamtschule in Kandel wird zur großen Theaterbühne

Als "tollen Beweis für die Kreativität und das Engagement von Schülerinnen und Schülern" sowie als "Beleg dafür, welch hohe Bedeutung der kulturellen Bildung in den Schulen beigemessen wird," hat Bildungsstaatssekretär Michael Ebling das Landesschultheatertreffen 2006 bezeichnet, das bis Donnerstag an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Kandel stattfindet. "Ich bin beeindruckt, mit welchem Einsatz Schülerinnen und Schüler sich der Schauspielerei gewidmet haben, und bin überzeugt, dass auch das diesjährige Treffen wieder ein voller Erfolg wird", sagte der Staatssekretär heute bei der Eröffnungsfeier der Veranstaltung, die unter seiner Schirmherrschaft steht.

03.07.2006 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

Ebling betonte, Schultheater diene der Entwicklung der Persönlichkeit, fördere die emotionalen und körperlichen Ausdruckskräfte und schule kreative künstlerische Fertigkeiten. Das Landesschultheatertreffen zeige, dass Schule ein Ort sei, an dem ganzheitliches Lernen in höchst produktiver Weise mit allen Sinnen realisiert werden kann. "Besonders erfreulich finde ich dabei, dass hier deutlich wird, dass dies nicht nur mit viel Arbeit verbunden ist, sondern auch sichtlich Vergnügen macht", sagte der Bildungsstaatssekretär. Das Treffen in Kandel beweise aber auch, wie groß das außerunterrichtliche Engagement von Schülerinnen und Schülern und von Lehrkräften in den Schulen sei. Bis auf eine Gruppe aus dem Wahlpflichtfach "Darstellendes Spiel" kommen alle anderen Teilnehmergruppen des diesjährigen Landesschultheatertreffens aus Arbeitsgemeinschaften, die ihre Stücke außerhalb des eigentlichen Unterrichts entwickelt haben.

Vom 3. bis 6. Juli ist die IGS Kandel Gastgeber für das 24. Landesschultheatertreffen in der Geschichte des Landes. Neun Schultheatergruppen aus ganz Rheinland-Pfalz treffen sich dort, stellvertretend für die vielen Arbeitsgemeinschaften und Kurse für Darstellendes Spiel mit Schülerinnen und Schülern aller Altersstufen im Land. Vertreten sind die Theaterensembles der Wilhelm-Hubert-Cüppers-Schule (Landesschule für Gehörlose und Schwerhörige) in Trier, der St. Laurentiusschule (Förderschule) in Herxheim, der Karmeliter-Grundschule in Worms, des Angela-Merici-Gymnasiums in Trier, des St. Katharinen-Gymnasiums in Oppenheim, des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Pirmasens, des Pamina-Schulzentrums in Herxheim, des Hannah-Arendt-Gymnasiums in Hassloch sowie der Integrierten Gesamtschule in Kandel.

Die Schultheatergruppen zeigen an vier Tagen die Inszenierungen, die sie in ihren Schulen erarbeitet haben. Alle Stücke sind dabei Eigenproduktionen und zeigen eine breite Themenpalette. So hat das Pamina-Schulzentrum in Herxheim seine Produktion mit dem Namen "Euro-Papa" in einem grenzüberschreitenden Projekt gemeinsam mit der Gruppe Association Top Arts aus Uffholtz im Elsass entwickelt mit dem Ziel, eine kultur- und sprachübergreifende Kommunikation zu entwickeln. Sie befassen sich dabei nicht nur mit den Fragen, was das Verbindende und was das Trennende im vereinten Europa ist, sondern auch mit den Zukunftsvorstellungen von Jugendlichen in Deutschland und Frankreich sowie mit der Frage, ob ein Jugendlicher in dieser Gesellschaft überhaupt etwas verändern will und kann. Die Gruppe aus Oppenheim hat Szenen nach dem Roman "Der Herr der Fliegen" von William Golding entwickelt, die demonstrieren, dass auch unsere demokratische Zivilisation nicht sicher vor den Gefahren eines Rückfalls in Barbarei und Diktatur ist. Die Karmeliter-Grundschule Worms zeigt die Geschichte eines Jungen, der zusammen mit seinen Freunden gegen Piraten und Indianer kämpft. Die hörgeschädigten Jugendlichen der Theatergruppe "Die Handys" aus der Landesschule in Trier haben eine russische Kriminalkomödie aus den 20er Jahren inszeniert. Die Gruppe vom Angela-Merici-Gymnasium in Trier setzt sich mit dem Thema Freundschaft auseinander, wobei das Bühnenbild durch Schülerinnen und Schüler eines Leistungskurses Kunst im Rahmen ihrer Monatsarbeit mitentwickelt wurde. Das Pirmasenser Theaterensemble knüpft an die Komödie Lysystrata von Aristophanes an und die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten aus Haßloch haben, angestoßen durch ihre Faszination für die Ära der 68er Generation, ein völlig neues Stück mit integrierter Livemusik geschaffen.

Im Vordergrund des Treffens stehen wie immer die Stücke. Daneben ist ein kompletter Tag für Workshops reserviert, in denen die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit haben, wertvolle Tipps von Profis aus der Theaterszene zu bekommen. Das Spektrum der Workshops reicht von Improvisationstechniken und der Arbeit mit Gesängen über Übungen zu Stunts und Slapstick bis zu Assoziationen zwischen Farben und Szenen. Intensive Nachgespräche für die Gruppen sowie Fortbildungsgespräche für die Spielleiter runden das prall gefüllte Programm ab.

Das rheinland-pfälzische Landesschultheatertreffen wird jährlich von der Landesarbeitsgemeinschaft für das Darstellende Spiel in der Schule e. V. durchgeführt und vom Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend mit rund 10.000 Euro gefördert.


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