Mehr Praxis ist richtig – die Strukturreform bleibt aus
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Bayern begrüßt, dass der von Kultus- und Wissenschaftsministerium vorgestellte Masterplan Lehrkräftebildung die Praxis im Studium ausweitet und die schriftliche Hausarbeit im Referendariat streicht.
22.09.2026 Bayern Pressemeldung GEW BayernEine grundlegende Reform ist er aus Sicht der Bildungsgewerkschaft im DGB aber nicht: Bayern hält an schulartspezifischen Lehrämtern und am Referendariat mit Zweiter Staatsprüfung fest. Die GEW Bayern bringt deshalb ihr eigenes Konzept für eine flexible Lehrer*innenbildung erneut in die Debatte ein.
Mehr Praxis im Studium, eine engere Verzahnung der Ausbildungsphasen und mehr Gewicht für Inklusion, den Umgang mit Heterogenität und digitale Bildung hält die GEW Bayern für richtige Schritte. Auch der Wegfall der Hausarbeit greift ein reales Problem auf: In einer im Juli veröffentlichten Umfrage der GEW Bayern unter mehr als 400 Referendar*innen und Lehramtsanwärter*innen sahen mehr als 60 Prozent der Teilnehmenden beim Schriftwesen den größten Handlungsbedarf; mehr als die Hälfte hatte nach eigenen Angaben bereits über einen Abbruch nachgedacht.
„Mehr Praxis allein macht aber noch keine grundlegende Reform“, hält Landesvorsitzende Martina Borgendale fest. „Die wichtigste Weiche stellen Lehramtsstudierende in Bayern weiterhin mit der Einschreibung: Sie legen sich auf eine Schulart fest, bevor sie im Praxisjahr erleben, ob sie dort richtig sind. Wer dann merkt, dass eine andere Schulart besser passt, muss den Studiengang wechseln. Eine Ausbildung für die Primar- oder Sekundarstufe mit gemeinsamer Orientierungsphase würde das ändern und Lehrkräfte flexibler machen, statt sie an starre Schularten zu binden. Diese Chance lässt der Masterplan liegen.“
Die Festlegung auf die bestehende Struktur kommt nicht überraschend: Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums enthielten bereits die Empfehlungen der Expert:innenkommission vom Mai 2025 ein Bekenntnis zur schulartspezifischen Lehrer:innenbildung und zur zentralen Ersten Staatsprüfung. Wissenschaftsminister Markus Blume hatte damals als Linie ausgegeben: „Evolution, nicht Revolution.“
Das Konzept der GEW, 2021 von ihrer Landesvertreter:innenversammlung einstimmig beschlossen, setzt früher an: Ein gemeinsames Grundstudium mit Praxisphasen in Primar- und Sekundarstufe dient der Orientierung, erst danach folgt ein Master für eine der beiden Stufen. An die Stelle des Referendariats soll ein Berufseinstiegsjahr bei voller Bezahlung mit dem Schwerpunkt Beratung treten; Fort- und Weiterbildung sollen deutlich ausgebaut werden.
GEW-Vize Markus Weinberger dazu: „Die Staatsregierung modernisiert das bestehende System – sie stellt es aber nicht grundsätzlich infrage. Genau diese strukturelle Reform ist angesichts des anhaltenden Lehrkräftemangels aus unserer Sicht aber dringend notwendig.“
Die voll reformierten Studiengänge sollen zum Wintersemester 2029/30 starten. Die GEW Bayern fordert Kultus- und Wissenschaftsministerium auf, diese Zeit zu nutzen und auch die Struktur der Lehrämter auf den Prüfstand zu stellen.
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