Lehrer vor Selbstausbeutung schützen – Politik muss handeln!
Die Mitinitiatoren der heute in der Kultusministerkonferenz vorgestellten Belastungsstudie, Philologen-Verband NW und Realschullehrerverband, fordern die Schulpolitiker zur Reaktion auf. Wiederholt hat die an der Potsdamer Universität erstellte Untersuchung durch Prof. Uwe Schaarschmidt nachgewiesen, dass über 62 % - mit steigender Tendenz – der Lehrerinnen und Lehrer akut gesundheitsgefährdet sind. Bei den Frauen sind die erfassten Risikogruppen sogar noch größer.
15.06.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Philologenverband NRW (PhV NRW)Wesentliche Gründe für den Belastungsstress sind nach sämtlichen vorliegenden Studien:
- das Verhalten schwieriger Schüler,
- große Klassen,
- hohe Pflichtstundenzahlen.
"Sonntagsreden helfen nicht, wenn der Montagsalltag in den Schulen Lehrerinnen und Lehrer zur Selbstausbeutung treibt", übt Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes, heftig Kritik daran, dass die Schulpolitik das Thema Lehrergesundheit tabuisiert. Ulrich Brambach, Vorsitzender des Realschullehrerverbandes, ergänzt: "Mit 28 Unterrichtsstunden von überhaupt nur maximal 30 möglichen vormittäglichen Stunden sind alle Zeitressourcen aufgezehrt, um notwendige Erziehungsarbeit zu leisten. Von Phasen des Durchatmens und Zur-Ruhe-Kommens kann man nur träumen!"
Der Nordrhein-Westfälische Lehrerverband fordert daher, die zeitliche wie auch physisch-psychische Belastung der Lehrkräfte zu reduzieren und die Klassengrößen deutlich abzusenken. Mittlerweile zählt jede 2. Schulklasse an Realschulen und Gymnasien in Nordrhein-Westfalen mehr als 29 Schülerinnen und Schüler. Die in der Schaarschmidt-Untersuchung erprobten Unterstützungsangebote sind in der Lehreraus- und fortbildung umzusetzen. Entscheidend ist ein gutes soziales Klima in den Schulen. Die hektische Schulreformpolitik ist einzustellen!
Nach dem Prüfungsmarathon der letzten Wochen fürchtet der Nordrhein-Westfälische Lehrerverband eine Konferenzhektik in den nächsten Monaten: Förder- und Qualitätskonzepte, Lehrplanabsprachen und notwendige Abstimmungsprozesse über Kopfnoten sind nur einige der zusätzlichen zeitlichen Belastungen.
"Letztlich darf es nicht sein, dass schulgesetzliche Vorhaben stereotyp den Passus ´Kosten – keine´ enthalten, sie müssen in jedem einzelnen Fall seriös den Zeit- und Belastungsfaktor für Lehrerinnen und Lehrkräfte ausweisen", fordern die Verbandsvorsitzenden. Sowohl eine Aufgabenkritik zu allem, was in Schule geleistet werden soll, wie auch eine Aufgabenbeschreibung für Lehrerinnen und Lehrer sind dringend nötig.
Hinweis:
Auf der Homepage des NRWL (www.nrwl.de) finden Sie einen Arbeitsbelastungs-Check für Lehrkräfte.
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