Kultusministerium bezweifelt Aussagekraft der Schulsportstudie (SPRINT)
Kultusstaatsekretär Helmut Rau weist die pauschale Kritik an der Schulsportsituation zurück und bemängelt das Fehlen einer angemessenen Differenzierung. "Den Autoren der Studie geht es mehr darum, die Kultusminister zu verprügeln, als ein differenziertes Bild des Schulsports zu zeichnen. Gerade in Baden-Württemberg hat der Schulsport durch eine Reihe von Maßnahmen in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Unsere Grundschulen mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt gelten bundesweit als Vorzeigemodelle", erklärte Helmut Rau am Montag in Stuttgart.
13.12.2004 Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-WürttembergIn Baden-Württemberg stellt sich die Situation wie folgt dar:
In den Grundschulen fielen im vergangenen Jahr mit 269 Stunden 0,5 Prozent des Sportunterrichts laut Stundentafel aus. Dem standen aber 842 Stunden in Arbeitsgemeinschaften gegenüber. An den Hauptschulen fielen mit 880 Stunden 3,2 Prozent aus, dafür gab es aber 1544 AG-Stunden. Die Gymnasien verzeichneten sogar einen Überhang von 3,4 Prozent (1127 Stunden), wozu noch 1258 AG-Stunden kamen.
Ins Reich der Legenden verweist Kultusstaatssekretär Helmut Rau auch den Vorwurf, es mangele an Sportlehrerinnen und Sportlehrern. Der Anteil des "fachfremden" Sportunterrichts - also durch eine Lehrkraft, die nicht eigens Sport studiert hat - dürfe nicht automatisch als negativ bewertet werden, so Rau, zumal sich dies beim Klassenlehrerprinzip in den Grundschulen gar nicht vermeiden lasse. Laut Statistik könnte jede Sportstunde mit einem Sportlehrer abgedeckt werden, wenn alle Sportlehrer mit rund 11,5 Stunden ihres Deputats im Sport eingesetzt würden. Alleine in den Grund- und Hauptschulen sind nahezu 10.000 Sportlehrer im Einsatz. Somit kommen rechnerisch 3,4 Sportlehrer auf eine Grund- und Hauptschule.
"Gerade in den Grundschulen hat der Sport einen besonders hohen Stellenwert", unterstrich Helmut Rau: "337 Grundschulen haben bereits jetzt einen sport- und bewegungserzieherischen Schwerpunkt mit fest installierten Zeiten für Sport, Spiel und Bewegung. Bis 2006 sollen sich alle Grundschulen des Landes diesen Schwerpunkt gesetzt haben." Das Modell der Grundschule mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt wird bundesweit als beispielhaft gelobt und wurde in diesem Jahr mit dem Präventionspreis des Bundesgesundheitsministeriums, der Bertelsmann Stiftung und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ausgezeichnet. Mit den neuen Bildungsplänen, die seit Herbst gelten, werden Sport und Bewegung deutlich aufgewertet, unter anderem durch den Fächerverbund "Bewegung, Spiel und Sport".
Staatssekretär Helmut Rau warnte davor, den Altersdurchschnitt der Lehrer zu dramatisieren. "In diesem Jahr wurden fast 800 junge Sportlehrerinnen und -lehrer neu eingestellt. In den kommenden Jahren werden aufgrund der anlaufenden Pensionierungswelle in großem Unfang junge Lehrkräfte eingestellt, was den Altersschnitt weiter senken wird", so Helmut Rau.
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