Europa

Mancherorts bekommt jeder zweite Schüler Nachhilfe

(red/pm) Europäische Eltern geben jährlich mehrere Milliarden Euro für Nachhilfe- und Förderunterricht aus. In einigen EU-Ländern erhält mehr als die Hälfte der Schüler zusätzlichen Privatunterricht. Das belegt ein von der Europäischen Kommission veröffentlichter neuer Bericht.

30.05.2011 Artikel

Private Nachhilfe ist in der gesamten EU ein Thema, so der Bericht der Generaldirektion Bildung und Kultur der Europäischen Kommission "The challenge of shadow education". In den meisten Mitgliedsländern habe sie beträchtlich zugenommen. Besonders in südeuropäischen Ländern sei privater Zusatzunterricht weit verbreitet. In Griechenland etwa geben Eltern jährlich rund 950 Millionen Euro aus, das entspricht etwa 20 Prozent der staatlichen Ausgaben für die Schulbildung. Deutlich weniger private Nachhilfe bekommen die Schüler in Schweden und Finnland. In Frankreich sind die Ausgabe für Nachhilfe auf 2,2 Milliarden Euro pro Jahr gestiegen und in Deutschland liegen sie bei rund 1,5 Milliarden Euro. Auch in Großbritannien und Belgien nimmt zusätzlicher privater Unterricht zu.

Problematisiert wird in dem Bericht, dass die Nachhilfe stark von leistungsorientierten Eltern nachgefragt werde, die ihren Kindern einen Wettbewerbsvorteil verschaffen wollen. So würden die ohnehin schon Privilegierten gefördert und nicht die Schüler, die einen tatsächlichen Unterstützungsbedarf hätten. Darüber hinaus hätten finanzielle Kürzungen im Bildungsbereich dazu geführt, dass weniger Lernunterstützung innerhalb der Schule bereitgestellt werde.

Das wachsende Ausmaß und die Intensität der privaten Nachhilfe in der EU hätten erhebliche wirtschaftliche und soziale Auswirkungen, etwa auf die Chancengerechtigkeit, auf die Arbeit der etablierten Schulen und auf das Leben von Kindern und Familien. Außerdem wird beklagt, dass dieses "Schattenbildungssystem" bis vor kurzem kaum auf der Agenda von Forschern und Politikanalysten stand. Eine weitere Erforschung dieses Phänomens sei notwendig.

Und schließlich wirft der Bericht noch einen Blick auf die betroffenenen Kinder: Zu viel private Förderung könne ihre Freizeit auf eine psychologisch und pädagogisch unerwünschte Weise einschränken.


Weiterführende Links

  • EU-Bericht "The challenge of shadow education"

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