Kultusministerium und kommunale Landesverbände einigen sich auf gemeinsame Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Hauptschulstrukturen

Land und Kommunen erarbeiten verschiedene Vorschläge zur Standortsicherung. Kommunen sollen Einwohner-, Geburten- und Schülerzahlentwicklung als Grundlage für lokale und regionale Planungen erheben.

06.03.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Das Kultusministerium und die kommunalen Landesverbände (KLV) haben sich auf gemeinsame Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Hauptschulstrukturen im Land geeinigt. Ziel ist es, die Hauptschule als eigenständige Schulart trotz sinkender Schülerzahlen in allen Teilen des Landes zu erhalten. Land und Kommunen haben dazu verschiedene Vorschläge erarbeitet. Diese beinhalten beispielsweise jahrgangsübergreifenden Unterricht, die Zuweisung einzelner Jahrgangsstufen an benachbarte größere Hauptschulen sowie die Umwandlung kleiner Hauptschulen in Außenstellen. Auch die enge Kooperation von Haupt- und Realschulen im Wege eines Schulverbundes ist eine der aufgeführten Optionen.

Kultusminister Helmut Rau MdL bezeichnete die Einigung als wichtiges Signal an die Kommunen im Land. "Ein wohnortnahes Schulangebot ist gerade für den ländlichen Raum von größter Bedeutung. In den Empfehlungen finden die Städte und Gemeinden eine Reihe von Möglichkeiten zur Standortsicherung. Jetzt muss vor Ort entschieden werden, welcher Weg mit Blick auf die jeweiligen Gegebenheiten der geeignete ist." Bei den Vorschlägen gehe es durchweg um schulorganisatorische Maßnahmen, betonte der Minister weiter. Eine verbindliche Mindestschülerzahl für Hauptschulen sei nicht vereinbart worden. Ab einer Schülerzahl von 17 pro Jahrgangsstufe sollen die Kommunen jedoch veranlasst sein, Maßnahmen zur Sicherung des Standorts zu überprüfen.

Dass bei einer Zusammenlegung von Hauptschulen der aufnehmenden Schule die Ressourcen der aufgehobenen Schule für eine dreijährige Übergangszeit belassen werden, bewerteten die KLV als wichtige Hilfestellung. "Damit ist das Kultusministerium auf eine für unsere Städte und Gemeinden wichtige Forderung eingegangen. Durch die vorübergehende Ressourcenüberlassung wird der Übergangsprozess wesentlich erleichtert", betonte der Präsident des Gemeindetags, Bürgermeister Roger Kehle. Die Regelung sieht konkret vor, dass im ersten Jahr die gesamten Lehrerwochenstunden an der aufnehmenden Schule verbleiben. In den Folgejahren wird von den zusätzlich belassenen Lehrerwochenstunden jeweils ein Drittel abgeschmolzen.

Auch über das weitere Verfahren ist zwischen Kultusministerium und den kommunalen Landesverbänden Einigung erzielt worden, wie der Präsident des Landkreistags, Landrat Dr. Jürgen Schütz, bekannt gab. Die Kommunen sollen für ihr jeweiliges Gebiet die langfristige Einwohner-, Geburten- und Schülerzahlentwicklung sowie den Schulraumbestand eigenverantwortlich ermitteln. Diese Datenerhebung liefert dann die Grundlage für eine regional vernetzte Planung. "Die Landkreise mit ihren Ämtern für Schule und Bildung stehen den Städten und Gemeinden jederzeit beratend zur Seite", betonte Schütz. Die Verhandlungspartner hätten sich auch darauf verständigt, dass in die anstehende Erhebungs- und Planungsphase auf Orts- und Kreisebene die Thematik einer ausgewogenen regionalen Verteilung von Ganztagsangeboten im Grund- und Hauptschulbereich ebenfalls integriert werden soll. Damit sollen abgestimmte und effektive Strukturen im Ganztagsschulbereich erreicht werden.

Kultusministerium und kommunale Landesverbände sind sich einig darin, dass der Hauptschule auch in Zukunft ein wichtiger Bildungsauftrag zukommt. "Die demografische Entwicklung rechtfertigt keine Abschaffung der Hauptschule als eigenständige Schulart mit profiliertem Bildungskonzept", betonte Kultusminister Rau. Die Verschmelzung von Haupt- und Realschule zu einer Regionalschule würde einen "dramatischen Konzentrationsprozess" mit Blick auf die Schulstandorte auslösen. "Die Hauptschule bleibt eine tragende Säule des dreigliedrigen Schulsystems in Baden-Württemberg. Sie bietet jungen Menschen mit praktischen Fähigkeiten eine qualifizierte schulische Ausbildung in Theorie und Praxis und ist Brücke in die duale Berufsausbildung", sagte der Kultusminister.

Eine engere Kooperation von Haupt- und Realschulen sei jedoch nicht ausgeschlossen und an manchen Standorten sogar wünschenswert. Die Bildung eines Schulverbundes aus Haupt- und Realschule unter einer gemeinsamen Schulleitung sei möglich. "Die Zusammenarbeit unter einem schulorganisatorischen Dach kann auch einen Lehreraustausch und gemeinsame Angebote im Ergänzungsbereich beinhalten", betonte Rau. Auch im außerunterrichtlichen Bereich, beispielsweise bei der Jugendsozialarbeit an Schulen, dem Angebot von Arbeitsgemeinschaften oder von Schülermentorenprogrammen, sei eine enge Kooperation wünschenswert. Zudem soll im Rahmen eines zielgerichteten Modells die Durchlässigkeit zwischen Haupt- und Realschule weiter ausgebaut werden, kündigte Rau an. Ziel sei es, an zwei Gelenkstellen - zum Halbjahr der Klassen 6 und 8 - Brücken zwischen den beiden Schularten zu schaffen. Leistungsstarke Hauptschüler sollen in bestimmten Fächern am Unterricht der Realschule teilnehmen können. Durch gezielte Fördermaßnahmen würden sie damit die Chance erhalten, ganz in die Realschule überzuwechseln.

Auf Antrag der Schulträger können weitere Schulversuche zur Aufhebung der Hauptschulbezirke eingerichtet werden. Solche Versuche sind in Städten und größeren Gemeinden mit mehreren Hauptschulen im Gebiet desselben Schulträgers möglich und als schulträgerübergreifender Versuch in Gemeinden des ländlichen Raums, die lediglich eine Hauptschule in ihrem Gebiet führen. In diesem Fall müssen sich die beteiligten Schulträger abstimmen und einen gemeinsamen Antrag auf der Grundlage getrennter Gemeinderatsbeschlüsse stellen. "Mit der Aufhebung von Hauptschulbezirken wird die Hauptschule zu einer echten Wahlschule für die Schülerinnen und Schüler dieser Schulart. Dadurch kann die Attraktivität der Hauptschule gestärkt werden", sagte Stefan Gläser, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Städtetags Baden-Württemberg.


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden