Schleswig-Holstein

IVL und PhV lehnen 'Stufenlehrer'-Ausbildung ab

Die Interessenvertretung der Lehrkräfte in Schleswig-Holstein (IVL) und der Philologenverband Schleswig-Holstein (PhV) lehnen die Pläne der neuen Landesregierung zur Lehrerausbildung und zur erneuten Umstrukturierung der Schullandschaft ab.

20.06.2012 Pressemeldung Interessenvertretung der Lehrkräfte in Schleswig-Holstein

"Die Neustrukturierung des Studiums in Richtung "Stufenlehrer" ist eine folgenreiche Fehlentscheidung", so IVL-Landesvorsitzende Grete Rhenius.

Nach Ansicht des Verbandes ist es völlig kurzsichtig, allein das Alter der Schulkinder als strukturelle Grundlage der Lehrerausbildung anzusehen. "Auf der einen Seite wird immer wieder die individuelle Förderung jedes einzelnen Schülers gefordert, auf der anderen Seite sollen vielfältige Begabungen und Neigungen keine Rolle mehr beim Lehramtsstudium spielen. Es ist ein Fehler zu meinen, dass jede Lehrkraft jeder Schülerin oder jedem Schüler auf allen Anspruchsebenen gerecht werden kann", so Rhenius weiter. Für die IVL steht fest, dass Bildungsgerechtigkeit bedeutet, den Ansprüchen und Begabungen des Kindes gerecht zu werden und nicht es lediglich in einer Sammelschule zu betreuen.

In diesem Zusammenhang erneuert Helmut Siegmon, Vorsitzender des PhV seine Kritik an der geplanten Lehrerausbildung und zeigt sich besorgt über die Zukunft der Gymnasien: "Wir benötigen eine Lehrerbildung, die den spezifischen Anforderungen der neuen Schulstruktur Rechnung trägt. Deswegen können wir auf eine Ausbildung unserer Lehrkräfte für die jeweilige Schulart nicht verzichten". Des Weiteren befürchtet Siegmon, dass mit diesem Schritt durch die Hintertür die Einheitsschule implementiert und die Abschaffung des Gymnasiums langfristig besiegelt werde.

Es sei auf jeden Fall mit einem qualitativen Absturz in der Lehrerausbildung zum Leidwesen aller Beteiligten zu rechnen. Dies würden Beispiele aus anderen Bundesländern wie Bremen belegen, wo es das Stufenmodell schon gibt. "Die Leidtragenden wären in erster Linie – neben den Auszubildenden – die Schülerinnen und Schüler", so Siegmon weiter.

"Schon jetzt erhalten wir deutliche Rückmeldungen von Betroffenen vor Ort: Ich rechne mit einer für die Nachwuchsgewinnung gefährlichen Flucht von potentiellen Studienrätinnen und Studienräten in Bundesländer, in denen schulart- und nicht stufenbezogen ausgebildet wird", prognostiziert Siegmon abschließend.


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