Kultusminister Helmut Rau: "Die Einheitsschule ist keine Lösung"
"Die Einheitsschule ist keine Lösung für die durch die demografische Entwicklung verursachten neuen Herausforderungen. Schulstrukturdebatten führen uns nicht weiter. Die Pisa-Studien haben uns gezeigt, dass die Qualität von Schule und Unterricht entscheidend ist für erfolgreiches Lernen. Unser Ziel ist es deshalb, Hauptschülerinnen und Hauptschüler individuell zu fördern und ihnen dadurch einen Weg in die duale Ausbildung zu ebnen. Die Lehrkräfte an den Hauptschulen leisten dabei eine hervorragende Arbeit, die Anerkennung und Wertschätzung verdient", sagte Kultusminister Helmut Rau MdL am Montag (22. Januar) in Stuttgart.
22.01.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-WürttembergDie Hauptschulen bieten jungen Menschen mit praktischen Fähigkeiten eine qualifizierte schulische Ausbildung in Theorie und Praxis und schaffen die Voraussetzungen für den Einstieg in die duale Berufsausbildung. Dabei steht die weitere Stärkung der Ausbildungsreife im Mittelpunkt. Beispielsweise wird eine flächendeckende Umsetzung des Praxiszuges angestrebt. Im Praxiszug lernen Schülerinnen und Schüler über einen längeren Zeitraum einen Tag pro Woche den betrieblichen Alltag kennen. "Neben der schulischen Qualifikation müssen den jungen Menschen auch genügend Ausbildungsplätze angeboten werden", sagte Rau.
Die von der GEW vorgeschlagene Zusammenlegung von Haupt- und Realschule zu Regionalschulen als Etappe auf dem Weg zur Einheitsschule werde zur Folge haben, dass es zu einem erheblichen Konzentrationsprozess der Schulen und damit zu eine m Verlust der wohnortnahen Schule komme.
"Wir müssen dafür Sorge tragen, dass zwei Dinge gewährleistet werden: Die gezielte Förderung einzelner Schüler und das Erreichen eines mittleren Bildungsabschlusses über die Hauptschule", erklärte Kultusminister Rau. Mit der kleinsten durchschnittlichen Klassengröße aller allgemein bildenden Schulen (20,6) und einer weiteren auszubauenden Kooperation mit Realschulen und beruflichen Schulen seien diese Ziele zu erreichen, ohne dass ideologische Auseinandersetzungen fröhliche Urstände feiern müssten.
Das Kultusministerium und die Kommunalen Landesverbände haben im Sommer letzten Jahres einen Arbeitskreis gegründet, um gemeinsam zu beraten, mit welchen schulorganisatorischen Maßnahmen dem prognostizierten Rückgang der Schülerzahlen begegnet werden kann. Die dabei entwickelten Vorschläge sollen dem Schulträger Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, die er je nach örtlichen Gegebenheiten umsetzen kann. Die demografische Entwicklung rechtfertigt jedoch keine Abschaffung der Hauptschule als eigenständige Schulart mit profiliertem Bildungskonzept. Der Hauptschule kommt auch in Zukunft ein wichtiger Bildungsauftrag zu. Eine ganztägige pädagogische Betreuung kann dazu einen weiteren Beitrag leisten. Zu den rund 200 Ganztagshauptschulen sollen deshalb noch einmal so viele hinzukommen. Der Ganztagsbetrieb an diesen Schulen wird mehr pädagogische Möglichkeiten für gezielte Fördermaßnahmen von leistungsschwächeren Schülerinnen und Schülern schaffen.
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