Lehrkräftemangel

Lehrkräfte betrauern Verlust der Bildungsqualität

Während Schüler*innen am Buß- und Bettag zu Hause bleiben konnten, gingen Lehrkräfte in mehreren bayerischen Städten für bessere Bildung auf die Straße. Aufgrund des akuten Lehrkräftemangels an Grund-, Mittel- und Förderschulen „betrauerten“ sie den Verlust der Bildungsqualität und stellten Forderungen an die Politik.

19.11.2021 Bayern Pressemeldung GEW Bayern
  • © s4svisuals - www.fotolia.com

Zu den Protesten aufgerufen hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bayern (GEW).

In Nürnberg, München, Würzburg, Bamberg und Fürstenfeldbruck organisierte die GEW Kundgebungen, Demonstrationen und Informationsveranstaltungen. „Die Öffentlichkeit weiß in der Regel gar nicht, unter welchen Bedingungen die Kinder derzeit an den Grund-, Mittel- und Förderschulen lernen müssen. Bereits vor Beginn des Schuljahres war klar, dass man den Bedarf an Lehrkräften nicht mit entsprechend ausgebildetem Personal decken kann. Die letzten mobilen Reserven sind bereits aufgebraucht, Quarantäne und Krankheitswellen rauschen auf die Schulen zu und bereits jetzt ist vielerorts noch nicht mal die Betreuung der Kinder gewährleistet, von Unterricht ganz zu schweigen“, schildert Martina Borgendale, Vorsitzende der GEW Bayern.

Unterstützung kommt auch aus der Politik. In Nürnberg begleitete Anna Schwamberger, Mitglied des Landtags und schulpolitische Sprecherin der Grünen, die Demonstration und richtete unterstützende Worte an die Lehrkräfte. In München war Ronja Endres, Vorsitzende der BayernSPD, vor Ort. „Heute trauert die GEW um die gute Bildung. Wir brauchen mehr Lehrkräfte und mehr Pädagogik an Schulen. Die BayernSPD steht deshalb an der Seite der GEW und unterstützt ihre Forderungen“, so ihr Statement.

Um ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen, schrieben Lehrkräfte in München und Nürnberg auf Traueranzeigen, was im Schulalltag in den letzten Jahren weggefallen oder aufgrund des personellen Notstandes schlicht nicht mehr leistbar ist. Da werden fehlende Förderstunden betrauert, die gestrichene Schulband und diverse Arbeitsgemeinschaften, das "Einstampfen" der Doppelbesetzungen, aber auch ganz einfach zu wenige Pausen und die Zunahme fehlender Motivation. „Wir haben einen hohen Anspruch an unsere eigene Arbeit und wir wollen, dass jedes Kind bestmögliche Bedingungen zum Lernen hat. In letzter Zeit komme ich mir aber mehr wie ein Lückenfüller vor. Statt Fachunterricht zu erteilen, vertrete ich immer öfter Kolleginnen und Kollegen oder betreue auch schon mal zwei Klassen gleichzeitig“, sagt ein Lehrer, der seinen Namen nicht verraten möchte.

Den Beruf der Lehrkraft wieder attraktiv machen, das wäre jetzt Aufgabe des Kultusministeriums, meint der stellvertretende Vorsitzende Florian Kohl. „Seit zwei Jahren erleben wir Krisenmanagement zulasten der Arbeitsbedingungen an Schulen, hören aber in der Öffentlichkeit von unserem Kultusminister, dass wir so viele Lehrkräfte wie noch nie zuvor haben. Das ist politische Schönrednerei einer Situation, die an den Schulen konkrete negative Auswirkungen auf die Bildungsqualität der Kinder hat“, erklärt er zornig. Seiner Meinung nach sorgte nicht nur Corona dafür, dass man sich von dem Ziel der Bildungsgerechtigkeit immer weiter entfernt. „Der Lehrkräftemangel wird uns die nächsten Jahre begleiten, und auch die anderen Schularten sind betroffen. Wir streiten für ein inklusives Schulsystem, in dem jedes Kind bestmögliche Lernbedingungen vorfindet und Lehrkräfte zum Wohle der Kinder und der Gesellschaft motiviert und engagiert arbeiten können. Denn das haben alle Kinder verdient“, sagt Kohl.

Flyer mit den Forderungen der GEW verteilten die Lehrkräfte an interessierte Passant*innen. "Gut ausgestattete Schulen" standen ebenso darauf wie "Stunden für den Ganztag", "Zeit für Schulentwicklung" und "multiprofessionelle Teams". Auch ein anständiges Angebot der Arbeitgeber in der laufenden Tarifrunde (TV-L) wurde angemahnt. All diese Forderungen werden die Lehrkräfte auch noch per Postkarte an die Landtagsabgeordneten der CSU und Freie Wähler schicken.

"Das Lehramt für Grund- und Mittelschulen muss zudem attraktiver werden. Auch in Bayern muss A13/E13 als Eingangsbesoldung in allen Lehrämtern endlich umgesetzt werden. Die Hälfte der Bundesländer machte es uns doch bereits vor!", fordert die Landesvorsitzende der GEW Martina Borgendale.

Den Personalmangel an Schulen beheben zu wollen, setzt bildungspolitisches Handeln auf vielen Ebenen voraus. Die Bildungsgewerkschaft GEW zeigte mit ihren Aktionen, welche Wege gegen den Lehrkräftemangel und für mehr Bildungsqualität zu gehen sind.

Ansprechpartner

GEW Bayern

Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden