Lernen braucht Zeit – G8 und Sonnabendsunterricht
"Ein elfjähriger Sextaner hat heute 31 Wochen-Unterrichtsstunden, seine Lehrer auf Vollzeitstellen nur 24 Stunden - ist das noch zu verantworten?" fragte heute Dr. Ulrich G. Kliegis, Vorsitzender der Deutschen Elternvereins e.V. in Kiel.
07.02.2008 Pressemeldung Deutscher Elternverein e.V."Unterrichtsvor- und -nachbereitung nehmen noch einmal die gleiche Zeit in Anspruch, beim Schüler wie beim Lehrer. Das ist unausgewogen. Die Leistungsfähigkeit der Kinder, ihre Fähigkeit, Wissen aufzunehmen und zu verarbeiten, hat natürliche Grenzen, die durch das G8-System fahrlässig, wenn nicht sogar vorsätzlich, regelmäßig überschritten werden. Die Unterrichtszeit eines Oberstufenschülers kann heute leicht an die 40-Stunden-Grenze reichen. Abgesehen davon, dass für außerschulische Bereiche wie Sport, Kultur oder einfach nur das Zusammensein mit Freunden keine Zeit bleibt, wird der Unterricht durch die Überforderung auch uneffektiv. Übermüdeten, gestressten Schülerinnen und Schülern, die oft auch noch lange Wege im Schulbus absolvieren müssen, wird so die Grundlage und das eigentliche Ziel der Schule, sich bestmöglich zu entwickeln, vorenthalten und unterschlagen."
Kliegis begrüßte ausdrücklich den Vorstoß der Hamburger Bildungssenatorin Dinges-Dierig, den Sonnabend wieder zum regulären Unterrichtstag zu machen; allerdings, so seine Ergänzung, nicht nur an Gymnasien, sondern an allen Schularten. Der Sonnabend als Arbeitstag gehört nicht nur für die Mitarbeiter des Einzelhandels, des Gesundheitswesens und viele andere wieder zur Lebenswirklichkeit in Deutschland. Außer dem Schaden für die Bequemlichkeit spricht nichts gegen den Sonnabend als Schultag. Viele Eltern und Lehrer, die diese Regelung noch aus früheren Jahren kennen, schätzten den Sonnabend als idealen Tag für Klassenarbeiten oder für die Vertiefung von Lerninhalten. Die kürzere zeitliche Distanz zum nächsten Unterricht am Montag erleichtert dann auch den Wiedereinstieg in den Unterrichtsstoff.
Im Übrigen begrüßte Kliegis den Vorschlag des niedersächsischen GEW-Vorsitzenden, es den Schulen selbst zu überlassen, in wievielen Jahren sie ihre Schüler individuell zum Abitur führen, in 12, 13 oder 14. Wer ernsthaft am Wohl unserer Schülerinnen und Schüler interessiert ist, muss diesen Gedanken aufgreifen und umsetzen.
Zum Vergleich: in den Niederlanden beträgt die Schulbesuchsdauer bis zum VMBO (der entspricht etwa unserem Hauptschulabschluss) 11 (!) Jahre, ebenso bis zum HAVO, der ungefähr unserem Realschulabschluss entspricht. Die Zeit bis zum Abitur (VWO) sind mindestens 12 Jahre, sehr viele Schüler beginnen ihre Schulkarriere allerdings schon mit einer zweijährigen Vorschule, sodass insgesamt 14 Schulbesuchsjahre zusammenkommen.
Die Niederlande rangieren in PISA-Studien regelmäßig auf den ersten Plätzen.
"Ausdrücklich wendet sich der Elternverein gegen eine weitere Ausdünnung und Verwässerung der Lehrpläne, wie sie jetzt vom niedersächsischen Kultusminister Busemann ins Gespräch gebracht wurde.
Einem ausgezehrten Patienten verordnet man keine Abmagerungsdiät, sondern man muss ihn aufbauen und wieder zu Kräften bringen," schloss Kliegis mit einem medizinischen Vergleich.
Keine Kommentare vorhanden