Kein Geld mehr für Krankheitsvertretungen an Schulen: Qualitätsoffensive: Kinder müssen früher nach Hause gehen

"Es ist ein Skandal, dass am Montag die Landesregierung ihre Bildungspolitik mit einer zwei Millionen teuren Werbekampagne anpreisen will und gleichzeitig die Schulen erfahren, dass es kein Geld mehr für Krankheitsvertretungen gibt. Im zweiten Schulhalbjahr müssen offenbar viele Kinder früher nach Hause geschickt werden. Der neue Ministerpräsident Stefan Mappus muss die Werbekampagne stoppen und das Geld sofort für die Unterrichtsversorgung zur Verfügung stellen", sagte am Freitag (29.01.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

29.01.2010 Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Den Schulleitungen wurde jetzt von der Schulverwaltung mitgeteilt, dass vorläufig keine Vertretungsverträge für Krankheit, Mutterschutz und Elternzeit abgeschlossen werden können. Durch die große Zahl der Schwangerschaften seien bereits alle eingeplanten Mittel erschöpft. Einigen Schulen wurde mitgeteilt, dass sie auf die fest angestellten Krankheitsvertretungen zurückgreifen, auf Ergänzungsangebote wie Arbeitsgemeinschaften verzichten und Unterrichtsausfälle durch weitere Überstunden der Lehrer/innen vermeiden sollten.

"Diese Mangelverwaltung ist ein Armutszeugnis. Alle wissen, dass die feste Lehrerreserve mit 1.250 Stellen schon im Normalbetrieb nicht ausreicht und wir eigentlich dafür 6.000 Stellen bräuchten. An den Schulen haben sich bereits Überstunden im Umfang von mehreren Tausend Lehrerstellen angehäuft. Ich hoffe, die Eltern lassen sich das nicht gefallen", sagte Moritz.

Heute findet in Heilbronn das bildungspolitische Forum der CDU-Landtagsfraktion unter dem Titel "Wir machen Schule mit bester Bildung, auch in Zukunft!" statt. "Wenn die CDU dieses Motto ernst nimmt, sollte sie als erstes die Werbekampagne stoppen. Damit ließen sich immerhin schon mindestens 50 Stellen finanzieren, die an den Schulen dringender gebraucht werden als Hochglanzbroschüren", sagte Moritz.

Bitte werden Sie nicht schwanger!

In den Schulen führt die Situation zu großer Verunsicherung: Ein Gymnasium in der Region Stuttgart berichtet, dass für den 1. Februar bereits fest zugesicherte Vertretungskräfte nicht kommen werden. In sechs Klassen droht Unterrichtsausfall in den Fächern Biologie, Physik, Deutsch sowie Naturwissenschaft und Technik.

Eine Schulleiterin einer Grundschule berichtet frustriert, sie habe ihre Kolleginnen gebeten, bitte nicht schwanger zu werden. Mehrere Schulleitungen berichten, dass fest zugesagte Vertretungskräfte für Kolleginnen, die in Mutterschutz und Elternzeit gehen, nicht kommen werden. Es soll im zweiten Schulhalbjahr keine Ersatzeinstellungen geben. Offenbar hat die Landesregierung kein Konzept, wie sie die reguläre Unterrichtsversorgung an den Schulen gewährleisten will.

Regulärer Unterrichtsausfall bis zu 5,5 Prozent

Bereits der reguläre Unterrichtsausfall lag nach der letzten Stichprobe im Dezember 2009 bei bis zu 5,5 Prozent (Gymnasien). Baden-Württemberg bräuchte etwa 6.000 Lehrer/innen für eine ständige Lehrerreserve, damit kaum noch Unterricht ausfällt. Derzeit gibt es dafür 1.250 Lehrkräfte. Diese werden allerdings oft für den regulären Unterricht eingesetzt und stehen bei Krankheitsfällen nicht mehr zur Verfügung.

Die GEW weist darauf hin, dass in der Stichprobe Unterrichtsausfall nicht die zusätzlichen Angebote wie Förderunterricht und Arbeitsgemeinschaften erfasst wurden. "Wir bekommen über unser Internetportal Unterrichtsversorgung immer wieder Meldungen, dass es an Lehrern mangelt. Um den Pflichtunterricht zu sichern, wurden an den Schulen oft Arbeitsgruppen und Förderunterricht gestrichen", so Moritz.

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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