Mathematiklehrkräfte an Haupt- und Realschulen nicht an den Pranger stellen
Verband Niedersächsischer Lehrkräfte sieht sich durch die in 17 Ländern durchgeführte Studie Teacher Education and Development Study in Mathematics (TEDS-M) bestätigt, dass ausgebildete Mathematiklehrkräfte besseren Unterricht erteilen können als Lehrkräfte, die das Fach fachfremd unterrichten müssen.
19.04.2010 Pressemeldung Verband Reale BildungIm Rahmen von TEDS-M sind mehr als 20.000 Mathematiklehrkräfte im letzten Jahr der Lehrerausbildung zu ihren fachlichen und didaktischen Kompetenzen getestet worden. "An dieser Stelle ist die Politik gefordert, die Lehrerausbildung muss überdacht werden", so Manfred Busch, VNL/VDR-Landesvorsitzender. Busch warnt aber auch davor, generell die Mathematiklehrkräfte in Haupt- und Realschulen als schlechte Lehrerinnen und Lehrer an den Pranger zu stellen. "Eine gymnasialausgebildete Lehrkraft wird in einer Hauptschule mit Sicherheit keinen besseren Mathematikunterricht erteilen. Dort sind pädagogische Fähigkeiten mindestens ebenso wichtig wie Fachwissen. Ziel muss eine Aufwertung des Haupt- und Realschullehramts sein. Sowohl in der Ausbildung als auch in der Bezahlung sollten sich Gymnasium und die anderen Schulformen angleichen", so Busch weiter. Die Landesregierung hat gerade kürzlich die Besoldung für Realschullehrkräfte von A13 auf A12 abgesenkt, wahrlich kein Zeichen für eine Steigerung der Attraktivität des Realschullehramtes!
Der bestehende Fachlehrermangel darf nicht dadurch vertuscht werden, dass das Fach Mathematik von Lehrkräften in Grund-, Haupt- und Realschulen erteilt werden muss, die das Fach nicht studiert haben und deshalb auf ihre Mathematikkenntnisse aus der eigenen Schulzeit zurückgreifen müssen. Jede Lehrkraft, die fachfremd eingesetzt werden soll, muss vorher in Fortbildungskursen fit gemacht werden. Fortbildungskurse dürfen nicht erst nach der Unterrichtszeit angeboten werden. Die Auseinandersetzung mit neuen Lehrinhalten verlangt einen freien Kopf. Wenn Fortbildung erfolgreich sein soll, darf sie nicht als zusätzliche Belastung gestaltet werden. Diese Binsenweisheit gilt für alle Fächer.
"Wir müssen uns vom pädagogischen Zehnkämpfer verabschieden. Keiner käme auf die Idee, mit einem Beinbruch zum Kardiologen zu gehen", so Busch abschließend.
Aus dem VDR, auch als Realschullehrerverband bekannt, ist nunmehr der VNL/VDR – Verband Niedersächsischer Lehrkräfte geworden.
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