Bayern

Jedem Kind individuell schulische und berufliche Perspektiven anbieten - Kultusstaatssekretär Sibler zu Überlegungen von Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe

"Es ist erstaunlich, dass ein gelernter Lehrer und Schulpolitiker wie Ties Rabe die Lösung eines gesamt- und bildungspolitischen Problems, nämlich des Bevölkerungsrückgangs, durch eine Zusammenlegung der Mittel/-Hauptschulen mit den Realschulen sieht", zeigt sich der bayerische Kultusstaatssekretär Bernd Sibler über eine Aussage von Senator Rabe in einem [Zeitungsinterview](http://www.welt.de/politik/deutschland/article13787252/Erster-Berufsabschluss-sollte-Regelabschluss-sein.html) irritiert.

28.12.2011 Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

"Man löst keine Probleme, indem man Angebote aus dem Regal nimmt." Staatssekretär Sibler macht deutlich: "Im Mittelpunkt einer jeden Bildungsdiskussion muss das einzelne Kind stehen. Unsere Kinder sind Individuen mit eigenen Talenten und Fähigkeiten. Diese müssen entdeckt und gefördert werden. Das gelingt am besten, wenn den Begabungen unserer Kinder entsprechend Schularten und Schulabschlüsse angeboten werden", so Sibler weiter. Die Einführung einer Oberschule verwässere anerkannte Bildungsabschlüsse. "Soll ein Abschluss am Ende einer zehnjährigen Schulzeit für alle etwa bedeuten, dass alle jungen Menschen die gleichen Fähigkeiten und Talente haben?", fragt sich der Staatssekretär. "In Bayern gilt weiterhin: Vielfalt statt Einfalt. Eine Oberschule ist für Bayern keine Alternative."

Nur ein differenziertes Schulwesen mit unterschiedlichen und stark profilierten Schularten vermag den Kindern und Jugendlichen mit ihren verschiedenen Begabungen und Interessen gerecht zu werden. Jede Schulart, wie beispielsweise die Mittel-, Real- oder Wirtschaftsschule, das Gymnasium oder die Berufliche Oberschule, unterbreitet den jungen Menschen ein besonderes pädagogisches Angebot. Dieses ist auf deren jeweilige Begabungen und Bildungsziele zugeschnitten.

Um die Schülerinnen und Schüler dabei intensiv zu begleiten, setzt der Freistaat nach dem Prinzip "Zusammenarbeiten statt Zusammenlegen" auf eine enge Kooperation der Schularten. So werden die jungen Menschen z. B. durch die institutionelle Kooperation von Mittel-/Haupt- und Realschulen an 20 Standorten sowie Mittel-/Haupt- und Wirtschaftsschulen an 13 Standorten in neuer Weise gefördert.

Ausgerichtet auf die Bedürfnisse einzelner Regionen wurden Modelle entwickelt, sogenannte 9+2-Modelle, um Jugendlichen der Mittelschule in Kooperation mit der Realschule den Weg zum Realschulabschluss zu eröffnen. Sie sind Teil eines Gesamtkonzepts, um Schülerinnen und Schülern der Mittel-, Real- und Wirtschaftsschulen zusätzliche Chancen zu eröffnen, ihre schulischen Qualifikationen innerhalb des bayerischen Schulwesens zu entfalten. Über die "Brücken" von Vorklassen an den Beruflichen Oberschulen und Einführungsklassen an Gymnasien steht ihnen ein Tor bis hin zum Erwerb der Hochschulreife offen. "43 % der Hochschulzugangsberechtigungen werden nicht über das Gymnasium erworben", erklärt Staatssekretär Sibler. "Diese Zahlen zeigen: Es gibt in Bayern viele verschiedene Wege, um zum Ziel eines erfolgreichen Schulabschlusses zu kommen. Wir müssen den jungen Menschen aber das richtige Schuhwerk mitgeben und sie auf ihrem Weg begleiten, damit sie an dem Ziel ankommen, das sie sich gesteckt haben. Habe ich nur ein Paar Schuhe - vielleicht sogar nur in einer bestimmten Größe zur Auswahl - so kommen lange nicht alle Schülerinnen und Schüler ohne größere Blessuren und Schwierigkeiten am angestrebten Schulabschluss an."

Die "konstante Verlässlichkeit" im Bildungswesen spiele darüber hinaus, so Sibler, eine zentrale Rolle bei der Qualitätsentwicklung. Die Kontinuität in den Grundzügen des Bildungswesens ist für ihn in Bayern ein wichtiger Grund für das gute Abschneiden der Schülerinnen und Schüler. Dies hätten der Ländervergleich 2010 sowie erst jüngst wieder die Studie Deutscher Lernatlas der Bertelsmann Stiftung deutlich herausgearbeitet. Gerade die Strategie, regionale und lokale Schullandschaften mit den Menschen vor Ort zu entwickeln (wie zuletzt bei der Weiterentwicklung der Haupt- zur Mittelschule), und die damit verbundene enge Zusammenarbeit von Schule und Unternehmen in den Regionen hat die Bildungsqualität weiter verbessert. Kultusstaatssekretär Sibler: "Der Schülerrückgang an den Mittelschulen konnte gestoppt werden, was deutlich zeigt: Die Mittelschule wird von Schülern und Eltern angenommen und die Absolventen werden von der Wirtschaft nachgefragt." Die Mittelschule hat somit auch den Effekt, dass sie den ländlichen Raum stärkt. "Denn eines dürfen wir nicht vergessen", so Sibler weiter, "eine Zusammenlegung von Schularten wird immer zu Lasten des ländlichen Raums gehen."

Die Jugendarbeitslosigkeit in Bayern liegt derzeit bei unter 4 %. Junge Menschen, denen der Übergang von der Schule in eine Ausbildung nicht unmittelbar gelingt, werden durch Angebote der Berufsschule und der Arbeitsverwaltung weiterqualifiziert. "Eine gute Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Institutionen ist ein wesentlicher Schlüssel dafür, Jugendliche in eine Ausbildung zu bringen. Wir wollen jedem Kind individuell eine schulische und berufliche Perspektive geben", so Kultusstaatssekretär Sibler abschließend.


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