Berufsentwicklung

Mehr Praxis für den Lehrberuf: Bayern stellt Lehrkräftebildung neu auf

Bayern stellt die Lehrkräftebildung neu auf. Mit dem Masterplan Lehrkräftebildung werden Studium, Vorbereitungsdienst und Fortbildung enger verzahnt und stärker an den Anforderungen des Lehrerberufs ausgerichtet. Herzstück ist ein neues intensives Praxisjahr.

21.09.2026 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
  • Kinder sitzen in einem Klassenraum und schauen auf ein digitales Whiteboard. © www.pexels.com Wissenschaftsminister Markus Blume und Kultusministerin Anna Stolz stellen den bayerischen Masterplan der Lehrkräftebildung vor: Das Herzstück ist ein neues Praxisjahr.

Die schulische Praxis wächst um rund 50 Prozent auf 300 Stunden; vorgesehen sind mindestens 20 eigene Unterrichtsversuche. Zugleich werden Ausbildung und Prüfungen konsequent weiterentwickelt.

Wissenschaftsminister Markus Blume dazu: „Wir machen das Lehramtsstudium attraktiver, praxisnäher und fit für die Zukunft. Dafür verzahnen wir alle Phasen der Ausbildung enger miteinander, stärken die Rolle der Universitäten in allen Phasen und – ganz zentral: Wir bringen das Klassenzimmer in die Uni und die Uni ins Klassenzimmer. Praxis wird das verbindende Element aller Phasen der Lehrkräftebildung. Kern des Masterplans ist deshalb das neue Praxisjahr, in dem die Studierenden über ein komplettes Schuljahr hinweg authentische Erfahrungen an den Schulen machen. Das heißt: Mehr Unterrichtsversuche, engere pädagogisch-fachdidaktische Begleitung, mehr Reflexion schon während des Studiums. Und wir stärken die Fachdidaktiken. Dazu gehört auch, dass neue praxisorientierte und berufsfeldbezogene Lehrveranstaltungen angeboten werden. Und: Mit einem zusätzlichen Praxis- und Prüfungssemester passen wir die Regelstudienzeiten an – das bringt mehr Raum für das, was wichtig ist: praktische Erfahrung und passgenaue Examensvorbereitung. Mit der neuen Lehramtsausbildung geben wir den angehenden Lehrerinnen und Lehrern in Studium und Referendariat Hands-on-Fähigkeiten für den täglichen Unterricht mit auf den Weg.“

Kultusministerin Anna Stolz dazu: „Entscheidend ist, was am Ende bei den Schülerinnen und Schülern ankommt. Lehrkräfte vermitteln nicht nur Wissen. Sie wecken Neugier, entdecken Talente und geben Orientierung. Genau darauf richten wir unsere Lehrkräftebildung noch stärker aus: mit deutlich mehr Praxis und einer engen Begleitung auf dem Weg in den Beruf. Denn mehr Praxis heißt nicht einfach: früher vor die Klasse. Es heißt: selbst unterrichten, Rückmeldung bekommen, reflektieren – und mit jedem Mal sicherer werden.“

Der Masterplan bündelt zehn Handlungsfelder in den drei Säulen Praxisorientierung, Qualitätsentwicklung und Willkommenskultur. Im Studium stehen ein stärkerer Berufsbezug durch intensive Praxisphasen und die Vermittlung von berufsfeldrelevanten Inhalten und Schlüsselthemen im Fokus. Der Vorbereitungsdienst verankert aktuelle Anforderungen verbindlicher, qualifiziert die Ausbildenden gezielt weiter und gestaltet die Prüfungen praxisnäher. Hinzu kommen eine stärkere Anerkennung von Studienleistungen sowie Angebote zu Resilienz, Beratung und Onboarding.

Der Masterplan ist das Ergebnis eines seit 2024 strukturierten Entwicklungsprozesses. Die Empfehlungen einer Expertenkommission mit Vertretern der Wissenschaft und der Schulfamilie sowie weiteren Perspektiven aus der Schulpraxis und dem Vorbereitungsdienst sind in die Erarbeitung eingeflossen. Jetzt geht es Schritt für Schritt in die Umsetzung.

Masterplan Lehrkräftebildung auf einen Blick

Der Masterplan entwickelt die Lehrkräftebildung über Studium, Vorbereitungsdienst und Fortbildung hinweg weiter. Die zehn Handlungsfelder des Masterplans gliedern sich in drei Säulen:

Säule 1: Praxisorientierung – Stärkerer Berufsfeldbezug ab dem 1. Semester | Handlungsfelder 1–3

Früher und intensiver in den Lehrerberuf hinein

Angehende Lehrkräfte sollen früher erleben und erproben, worauf es im Klassenzimmer ankommt. Dafür werden Berufsfeldbezug und Fachdidaktik im Studium deutlich gestärkt. Neue praxisorientierte Lehrveranstaltungen nehmen beispielsweise Classroom Management stärker in den Blick.

Herzstück ist das neue „Praxisjahr intensiv“. Die bisherigen Praktika werden gebündelt und um rund 50 Prozent auf insgesamt 300 Stunden ausgeweitet. Über ein ganzes Schuljahr hinweg erleben die Studierenden Schule kontinuierlich und übernehmen deutlich mehr selbst: Mindestens 20 eigene Unterrichtsversuche sind vorgesehen. Begleitet werden sie dabei von Schule und Universität; die Praxiserfahrungen werden wissenschaftlich reflektiert.

Mit sogenannten Core Practices geht Bayern noch einen Schritt weiter: Zentrale Tätigkeiten guten Unterrichtens werden gezielt trainiert – zum Beispiel Lernfortschritte erkennen, gutes Feedback geben oder Unterrichtsstörungen vorbeugen. Modellversuche erproben diesen Ansatz an ausgewählten Universitätsstandorten.

Säule 2: Qualitätsentwicklung – Genereller Qualitäts-Turbo | Handlungsfelder 4–7

Ausbildung an dem ausrichten, was Lehrkräfte heute können müssen

Schule verändert sich – und damit auch die Anforderungen an Lehrkräfte. Deshalb werden Themen wie Inklusion und der Umgang mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, Demokratiebildung sowie Digitale Bildung und KI stärker und verbindlicher in der Ausbildung verankert.

Gleichzeitig rücken diejenigen stärker in den Fokus, die angehende Lehrkräfte ausbilden: Seminar- und Praktikumslehrkräfte werden gezielt weiterqualifiziert, Studium, Schulpraxis und Vorbereitungsdienst enger miteinander verbunden. Der Vorbereitungsdienst wird zudem über alle Lehrämter hinweg systematisch evaluiert und auf dieser Grundlage weiterentwickelt.

Auch bei den Prüfungen zählt künftig stärker die tatsächliche Unterrichtspraxis. Bei mehreren Lehrämtern ersetzt eine Sequenzprüfung eine der bisherigen Lehrproben: Bewertet wird damit nicht nur eine einzelne Unterrichtsstunde, sondern wie sich Lernen und Kompetenzaufbau über mehrere Stunden hinweg entwickeln. Die schriftliche Hausarbeit im Zweiten Staatsexamen entfällt.

Säule 3: Willkommenskultur – Starke Rahmenbedingungen für starke Lehrkräfte | Handlungsfelder 8–10

Gut durch Ausbildung und Berufseinstieg begleiten

Wer Lehrkraft werden will, soll auf diesem anspruchsvollen Weg verlässlich begleitet werden. Deshalb wird zunächst sichtbar gemacht und anerkannt, was Studierende tatsächlich leisten: Praxiszeiten und die Vorbereitung auf das Erste Staatsexamen werden stärker berücksichtigt. Insgesamt werden dafür 30 Leistungspunkte abgebildet; die Regelstudienzeit wird entsprechend angepasst. Gleichzeitig geht es um einen guten Start in den Beruf. Die Angebote von LehrKraftStärken werden systematisch im Vorbereitungsdienst verankert und unterstützen angehende Lehrkräfte bei Resilienz und Selbstfürsorge. Hinzu kommen verbindlichere Beratung und ein verbessertes Onboarding an den Übergängen vom Studium in den Vorbereitungsdienst und weiter in den Beruf.

Die zehn Handlungsfelder des Masterplans Lehrkräftebildung mit allen zentralen Maßnahmen finden Sie kompakt zusammengefasst in der beigefügten Übersicht.


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden