Landesregierung im Rückstand
Zum Schuljahresbeginn stimmen die Rahmenbedingungen nicht. Das Schuljahr hat noch nicht begonnen, doch die Landesregierung hat schon Rückstand. Die Auftakt-Pressekonferenz von Schulministerin Sylvia Löhrmann hat gezeigt, dass es in der nordrheinwestfälischen Schullandschaft reichlich Baustellen gibt.
17.08.2012 Pressemeldung lehrer nrwGanz entscheidend für den Erhalt der Bildungsqualität ist eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Lehrerinnen und Lehrer, denen im Reform-Aktionismus diverser Landesregierungen immer mehr Aufgaben aufgebürdet wurden. Auch und besonders gilt dies für Fachleiter, die Lehramtsanwärter auf den Lehrerberuf vorbereiten und dafür auch noch mit miserabler Bezahlung und ebenso miserablen Beförderungsmöglichkeiten bestraft werden. "In der Wirtschaft gehört es für jedes Unternehmen zum A und O, die Beschäftigten zu motivieren und optimale Arbeitsbedingungen zu schaffen. An den Schulen in NRW scheint dieser Grundsatz nicht zu gelten. Hier werden die Lehrerinnen und Lehrer im Stich gelassen", sagt Brigitte Balbach, Vorsitzende von lehrer nrw.
Nach wie vor gibt es eine krasse Ungleichbehandlung der Lehrerinnen und Lehrer an den Schulformen der Sekundarstufe I: Sekundarschulen haben hinsichtlich der Klassenfrequenzrichtwerte (25) und der Unterrichtsverpflichtung (25,5 Lehrerwochenstunden) deutliche Vorteile gegenüber Realschulen (Klassenfrequenz 28, Unterrichtsverpflichtung 28). Auch bei der Besoldung ist einiges im Argen: Es ist für lehrer nrw nicht hinnehmbar, dass es Lehrer erster und zweiter Klasse gibt – an den Sekundarschulen sogar unter einem Dach. Denn hier arbeiten Lehrkräfte mit Befähigung für die gymnasiale Oberstufe mit Hauptschul- und Realschul-Kollegen zusammen. lehrer nrw fordert daher:
- Gleiche Besoldung für alle Lehrkräfte
- Gleiche Schüler-Lehrer-Relation im Sekundarbereich I für alle Schulformen
- Gleiche Pflichtstundenzahl für alle Lehrkräfte im Sekundarbereich I
- Schrittweise und gleichzeitige Absenkung der Klassenfrequenzrichtwerte für alle Schulformen
Sehr bedenklich ist, dass von den 42 neuen Sekundarschulen nur eine nach der Klasse 6 in getrennten Bildungsgängen unterrichtet. Diese Variante ist gegenüber dem integrierten bzw. teilintegrierten Weg dramatisch unterrepräsentiert. Damit drohen insbesondere die Qualitätsmerkmale der Realschule in den neuen Sekundarschulen unterzugehen. So ist die Sekundarschule auf dem Weg zu einer "Gesamtschule light" ohne Oberstufe.
Beim Thema Inklusion blieb die Schulministerin einmal mehr vage. "Nach wie gibt es kein Konzept zum gemeinsamen Lernen von Schülern mit und ohne Behinderung, kein Fortbildungskonzept für Lehrkräfte und keine klaren Aussagen zur personellen, räumlichen und materiellen Ausstattung der inklusiv arbeitenden Schulen", kritisiert Balbach.
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