Kultusministerin Karin Wolff wirbt in Oberstufenklassen für das Lehramt

"Bildung entscheidet über Lebenschancen", heißt es in einem Brief der Hessischen Kultusministerin Karin Wolff an die Schülerinnen und Schüler der Gymnasialjahrgänge 12 und 13, in dem sie für das Lehramtsstudium wirbt: "Das Land Hessen sucht junge, dynamische Menschen, die die Schule der Zukunft aktiv mitgestalten und junge Menschen auf dem Weg in das persönliche und das Berufsleben unterstützen möchten."

11.04.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

Besonders gute Perspektiven bieten der Ministerin zufolge Haupt- und Realschulen sowie die Berufsschulen in Hessen: "Weil die meisten jungen Erwachsenen ihr Abitur als Voraussetzung des Lehramtsstudiums an einem Gymnasium ablegen, sind ihnen die Schulformen Hauptschule und Realschule eher fremd. – Verständlicherweise liegt für viele daher der Berufswunsch der Lehrerin oder des Lehrers an einem Gymnasium näher. Gerade deswegen gibt es aber an den Haupt- und Realschulen vergleichsweise gute Einstellungschancen. Die Studierendenzahlen für diese Lehrämter sind geringer. Besonders gefragt sind hier Lehrerinnen und Lehrer mit Hand und Herz, mit praktischer Einstellung und Veranlagung; anwendungsorientierte Menschen, die mit Geschick neue Sachverhalte altersgerecht, anschaulich und interessant vermitteln und sich mit hohem Sozialengagement einsetzen. Dabei ist die gesuchte Fächerpalette weit gespannt. Ganz besonders gesucht sind zurzeit Lehrkräfte mit den Fächern Mathematik, Physik, Chemie, Englisch und Musik. Auch zusätzliche Kenntnisse in anwendungsbezogenen Softwareprogrammen sind erwünscht."

Die schulische Ausbildung an einer Berufsschule habe immer den Aspekt der beruflichen Ausbildung im Blick, schreibt Karin Wolff den Schülerinnen und Schülern: "Viele Gymnasiasten wissen gar nicht, dass es an den beruflichen Schulen viele verschiedene Schulformen und Berufsfelder gibt. Die Vollzeitschulformen sind fast wie eine Realschule oder ein Gymnasium organisiert, nur eben zusätzlich mit berufsbezogenem Unterricht, zum Beispiel auch im beruflichen Gymnasium. Leider entscheiden sich viel zu wenige junge Menschen für dieses interessante und abwechslungsreiche Lehramt, das die Berufswelt mit der Schule verbindet."

Wegen der breit gefächerten Angebotspalette der beruflichen Schule könne fast jede und jeder Lehrbegabte einen Fachbereich finden, der ihr oder ihm liegt: "Neben besonders gesuchten technikorientierten Berufsfeldern wie Maschinenbau, Elektrotechnik, Holztechnik, Drucktechnik, Chemie-, Biologie- und Physiktechnik sowie Informatik, gibt es noch die Bereiche Bautechnik, Farbtechnik und Raumgestaltung, Agrarwirtschaft, Wirtschaft und Verwaltung, Ernährung und Hauswirtschaft, Gesundheit, Textiltechnik und Bekleidung, Körperpflege sowie Sozialpädagogik, in denen zurzeit nicht immer genügend ausgebildete Lehrkräfte zur Verfügung stehen."

Vom Lehramt an Grundschulen rät die Kultusministerin eher ab: "Erfahrungsgemäß entscheiden sich deutlich mehr Studienanfänger als benötigt werden dafür. Das führt nicht nur zu hoher Konkurrenz bei der späteren Einstellung, bei der dann letztlich die Abschlussnoten entscheiden, sondern auch dazu, dass nicht alle Bewerberinnen und Bewerber eingestellt werden können. An den Grundschulen wird sich zudem in wenigen Jahren die Verringerung der Schülerzahlen und damit der zurückgehende Bedarf an Lehrkräften zuerst bemerkbar machen. Dennoch gibt es in diesem Lehramt Fächer wie Musik, Sport und Religion, die nicht so oft gewählt und studiert werden." An Förderschulen seien in den vergangenen 15 Jahren überproportional viele junge Lehrkräfte eingestellt worden. Dies wirke sich auf den Ersatzbedarf dergestalt aus, dass die erreichten Abschlussnoten ausschlaggebend für eine Einstellung sein werden.

Für das Lehramt an Gymnasien, aber nicht für eine spätere Einstellung, seien Deutsch, Politik und Wirtschaft, Geschichte, Erdkunde, Biologie und Sport "die großen Renner". Während Englisch, Französisch und Religion laut Karin Wolff bei der Studienhäufigkeit im Mittelfeld rangieren, sollten sich mehr angehende Lehrkräfte für Mathematik, Physik, Chemie, Informatik, Latein, Spanisch, Kunst und Musik entscheiden. Auch Hauptfachkombinationen würden gerne gesehen.

Angesichts von fünf verschiedenen Studiengängen für das Lehramt an beruflichen Schulen, Förderschulen, Grundschulen, Gymnasien sowie Haupt- und Realschulen appelliert Karin Wolff, bei der Auswahl nicht nur nach Herz und Vorliebe, sondern auch mit nüchternem Blick auf persönliche Eignung und tatsächlichen Bedarf zu entscheiden. Zwar müsse sich die Fachwahl an den eigenen Fähigkeiten orientieren, andererseits werde der Ersatzbedarf für in den Ruhestand gehende Lehrkräfte künftig nicht mehr so hoch ausfallen: "Aufgrund der geringen Geburtenraten in den vergangenen Jahren ist absehbar, dass die Zahl der zukünftigen Schülerinnen und Schüler erheblich zurückgehen wird. Umso wichtiger ist es, sich vor der Berufsentscheidung genau zu informieren und dann arbeitsmarktgerecht zu entscheiden."

"Der Zukunftsbedarf ist hoch – die Schule bietet daher auch gute Karrieremöglichkeiten", schließt die Kultusministerin: "Die Fort- und Weiterbildung als Lehrkraft wird heute groß geschrieben; schließlich soll die Schule der Zukunft ja eigenverantwortlich handeln. Im Rahmen der Personalentwicklung gibt es dabei viele Möglichkeiten. Man kann sich in den eigenen Fächern fit halten, neue Unterrichtsmethoden und deren effektive Umsetzung auf Lerngruppen – wie zum Beispiel im Projektunterricht – erlernen, oder sich in die Schulorganisation oder die Schulverwaltung hinein entwickeln."


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