Bayern

Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle will Grund- und Mittelschulen sichern - Differenziertes Schulwesen steht für optimale Förderung der Kinder und Jugendlichen

Mit einer standortbezogenen Schulentwicklung unter Einbindung der Menschen vor Ort stellt Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle die große Anzahl der Schulstandorte und die Bildungsqualität im ländlichen Raum angesichts der demographischen Entwicklung sicher.

04.11.2011 Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Hauptaspekte standortbezogener Schulentwicklung sind für Dr. Spaenle:

  • passgenaue Bildungsangebote für die jungen Leute auf der Basis des differenzierten und durchlässigen Schulwesens vor Ort,
  • die Möglichkeit, dass jeder Schüler jeden Abschluss erwerben kann
  • Bildungsnetzwerke für Menschen, die eine besondere Förderung benötigen,
  • sowie besondere Schulprofile der Schularten wie auch der einzelnen Schulen. Die sollen nach Bedarf auf dem Weg des Dialogs mit den Menschen vor Ort entwickelt werden.

"Es ist mein Ziel, möglichst viele Schulstandorte im ländlichen Raum zu erhalten", warf der Minister den Blick auf Regionen des Freistaats, in denen die Bevölkerung stark zurückgehen wird. Mit dem Erhalt der Standorte verbindet der Minister ein zweites Ziel: "Wir müssen den Kindern und Jugendlichen auch morgen im ländlichen Raum ein qualitätsvolles Bildungsangebot unterbreiten. Nur so können wir dem Verfassungsauftrag vergleichbarer Lebensverhältnisse gerecht werden", betonte der Minister.

Vielgliedriges Schulwesen wird verschiedenen Begabungen gerecht

Nur ein differenziertes Schulwesen, das steht für Minister Spaenle fest, mit unterschiedlichen stark profilierten Schularten vermag den Kindern und Jugendlichen mit ihren unterschiedlichen Begabungen und Interessen gerecht zu werden. Jede Schulart, z.B. Mittel-, Real- und Wirtschaftsschule sowie Gymnasium und Berufliche Oberschule, unterbreitet den jungen Menschen ein besonderes pädagogisches Angebot. Dieses ist auf deren jeweilige Begabungen und Bildungsziele zugeschnitten.

"Bayern nimmt viel Geld in die Hand, damit wir den jungen Menschen auch künftig vor Ort passgenaue Bildungsangebote in einem differenzierten Schulwesen unterbreiten", so der Minister. Um die jungen Leute dabei sehr intensiv zu begleiten, setzen wir nach dem Prinzip "Zusammenarbeiten statt Zusammenlegen" auch auf eine enge Kooperation der Schularten.

In einer Erprobungsphase werden die jungen Menschen z.B. durch die institutionelle Kooperation von Mittel-/Haupt- und Realschulen an 20 Standorten sowie Mittel-/Haupt- und Wirtschaftsschulen an 13 Standorten in neuer Weise gefördert.

Ausgerichtet auf Bedürfnisse einzelner Regionen wurden Modelle entwickelt, 9+2-Modelle, um Jugendlichen der Mittelschule in Kooperation mit der Realschule den Weg zum Realschulabschluss zu eröffnen. Sie sind Teil eines Gesamtkonzepts, um Schülerinnen und Schülern der Mittel-, Real- und Wirtschaftsschulen zusätzliche Chancen zu eröffnen, ihre schulischen Qualifikationen innerhalb des bayerischen Schulwesens zu verbessern. Über die "Brücken" von Vorklassen an den Beruflichen Oberschulen und Einführungsklassen an Gymnasien steht ihnen - bald flächendeckend - ein Tor bis hin zum Erwerb einer Hochschulreife offen.

In Dialogforen entwickeln Menschen vor Ort eine Bildungslandschaft

In Dialogforen, in denen die Schulfamilien und Vertreter der Regionen den gesellschaftlichen Wandel und die Entwicklung der Schülerzahlen zunächst analysieren, wird nach den Bedürfnissen der Menschen vor Ort eine eigene Bildungslandschaft entwickelt. "Wir wollen die Chancen der jungen Menschen, wohnortnah jeden Abschluss erwerben zu können, ausbauen und zugleich mit den Kommunen und der regionalen Wirtschaft zusammen Bildungsnetze knüpfen, um alle Schülerinnen und Schüler auf dem Weg von der Schule zur Arbeitswelt zu begleiten".

Anzahl junger Menschen sinkt bis 2020 in Bayern um etwa 12 Prozent

Bis 2020 wird die Anzahl der Schülerinnen und Schüler in Bayern von rund 1,8 Millionen auf 1,5 Millionen zurückgehen. Landesweit sinkt die Anzahl der jungen Menschen zwischen 6 und 18 Jahren bis 2020 um rund 12 Prozent. Dabei gibt es Regionen wie den Großraum München mit einer leichten Zunahme. Es gibt auch Räume, in denen die Zahl der Kinder und Jugendlichen in diesem Alter um mehr als ein Fünftel zurückgeht.

Wir wollen Grundschulen und Mittelschulen erhalten

Nach dem Grundsatz "Kurze Beine - kurze Wege" will Minister Spaenle die weit über 2000 Grundschulen sichern. Auf der Basis zusätzlicher Mittel und Stellen, die er im Nachtragshaushalt beantragt, beabsichtigt der Kultusminister im Einvernehmen mit Eltern und Kommunen auch Schulen mit geringen Schülerzahlen - bis hin zu einer Gesamtschülerzahl von 26 pro Schule - zu erhalten. Mit dem organisatorischen Instrument des Schulverbundes werde auf absehbare Zeit die große Anzahl von Schulstandorten auch in Landkreisen wie Neustadt an der Waldnaab erhalten, in denen der Schülerrückgang in den kommenden zehn Jahren mehr als ein Fünftel beträgt. Schulstandorte in Landkreisen im "Speckgürtel" der Großstädte München oder Nürnberg oder an Entwicklungsachsen seien auf absehbare Zeit gesichert.

Die Mindestklassengröße von 15 Schülern ist in Mittelschulverbünden außer Kraft gesetzt worden - an gut 230 Mittelschulen sind bereits im vergangenen Schuljahr Klassen mit weniger als 15 Schülern gebildet worden. Zum Erhalt eines Schulstandortes sei nur noch eine Klasse nötig, korrigierte Minister Spaenle Fehlinformationen eines Lehrerverbandes, dass eine Schule dann aufzulösen sei, wenn sie nicht mehr durchgängig mindestens eine Klasse für alle Jahrgangsstufen aufweise.

Szenarium eines Lehrerverbandes ist überholt und unredlich

Auf der Basis unbegründeter Spekulationen verbreite ein Lehrerverband gegenwärtig Angst, dass in absehbarer Zeit mehrere hundert Schulstandorte wegfielen. Dieser Lehrerverband geht in seinem dunklen Szenarium von einer falschen Entwicklung der Übertrittsquote aus und verunsichere Menschen.

a) Dieser Lehrerverband gehe davon aus, dass die Zahl der Übertritte zur Realschule und dem Gymnasium weiter anwachsen wird und die Mittelschule an Schülern deutlich verlieren werde. Fakt ist: Die Quote der Schülerinnen und Schüler, die nach der Grundschule diese weiterführende Schularten besuchen, hat sich stabilisiert: sie lag zuletzt bei den Realschulen bei 28 Prozent, bei den Gymnasien bei knapp 40 Prozent. Knapp ein Drittel unserer Schüler besucht nach wie vor die Mittelschule.

b) dieser Lehrerverband gehe in seiner Prognose davon aus, dass bis zum Jahr 2015 eine Mindestschülerzahl von 15 Schülern pro Klasse an Hauptschulen festgeschrieben sein würde. Dies gilt bereits seit dem Schuljahr 2010/2011 nicht mehr.

c) dieser Lehrerverband gehe in seinem Szenarium davon aus, dass eine Mittelschule geschlossen werde, wenn die Jahrgangsstufen nicht mehr durchgängig an einem Standort erhalten seien. Das ist seit 2010 nicht mehr der Fall. Eine Mittelschule wird nach dem Gesetz erst geschlossen, wenn dort keine Klasse mehr besteht.

d) dieser Lehrerverband unterschlage, dass die Kommunen mit den Schulen tatsächlich vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten haben, um Standorte im Rahmen eines Verbundes zu sichern.

"Die Übertrittsquote von Schülerinnen und Schülern nach der Grundschule zur Realschule und zum Gymnasium hat sich stabilisiert. Rund ein Drittel der Kinder bleibt an der Mittelschule", stellte Minister Spaenle aktuelle Daten des Ministeriums vor. Die schulorganisatorischen Möglichkeiten des Mittelschulverbundes zum Erhalt von Schulstandorten habe dieser Lehrerverband, der einem eingliedrigen Schulwesen das Wort rede, "wider besseren Wissens" nicht berücksichtigt.


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