Zentrale Klausuren

Matheklausur: Hamburg kein Einzelfall

Schulbehörde: Klausur deutlich schwerer als in den Vorjahren

19.01.2017 Hamburg Pressemeldung Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB)
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Zentrale Mathematikklausuren machen der Schulwelt in allen Bundesländern immer wieder Probleme. Darauf hat jetzt die Hamburger Schulbehörde hingewiesen. So gab es bereits in mehreren Bundesländern in der Vergangenheit nachträgliche Änderungen des Bewertungsmaßstabes von Klausuren. In Hamburg hatte die Schulbehörde nach einer außerordentlich schweren Mathematik-Klausur jetzt alle Klausurnoten nachträglich um eine Note heraufsetzen lassen. Von 3.201 Schülerinnen und Schülern, die an der sehr schweren Mathematikklausur in der Oberstufe aller Stadtteilschulen und Gymnasien teilgenommen hatten, hätten ursprünglich 1.363 (42,6%) Schülerinnen die Note "5" oder "6" bekommen, weitere 338 (10,6%) hätten die Note "4 minus" erreicht. Nach Auswertung sämtlicher Klausuren lag der ursprüngliche Notendurchschnitt bei 4,1.

Bereits 2008 hatte die Hamburger Schulbehörde in einem vergleichbaren Fall nachträglich den Bewertungsmaßstab einer besonders schlecht ausgefallenen Klausur in Klasse 10 verbessert. Noch dramatischere Beispiele gibt es aus anderen Bundesländern, wo sogar der Maßstab für die besonders wichtigen Abiturarbeiten nachträglich geändert wurde. So hob das niedersächsische Kultusministerium 2016 alle Mathematik-Abiturklausuren um 12,5 % an. In Nordrhein-Westfalen konnten die Schülerinnen und Schüler 2011 die besonders schlecht ausgefallene Mathematik-Abiturklausur ein zweites Mal schreiben. Und in Bayern wurden 2011 sogar nachträglich die gesamten Abiturbedingungen erleichtert, um die Folgen einer sehr schlecht ausgefallenen Mathematik-Abiturarbeit zu lindern.

Schulsenator Ties Rabe: "Die Mathematik-Klausur war diesmal schwerer als in der Vergangenheit, weil wir Hamburgs Abiturientinnen und Abiturienten frühzeitig auf die künftigen bundeseinheitlichen Mathematik-Abituraufgaben vorbereiten müssen. Die Klausur fand deshalb auch unter abiturähnlichen Bedingungen statt. Es kommt jetzt darauf an, die verbleibende Zeit bis zur richtigen Abiturarbeit im Mai gut zu nutzen. Die Schulbehörde hat dazu weitere Übungsaufgaben bereitgestellt, alle Schulen werden zudem zusätzliche Mathematik-Unterrichtsstunden anbieten. Fachleute der Schulbehörde werden zudem die Klausurergebnisse zusammen mit den Mathematiklehrkäften der Schulen genauer analysieren und weitere Maßnahmen erörtern."

In der Mathematik-Klausur am Ende des dritten Semesters der Oberstufe wurden erstmals drei statt bislang zwei Mathematikbereiche geprüft. Zudem waren die Aufgaben deutlich komplexer und umfangreicher als in den vergangenen Jahren. Eine erste Auswertung weist darauf hin, dass den Schülerinnen und Schülern vor allem der Umfang der Arbeit zu schaffen machte. Weil kein anderes Bundesland eine vergleichbare Klausur schreiben ließ, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar, ob die Klausur zu schwer oder Hamburgs Schülerinnen und Schüler nicht ausreichend vorbereitet waren. Um den Schülerinnen und Schülern im Vergleich zu den vergangenen Jahren keine Nachteile entstehen zu lassen, hat die Schulbehörde deshalb alle Klausuren um eine Note verbessern lassen.

Nach Auswertung aller Klausuren zeigt sich, dass die teilnehmenden 3.201 Schülerinnen und Schüler ohne die nachträgliche Auswertung einen Notendurchschnitt von 4,1 erreicht hätten. Die besten Ergebnisse erzielten dabei die Schulen Gymnasium Altona (Notendurchschnitt 3,2), Gymnasium Oberalster, Sasel (Notendurchschnitt 3,2), Hansa-Gymnasium, Bergedorf (Notendurchschnitt 3,2) und Gymnasium Buckhorn, Volksdorf (Notendurchschnitt 3,3). Es gab aber auch 18 von 100 Gymnasien und Stadtteilschulen, in denen weniger als 10 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Note 4 und besser erreicht hatten (darunter sind allerdings einige Schulen, an denen nur einzelne Schüler überhaupt diese Klausur geschrieben haben).

Im Zusammenhang mit dem Abschneiden der Schülerinnen und Schüler bei der Mathematik-Klausur wurden weitere Maßnahmen zur Vorbereitung des Abiturs im Mai eingeleitet:

  • Das zuständige Referat der Schulbehörde hat zusätzliche Übungsaufgaben entwickelt und im Internet neben den dort bereits länger veröffentlichten Beispielaufgaben veröffentlicht, so dass die Schülerinnen und Schüler bis zu den Prüfungsterminen ausreichend üben können.
  • Alle Schulen werden mindestens zwölf zusätzliche Übungs- und Vorbereitungsstunden für das Mathematikabitur als Angebot für die Schülerinnen und Schüler organisieren, das entspricht rund drei Wochen zusätzlichem Mathematikunterricht.
  • Die Schulen sollen im Rahmen der Lernförderung weitere zusätzliche Übungs- und Vorbereitungsstunden für das Mathematikabitur als Angebot für die Schülerinnen und Schüler organisieren.
  • Das zuständige Referat der Schulbehörde hat die Mathematik-Fachlehrkräfte der Abiturklassen in das Landesinstitut für Lehrerbildung eingeladen, um dort die Klausur zu analysieren und weitere Aufgaben abzustimmen.

Schulsenator Ties Rabe erklärt im Hinblick auf das bundeseinheitliche Abitur 2017: "Hamburgs Abitur wird in Zukunft bestimmt nicht leichter. Und wir müssen uns dieser Herausforderung stellen, denn wir wollen in Hamburg kein "Abi-light", sondern ein Abitur auf Bundesniveau. Deshalb müssen und werden wir uns auf allen Ebenen tüchtig anstrengen. Es macht daher keinen Sinn, wenn sich nach jeder schlechten Klausur Eltern, Schüler, Lehrer und Schulbehörde gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben. Jeder muss bei sich selbst anfangen und überlegen, was er selbst zur Verbesserung beitragen kann. Wer sich jedoch anstrengt, der kann sich auch künftig darauf verlassen, dass die Schulbehörde sorgfältige und vernünftige Maßstäbe anlegen und nicht mit der Brechstange agieren wird. Die Heranführung des Hamburger Abiturs an bundesweite Standards ist ein Prozess über mehrere Jahre."

Mehrere Untersuchungen der Schulbehörde bestätigten bislang die guten Leistungen der Hamburger Schülerinnen und Schüler im Fach Englisch, aber auch die schwächeren Leistungen im Fach Mathematik. Diese Leistungen zu verbessern kann nur mit einem umfangreichen Programm gelingen und ist eine Aufgabe, die nur langfristig gelöst werden kann. Deshalb hat die Schulbehörde nach der Hinzuziehung von Experten und Wissenschaftlern im Jahr 2015 ein umfangreiches Programm mit folgenden Maßnahmen auf den Weg gebracht:

  • die Erhöhung der Mindeststundenzahl für den Mathematikunterricht an Stadtteilschulen und Gymnasien auf mindestens vier Stunden pro Woche
  • der verbindliche Einsatz von Fachlehrkräften mit Mathematik-Studium anstelle fachfremder Lehrkräfte an Gymnasien und Stadtteilschulen bis spätestens zum Schuljahr 2017/18
  • der verbindliche Einsatz von Fachlehrkräften mit Mathematik-Studium anstelle fachfremder Lehrkräfte in mindestens 50 Prozent aller Mathematikstunden an Grundschulen
  • umfangreiche Qualifikationsmaßnahmen für fachfremd eingesetzte Lehrkräfte an Grundschulen im Umfang von insgesamt mindestens 190 Fortbildungsstunden innerhalb von vier Jahren
  • die Einführung von regelmäßigen Landesfachkonferenzen zur Weiterentwicklung des Mathematik-Unterrichts, an denen die Mathematik-Fachleiter jeder Hamburger Schule teilnehmen müssen
  • die Veröffentlichung von regelmäßigen Fachbriefen Mathematik mit beispielgebenden Klassenarbeiten und
  • die systemische Weiterentwicklung des Mathematikunterrichts in Zusammenarbeit mit dem deutschen Zentrum für Lehrerbildung Mathematik (DZLM)

Diese Maßnahmen werden seitdem mit Erfolg umgesetzt. Im Schuljahr 2015/16 haben rund 200 Lehrkräfte an der Qualifikationsmaßnahme Mathematik für Grundschullehrkräfte teilgenommen, im Schuljahr 2016/17 konnte die Zahl auf 368 Lehrkräfte gesteigert werden. Auch der Einsatz von Fachlehrkräften konnte erheblich verbessert werden. So wird an den Gymnasien 99,2 % des Mathematik-Unterrichts von Mathematik-Fachlehrkräften erteilt, an den Stadtteilschulen sind es zurzeit 93,1%. Die Landesfachkonferenzen zur Weiterentwicklung des Mathematik-Unterrichts für die Mathematik-Fachleiter finden regelmäßig statt. Zudem wurden bereits mehrere Fachbriefe Mathematik für die Mathematik-Fachlehrkräfte veröffentlicht.

Darüber hinaus hat die für Bildung zuständige Behörde zahlreiche weitere Maßnahmen eingeleitet, um die Schülerinnen und Schüler auf die neuen bundeseinheitlichen Aufgaben in der Abiturprüfung Mathematik im Jahr 2017 vorzubereiten. Unter anderem sind in diesem Zusammenhang folgende Maßnahmen zu nennen:

  • Bevor die Schülerinnen und Schüler im Sommer 2015 in die Oberstufe eingetreten sind, wurden die Bildungspläne für Mathematik in der Oberstufe auf die neuen Anforderungen ausgerichtet und angepasst.
  • Vor Beginn des Unterrichts in der Oberstufe wurden den Lehrkräften Abiturhefte zur Verfügung gestellt, die die neuen Anforderungen erläuterten.
  • Ebenfalls noch vor Beginn des Unterrichts in der Oberstufe wurden den Lehrkräften Beispielaufgaben für das neue Mathematik-Abitur ausgehändigt, die die Schülerinnen und Schüler zur Vorbereitung auf das Abitur üben sollten.
  • Im Rahmen von fünf umfangreichen Fachtagungen in den Jahren 2015 und 2016 wurden die Mathematiklehrkräfte fortlaufend über die besonderen Anforderungen des Abiturs und des Unterrichts informiert.
  • Weitere "Mathematik-Fachbriefe" ergänzten diese Vorbereitungen.
  • Am Ende des dritten Semesters wurde erstmals eine Mathematik-Klausur unter Abiturbedingungen mit zentral vorgegebenen Aufgaben durchgeführt, die sich in Art und Umfang an den zu erwartenden bundeseinheitlichen Abituraufgaben orientieren.

Übersicht Notendurchschnitte 

Vorabiturklausur (erhöhtes Niveau) in Mathematik


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