Lehrkräftemangel ist Resultat verfehlter Politik
"Die vom Kultusministerium hochgelobte Qualifizierungsmaßnahme von Fachhochschulabsolventen zu Berufsschullehrern für Elektro- und Metallberufe wird von uns mehr als "Ziehen der Notbremse in letzter Minute" denn als kluger und vorausschauend planender Akt angesehen," so der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen, Jochen Nagel.
17.09.2007 Hessen Pressemeldung GEW HessenDer Lehrkräftemangel in den Berufsfeldern Elektro und Metall besteht seit mehr als 20 Jahren. Die GEW hat die jeweiligen Kultusminister eingehend - aber vergeblich - darauf hingewiesen. Dass Lehrkräfte in größerer Zahl in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen, war absehbar. Doch die Landesregierung blieb untätig, sie warb nicht an den Universitäten und Schulen um Menschen, die den Lehrberuf hätten ergreifen sollen. Auch Weiterbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte, die wegen ihrer Fächerkombination nicht eingestellt wurden, unterblieben trotz vielfacher Aufforderung durch die GEW. "Jetzt sind diese qualifizierten Leute meist in anderen Berufen tätig und fehlen uns an allen Ecken und Enden. Stattdessen wird nun in Hektik auf niedrigerem Niveau nachqualifiziert", kritisiert Nagel
Doch nicht nur in diesem Bereich besteht Bewerbermangel. Für die Beruflichen Schulen suchen die Schulämter inzwischen faktisch in allen Berufsfeldern händeringend nach jungen Lehrerinnen und Lehrern. Aber auch im Bereich der Haupt- und Realschulen sind die Bewerberlisten praktisch leer, ebenso fehlen in den naturwissenschaftlichen Fächern sowie den Sprachen an den Gymnasien Lehramtsbewerberinnen und -bewerber, weiß die Bildungsgewerkschaft.
"Das Ganze zeugt von einer verfehlten Arbeitsmarktpolitik im Bildungsbereich. Seit Jahren verschließen die politisch Verantwortlichen die Augen vor der Alterspyramide der Lehrkräfte und davor, dass sie diesen Beruf mit vielen Maßnahmen immer unattraktiver gemacht haben. Das geht von der Reduzierung der Ausbildungsvergütungen und Verschlechterung der Ausbildungsbedingungen bis hin zu drastischen Verschlechterungen der Gehalts- und Arbeitsbedingungen im Lehrerberuf insgesamt.", resümiert Jochen Nagel abschließend. "Die Fortsetzung dieser Politik führt in die Sackgasse, in der Unterricht zunehmend von geringer qualifiziertem Personal übernommen werden soll. Ein weiterer Schritt weg vom proklamierten Ziel 'Bildungsland Nr.1'".
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